Garten und Balkon: Warum wir lieber auf Torf verzichten sollten
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Garten und Balkon: Warum wir lieber auf Torf verzichten sollten

Bild: Foto: Dietmar Rabich, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

So langsam beginnt die Pflanzsaison für Garten und Balkon. Die ersten Töpfe und Beete bekommen neue Bewohner der grünen Art – und dafür brauchen wir Blumenerde. Aber was viele nicht wissen: Die meisten Blumenerden bestehen zum großen Teil aus Torf – dem Stoff, aus dem die Moore sind. Wir erklären, warum das ein Problem ist und wie man auch ohne Torf gärtnert.

Torf ist zum Gärtnern eigentlich ideal: Das leichte, faserige Material wirkt wie ein Wasserpuffer, er kann Wasser in großen Mengen über einen längeren Zeitraum speichern und gibt es dann langsam wieder an die Pflanze ab. Gleichzeitig ist Torf sehr locker und enthält noch so viel Luft, dass die Wurzeln gut atmen können. Außerdem lässt sich Torf durch Zusatz von Kalk und Dünger perfekt auf die jeweiligen Bedürfnisse bestimmter Pflanzen anpassen.

Gerade für die Aufzucht von Pflanzen in der Gärtnerei werden daher besonders gerne torfhaltige Substrate oder sogar reiner Torf verwendet. Soweit, so bekannt. Aber leider hat dieses Wundersubstrat auch eine Schattenseite – und die ist inzwischen nicht mehr zu übersehen.

Einzigartige Ökosysteme werden zerstört

Das erste Problem: Der Torf-Abbau schadet der Natur. Denn um ihn zu gewinnen, müssen Hochmoore entwässert werden, dann wird die Moosschicht entfernt und der Torf Schicht für Schicht abgegraben. Zurück bleiben kahle, zerstörte Flächen. Mit den Mooren aber verschwinden auch die letzten Refugien für zahlreiche seltene oder sogar vom Aussterben bedrohte Tier und Pflanzenarten. Schon jetzt sind dadurch gerade in Norddeutschland große Moorflächen verschwunden.

Hinzu kommt: Durch die Zerstörung der Moorflächen gehen unserer Landschaft wichtige Puffer im Klimasystem verloren. Denn im Torf sind große Mengen des Treibhausgases Kohlendioxid gebunden – und bleiben so der Atmosphäre fern, solange der Torf im Moor bleibt. Wird der Torf jedoch abgebaut und das Moor entwässert, zersetzt sich dieser Speicher und das CO2 wird frei.

Torf wächst kaum nach

Das zweite Problem: Torf ist ein nicht nachwachsender Rohstoff. Denn der Torf bildet sich nur langsam, indem die moortypische Vegetation aus Torfmoosen, Wollgras, Binsen, Heidekrautgewächsen und Sonnentau langsam absinkt und dabei abstirbt. Nur rund ein Millimeter pro Jahr wächst die Torfschicht in unseren Mooren. Bis aus der Moosschicht eines Hochmoores Torf wird, dauert es daher Jahrhunderte.

Im Gegensatz dazu werden allein aus den Mooren in Norddeutschland jährlich 8,3 Millionen Kubikmeter Torf abgebaut – und das ist bei weitem zu wenig, um den jetzigen Bedarf von Gärtnereien und Hobbygärtnern zu decken. Hinzu kommt, dass ein einmal trockengelegtes und enttorftes Moor auch kaum wieder zu renaturieren ist. Folglich wächst hier auch kein neuer Torf nach. Der größte Teil des heute bei uns verkauften Torfs wird deshalb aus Hochmoorgebieten in Russland und im Baltikum importiert. Unser Torfhunger trägt damit dazu bei, das auch dort diese wertvollen Naturrefugien zerstört werden.

Was kann ich tun?

Gerade für Hobbygärtner gibt es inzwischen bereits einige torffreie Alternativen zur normalen Blumenerde. Solche torffreien Gartenerden werden beispielsweise auf Basis von Kompost, Rindenhumus oder mit Fasern von Nadelhölzern oder Kokosnüssen hergestellt. Auch Maisstroh und Reisspelzen werden bei einigen Produkten untergemischt. Diese Zusätze quellen bei Wässerung ähnlich gut auf wie Torf auf und halten die Feuchtigkeit lange gespeichert, gleichzeitig sorgen sie für eine gute Durchlüftung der Erde.

Aber Achtung: Gerade in puncto Torfreduktion gibt es viele Mogelpackungen. Vorsicht ist beispielsweise geboten bei angeblich „torfreduzierten“ bzw. „torfarmen“ Produkten, sie besitzen meist immer noch einen Torfanteil von 60-80 Prozent. Hinschauen gilt auch bei "Bio"-Erden –

der Begriff "Bio" ist für Blumenerde nicht geschützt und wird von einigen Herstellern als grünes Deckmäntelchen missbraucht. Schauen Sie daher besser auf das Kleingedruckte, wenn Sie den Mooren wirklich etwas Gutes tun wollen.

Nicht alle Pflanzen brauchen Torf

Wenn Sie die richtigen Pflanzen auswählen, kommen Sie auch komplett ohne Torf oder Torfersatz aus. Denn die meisten heimischen Pflanzenarten sind robust und benötigen gar keine Torferden. Auch durch entsprechende Bodenbearbeitung können Sie gute Voraussetzungen für die Pflanzen schaffen. Nach dem Motto: "Einmal gelockert ist dreimal gegossen", "dreimal gelockert ist einmal gedüngt".

Für alle Gartenbesitzer gilt zudem: Das beste Mittel zur Bodenverbesserung ist der eigene Kompost. Durch die verrotteten Pflanzenteile in dieser Erde ist er sogar wesentlich nährstoffreicher als Torf, ist weniger sauer und kann die Bodenstruktur trotzdem stark verbessern. Darüber hinaus ist er Lebensraum für viele Mikroorganismen, die eine hohe biologische Aktivität und eine kontinuierliche Freisetzung von Nährstoffen gewährleisten.

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