Frisuren - Ausdruck der Persönlichkeit
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Frisuren - Ausdruck der Persönlichkeit

Bild: Foto: Radomianin, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Frisuren: Vom Statussymbol zum Ausdruck individueller Persönlichkeit.

Frisuren teilen seit jeher auch etwas über die Persönlichkeit eines Menschen, manchmal auch über seine soziale Stellung mit. Bis der Friseur im 20. Jahrhundert für jedermann erschwinglich wurde, waren aufwendige und modische Frisuren nur eine Sache der wohlhabenden Bürger, der Adligen und der Amts- und Würdenträger. Das einfache Volk musste mit einem simplen Haarschnitt vorlieb nehmen. Denen aber, die sich’s leisten konnten, war die Frisur mindestens so wichtig wie die Kleidung.

Frisuren sprechen eine Sprache

Aber auch bevor Frisuren zu einer Modeerscheinung wurden, verstand man sie oft schon als Bedeutungsträger. Vor allem Anhänger der Religionen legten Wert darauf, mit ihrem Haar Zeichen zu setzen. Ein bis heute gültiges Beispiel ist die Tonsur bei Mönchen, die als ein Beweis ihrer Demut verstanden wird. Die jüdische Religion hingegen verbietet den Männern das Schneiden der Haare und Bärte - auch heute erkennt man die orthodoxen Gläubigen an ihren langen Haaren und Bärten. Ein weiterer Brauch, der Haare zum Symbol machte, wurde im Mittelalter begründet. Damals schrieb die christliche Kirche den verheirateten Frauen vor, ihr Haar nicht mehr in der Öffentlichkeit zu zeigen. Es musste mit Hüten und Hauben bedeckt werden. Dies wurde wiederum zum Ausdruck der Zugehörigkeit der Frau zu ihrem Ehemann. Die Redewendung "unter die Haube kommen" zeugt noch heute davon.
Eine Signalwirkung besonderer Art hatte im Mittelalter übrigens eine Haarfarbe: Rothaarige Frauen standen automatisch unter dem Verdacht, Hexen zu sein! Mit allen Mitteln versuchten sie deshalb, ihre Haare zu verstecken oder zu färben: Eine Paste aus gesalzenen roten Schnecken galt als Geheimtipp.
Und positive Wirkung strahlten bestimmte Frisuren der Renaissance aus: Als eine hohe Stirn zum Zeichen besonderer Klugheit wurde, begannen Frauen damit sich Stirnhaare auszuzupfen.

Protestfrisuren haben Tradition

Der Mode ausgesetzt waren Frisuren schon seit der Antike, aber richtig in Schwung kam die Haarmode erst in der Neuzeit. Es waren vor allem die gesellschaftlichen Veränderungen, die den neuen Haartrends Vorschub leisteten. In der Biedermeierzeit (1789-1848) wollten viele, vor allem junge Männer ihre demokratische Gesinnung - damals noch etwas unerhört Neues - auch äußerlich zur Schau tragen. Um sich von den Traditionalisten abzusetzen, ließen sie sich das Haar kurz schneiden und trugen ausgeprägte Koteletten. Auch Bärte wurden bald zum Erkennungszeichen der Fortschrittlichen, weshalb 1846 den preußischen Beamten verboten wurde, überhaupt einen Bart zu tragen.
Die Weimarer Republik brachte ihre eigene Art von Protestbewegung hervor: Weibliche Leinwandstars trugen erstmals Kurzhaarschnitte. Damit wollten sie ein Zeichen für die Gleichberechtigung der Frau setzen.
In den 60er und 70er Jahren des 20. Jahrhunderts waren es erneut die Jugendlichen, die mit ihrem Haar gegen die etablierte Gesellschaft protestierten. Bereits die Beatles ließen lange Haare auch für Männer chic werden, die Friedensbewegung steigerte diesen Trend: Beliebig lange Mähnen wurden zum Ausdruck von Freiheitswillen. Je ungebändigter und wilder die Frisur wucherte, um so unangepasster wollte der Träger sein. In den 70ern wurden die langen Haare dann von Friseuren gebändigt und damit auch salonfähig gemacht. Ein herausragendes Beispiel der Verknüpfung von Statement und Mode ist der Afro. Der auftoupierte Lockenkopf sollte Solidarität mit den Afro-Amerikanern demonstrieren, wurde aber Mitte der 70er unversehens zur Modeerscheinung Nummer Eins des "Disco-Zeitalters".

Der damit verbundene Glamour wiederum, passte nicht zum Lebensgefühl vieler Jugendlicher zu Beginn der 80er. Sie protestierten mit schrill gefärbten Igel- und Irokesenschnitten: Der Punklook war geboren.
Heute scheint die große Zeit des Jugendprotests vorerst vorbei zu sein. Frisurenmode heute orientiert sich eher an den Vorgaben der Trendsetter: den Stars aus Musik, Film und Sport.

Ohne Trendsetter geht es nicht

Welchen Einfluss ein Trendsetter schon im 17. Jahrhundert auf die Haarmode haben konnte, zeigt das Beispiel Ludwigs des XIII. Der mächtige König von Frankreich hatte auf dem Kopf nur eine Glatze zu bieten. Das dürfte ihm für einen König nicht würdig genug erschienen sein, denn er ließ sich Perücken anfertigen. Prompt eiferte man ihm bei Hof nach: Im späten 17. Jahrhundert waren groß gelockte Perücken ein absolutes Muss für den gehobenen Stand. Und die Mode hielt sich, sodass selbst im 20. Jahrhundert noch Würdenträger wie die Juristen Englands und Amerikas Perücken als Abzeichen ihres ehrenhaften Amtes trugen.

Selbst kreativ werden müssen die Berühmtheiten aber in der Regel nicht. Die Welt der Friseure kennt ihre eigenen Stars: kreative Haarkünstler, die stets bereit sind Neues zu erproben. Ganz ähnlich den Modedesignern entwickeln sie in ihren Salons die Trends von morgen. Ihre Werbeträger sind die Persönlichkeiten, denen sie ihre Kreationen angedeihen lassen. Von denen werden die neuen Frisuren dann öffentlich zur Schau getragen und vom Publikum kopiert. Auch das hat Tradition. In den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts erlaubte sich ein französischer Starcoiffeur Damen der Gesellschaft mit einem Kurzhaarschnitt, dem sogenannten Bubikopf, auszustatten. Der neue Schnitt wurde ein Hit. Auch der berühmte Pilzkopf der Beatles, die glatt in die Stirn gekämmte und wie um einen Topf herum geschnittene Frisur, stammte nicht von den Musikern selbst. Eine Freundin hatte den Schnitt aus dem Stegreif erfunden und angeblich mit der Nagelschere ausgeführt.

Glatzen kommen übrigens in der Frisurengeschichte eher schlecht weg, und das liegt nicht nur daran, dass sie den Friseuren denkbar wenig gestalterischen Spielraum lassen. In der Antike galten kahl geschorene Köpfe als Zeichen von Unterwerfung und Sklaverei. Das Abrasieren des Kopfschmucks wurde als Demütigung empfunden. Und in der Bibel findet sich das Kahlscheren als Strafe für Ehebrecherinnen. Erst die letzten Jahrzehnte haben die Glatze akzeptabel gemacht. Als ein Zeichen von Männlichkeit ziert sie so manchen berühmten Schauspielerkopf.

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