Der Medienpädagogische Forschungsverband Südwest gab unlängst bekannt, dass Jugendliche nach eigener Einschätzung fast die Hälfte ihrer Zeit im Internet mit "Kommunikation" verbrächten. Besonders intensiv seien dabei Online-Communities wie "schülerVZ".
Allen Communities gemeinsam ist das persönliche Profil. Hier gibt man das Alter, das Geschlecht und beispielsweise Hobbys an. Über ein Passwort kommt man dann auf die gewünschte Site. Und jetzt kann es losgehen – mit Freundschaften knüpfen, gruscheln, chatten, stupsen und mehr ...
Der Campus XXL
Der Student Mark Zuckerberg entwickelte 2004 für seine Kommilitonen der Harvard University eine Internet-Plattform. Hier sollten kostenlos Neuigkeiten rund um den Campus ausgetauscht werden. Die Idee kam bei den jungen Menschen an, und schnell nutzten auch andere Studenten in Amerika die Plattform unter der Internetadresse facebook.com. Die Seite expandierte in kürzester Zeit und zählt mittlerweile zu den populärsten Online-Netzen in den USA. Seit Frühjahr 2008 gibt es Facebook auch auf deutsch. Laut eigenen Angaben zählt die Site 130 Millionen aktive User, davon zwei Millionen in Deutschland. Der Computerriese Microsoft hat sich bereits Anteile an dem Unternehmen gesichert. Er übernimmt die Vermarktung.
Und was bietet Facebook? Das persönliche Profil kann man mit Bildern und Videos anreichern. Es gibt u.a. Chats, Benachrichtigungen, Anstupser (so etwas wie ein Gruß), Pinnwände, Notizen, die Möglichkeit Gruppen zu bilden, Freunde zu suchen und Freundschaften zu bestätigen.
Mit dem Erfolg kamen auch gleich die Nachahmer. Der Bekannteste ist StudiVZ (= Studentenverzeichnis). Die in Berlin lebenden Studenten Ehssan Dariani und Dennis Bemmann gründeten das Online-Netzwerk im Herbst 2005. Ihnen wurde häufig vorgeworfen, Facebook eins zu eins kopiert zu haben. Mittlerweile ist Facebook auch gerichtlich gegen StudiVZ vorgegangen.
Bis 2012 gehörte StudiVZ zur Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck, die die gesamten VZ-Netzwerke an den Investor Vert Capital veräußert haben. Um die Plattform haben sich auch schuelerVZ.net und meinVZ.net (für Nutzer, die ihr Studium absolviert haben) gebildet.
Eine erwähnenswerte Eigenheit bei StudiVZ ist das "gruscheln". "Gruscheln" bedeutet Grüßen und Kuscheln. Das Wort setzt sich aus den beiden Wörtern "Gruß" und "Kuschel" zusammen.
Das virtuelle Wohnzimmer
"Lokalisten sind zu 100% ein kostenloses Freundesnetzwerk". So versteht sich die Plattform lokalisten.de selbst. Das Online-Netzwerk wurde im Mai 2005 von fünf Freunden aus München und Umgebung mit dem Ziel gegründet, ein Tool zu finden, um Freundschaften online zu pflegen und offline zu leben. Auf dem Netzwerk können alte Freunde wiedergefunden, Aktivitäten mit bestehenden organisiert und neue Kontakte geknüpft werden. Die Funktion des Freundesbaumes verschafft dabei einen Überblick. Zu Anfang erhielt man nur über eine Einladung eines Lokalisten zutritt zu dieser Plattform. Mittlerweile kann sich jeder dort einloggen.
Entscheidend bei den Lokalisten ist die "Homebase", der Wohnort der Mitglieder, denn es geht vorwiegend um reale Treffen und nicht virtuelle Kontakte. Es gibt zurzeit 100 homebases. Die User können in einen Kalender Veranstaltungen eintragen, die sich thematisch und regional sortieren lassen, z. B. Partys, sportliche Ereignisse oder Theater. Heute auf einer Party, morgen im Netz die neuen Bekanntschaften nach Alter, Fotos, Freundeskreis, und Hobbys abchecken. Da kann der Freundesbaum gleich erweitert werden ...
Mittlerweile gehören ProSiebenSat.1 Media 90 Prozent des Unternehmens, das sich nach eigenen Angaben über 2,7 Mio. User freut und die fünftbestgeklickte Internetseite in Deutschland (laut IVW-Ranking) ist.
Bussi, bussi, busy, busy
Geschäftsleute können sich bereits seit 2003 im Open Business Club (Open BC) treffen. Im Jahre 2007 wurde das Berufstätigen-Portal in XING umbenannt, das bedeutet im Chinesischen "can do" oder "es ist möglich". Auch hier tragen angemeldete Nutzer ihr Profil ein, laden ihr Bild hoch und schauen sich nach Bekannten und Kontakten um. Es gibt eine kostenlose Mitgliedschaft mit beschränkten Funktionen und eine Premium-Mitgliedschaft, die knapp sechs Euro im Monat kostet.
Gegründet wurde XING von Lars Hinrichs. Das Unternehmen ist mittlerweile eine Aktiengesellschaft mit Hauptsitz in Hamburg und Vertretungen in Barcelona, Istanbul und Peking.
Die meisten Sozialen Netzwerke finanzieren sich über Anzeigenerlöse, zum Teil auch durch Mitgliedsbeiträge. Es gab ein großes Erwachen in den Communities, als Plattformen wie XING aber auch StudiVZ ihre Website kommerzialisierten und erstmals Werbebanner platzierten. Die Profile der Nutzer wurden und werden gezielt beworben.
Exhibitionismus im Netz
Unglaublich viele Menschen stellen freiwillig persönliche Daten, peinliche Bilder und intimste Meinungen ins Netz - für jeden weltweit zugänglich. Wenn ein Profil mit Name, Bild und Adresse einsehbar ist, könnte das an falsche Personen geraten. Profile stellen auch eine unermessliche Quelle für Datenschnüffler dar.
Man sollte schon sehr bewusst mit seinen Daten umgehen. Die unrühmlichen Bilder einer Party könnten einem beim nächsten Bewerbungsgespräch präsentiert werden. Denn immer mehr Personalchefs durchforsten die Internet-Profile ihrer Bewerber auf großen Community-Netzwerken.

