Geschichte der Bundesrepublik Deutschland 1988
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Geschichte der Bundesrepublik Deutschland 1988

Bild: Foto: Ridiculopathy, CC0, via Wikimedia Commons

Im Oktober stirbt der bayerische Ministerpräsident Franz Josef Strauß. Mit dem CSU-Politiker verliert die deutsche Nachkriegspolitik einen ihrer markantesten Redner und umstrittensten Persönlichkeiten. In der DDR verschärft das SED-Regime die Repressionen gegen innenpolitische Gegner. Nach den Verhaftungen am Rande der Rosa-Luxemburg-Demonstration im Januar 1988 in Ost-Berlin werden zahlreiche Regimegegner zu Gefängnisstrafen verurteilt und anschließend in den Westen abgeschoben. Vor dem Hintergrund einer sich rapide verschlechternden Wirtschaftslage –die DDR steht kurz vor dem finanziellen Ruin – zeigt sich die Staats- und Parteiführung unfähig, dringend notwendige Reformen in die Wege zu leiten. In der Bevölkerung wächst der Unmut über Versorgungsmängel und politische Unterdrückung.

Was sonst noch geschieht: 1988 ist ein Katastrophenjahr: Im April sind mehr als 10000 Seehunde an Nord- und Ostsee an einem Staupevirus verendet, das die Tiere aufgrund genereller Abwehrschwäche befallen hat. Ursache dafür ist die Verschmutzung der Meere durch Säureverklappung und andere Schadstoffe.

Im August hält das Gladbecker Geiseldrama die Bundesrepublik mehrere Tage in Atem. Nach einer spektakulären Irrfahrt skrupelloser Gangster durch West- und Norddeutschland, bei der sie eine Geisel töten, beendet ein Sondereinsatzkommando der Polizei auf der Autobahn bei Siegburg mit Waffengewalt die Geiselnahme. Bei der Befreiungsaktion kommt eine der Geiseln ums Leben. Das blutige Ende des Geiseldramas führt zu scharfer Kritik am Vorgehen der Polizei. Eine sehr fragwürdige Rolle spielten die Medien, die aus dem Verbrechen ein publikumswirksames Spektakel mit Direktübertragungen vom Ort des Geschehens und Interviews mit den Geiselnehmern machten. Sensationsgierige Journalisten behinderten die Polizei und heizten die Atmosphäre zusätzlich auf.

Die Katastrophe bei der Flugschau auf dem US-Luftwaffenstützpunkt Ramstein, bei der 70 Menschen zu Tode kommen, löst heftige Diskussionen über den Sinn derartiger Veranstaltungen aus. Drei Düsenjets eine italienischen Kunstflugstaffel waren in geringer Höhe zusammengestoßen und hatten das Gelände in ein flammendes Inferno verwandelt.

Mehr als nur eine Randnotiz: Großes Aufsehen erregt ein Prozess, der im September 1988 eröffnet wird. Ein bayerisches Gericht verurteilt nach mehrwöchiger Verhandlung einen Memminger Arzt u. a. wegen illegalen Abtreibungen zu einer zweieinhalbjährigen Haftstrafe und einem mehrjährigen Berufsverbot. Große Teile der Bevölkerung sehen die Gefahr einer »regelrechten Hexenjagd« auf Befürworter einer liberalen Abtreibungspraxis.

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