Gestein des Jahres 2016: Sand – allgegenwärtig und doch knapp
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Gestein des Jahres 2016: Sand – allgegenwärtig und doch knapp

Bild: Foto: Jörg Braukmann, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Sand begegnet uns überall: Schon als Kinder spielen wir im Sandkasten, bauen Burgen am Strand oder matschen im Schlamm herum. Und in den Wüsten der Erde findet er sich im Übermaß. Aber wissen Sie auch, woraus Sand eigentlich besteht? Und dass dieser unverzichtbare Rohstoff heute sogar zunehmend knapp wird? Um darüber aufzuklären, wurde der Sand zum Gestein des Jahres 2016 erklärt.

Ein weißer Sandstrand – das ist der Stoff, aus dem die Urlaubsträume sind. Wer will schon gerne über spitze oder glatte Felsen ins Meer balancieren müssen oder auf dem harten Fels seine Strandmatte aufschlagen? Und auch Filmklassiker wie "Lawrence von Arabien" oder "Der Wüstenplanet" wären ohne ihren eigentlichen Hauptdarsteller, den Wüstensand, schlichtweg langweilig.

Sand hat aber auch eine große symbolhafte Bedeutung. Sie zeigt sich in häufig verwendeten Metaphern wie dem "Sand im Getriebe", der den Fortgang der Ereignisse bremst. Umgekehrt steht der in einer Sanduhr rieselnde Sand als Symbol für das unaufhaltsame Vergehen der Zeit. Und was täte der sagenhafte Sandmann ohne die fein rieselnden Körnchen, mit denen er der Legende nach Menschen ins Reich der Träume schickt?

Ohne Sand geht nichts

Doch jenseits von Kinderspaß, Urlaubsträumen oder der Symbolik ist Sand für uns Menschen heute unentbehrlich. Denn er ist ein wichtiger Rohstoff für ganz grundlegende Objekte unseres Alltags. Ohne ihn gäbe es keine Betonkonstruktionen und kein Mauerwerk, denn in Mörtel und Beton wird Sand verarbeitet. Und auch für Fenster, Glasflaschen oder Trinkgläser benötigt man Sand: Geschmolzener Quarzsand bildet den Grundstoff für fast alle Glassorten.

Selbst unser Computer würde ohne Sand nicht laufen, denn das aus Sand gewonnene Silizium liefert den Halbleiter, aus dem die Mikrochips und Transistoren bestehen. Und auch Solarzellen und LEDs gäbe es ohne Sand nicht. Sand wird zudem in der Industrie als Schleif- und Poliermittel eingesetzt und hilft bei der Wasserreinigung in Kläranlagen und Wasserwerken. Außerdem trägt Sand mit seiner hohen Durchlässigkeit und Porosität dazu bei, Grundwasser zu bilden, aber auch Erdöl und Erdgas zu speichern.

Sand wächst nicht so schnell nach

Das Problem dabei: Die Nachfrage an Sand wächst – und die Menschheit ist inzwischen so sandgierig, dass dieser Rohstoff allmählich knapp wird. Allein in Deutschland wurden im Jahr 2014 etwa 240 Millionen Tonnen Sande und Kiese von der Bauindustrie verbraucht. Dazu kamen gut zehn Millionen Tonnen Quarzsand und 211 Millionen Tonnen gebrochene Natursteine. Weltweit wird nach Angaben der UNESCO mit Ausnahme von Wasser keine andere Ressource in so großen Mengen verbraucht wie Sand.

Das Problem dabei: Sand ist keine schnell nachwachsende Ressource. Bis ein Gestein durch die Kraft von Wind und Wasser zu Sand zermahlen ist, vergehen zehntausende und mehr Jahre. Gletscher zermahlten während der Eiszeit Gestein am Grund ihrer gewaltigen Eisströme, in den Flüssen werden Kiesel im Laufe ihrer Wanderung durch ständige Kollisionen und die Kraft der Strömung immer kleiner. Doch das dauert eben ziemlich lange – länger, als wir warten können.

Knapper als man denkt

Aber dank der ausgedehnten Wüstengebiete und dem ganzen Sand am Meeresgrund gibt es doch mehr als genug Sand auf der Erde – so könnte man meinen. Doch so einfach ist es leider nicht. Denn besonders die Förderung von Meeressand vom Grund des Ozeans hat für die sensible Meeresökologie fatale Folgen. Die Tiere verschwinden, das Wasser verschlammt und tötet alles Leben. Und entlang der Strände frisst die Erosion sich immer weiter ins Land vor.

Zwar gibt es in Europa vielfach strenge Schutzbestimmungen, in vielen anderen Gebieten der Welt wird aber legal oder illegal so viel gefördert, wie nur geht – und das zerstört einzigartige Landschaften. Umgekehrt sorgen Wind und Wasser dafür, dass der Sand auch von Natur aus genau dort verschwindet, wo er dringend gebraucht wird, beispielsweise an Stränden Sylts und anderer Inseln. Hier versucht man durch Umlagerung und Aufspülung von Sand, die Strände zu erhalten – aber das ist ein stetiger Kampf gegen die Zeit.

Um auf all das aufmerksam zu machen und die große Bedeutung des Sandes in Erinnerung zu rufen, haben Geowissenschaftler den Sand zum Gestein des Jahres 2016 ernannt.

Mehr Informationen finden Sie hier.

http://www.gestein-des-jahres.de

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