Hawkings Prognose: Ist die Erde in 100 Jahren unbewohnbar?
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Hawkings Prognose: Ist die Erde in 100 Jahren unbewohnbar?

Bild: Foto: Dietmar Rabich, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Um den Planeten Erde steht es offenbar schlimm. So schlimm, dass Stephen Hawking kürzlich prophezeite, in 100 Jahren sei die Heimat des Menschen unbewohnbar. Der Klimawandel, die Überbevölkerung oder ein Asteroideneinschlag: Eines dieser Dinge wird dem berühmten Physiker zufolge in absehbarer Zeit zwangsläufig zum Weltuntergang führen - eine düstere wie umstrittene Prognose.

Ginge es nach Stephen Hawking, dürften wir uns unseres Daseins auf der Erde nicht mehr lange sicher sein. Für den weltberühmten Physiker steht fest: Die Menschheit ist bedroht, die Welt wird in naher Zukunft untergehen. Was das Ende heraufbeschwört und vor allem, wann es stattfinden wird - diese Entscheidung scheint dem orakelndem Genie allerdings schwerzufallen.

Einmal macht er die künstliche Intelligenz als die größte Bedrohung der Menschheit aus und warnt: "Wenn es schlecht läuft, schafft die künstliche Intelligenz den Menschen ab." Dann wiederum prophezeit er der britischen Nachrichtenseite The Independent, es sei "beinahe Gewissheit", dass die Erde irgendwann Opfer einer großen Naturkatastrophe werde. Womöglich sei unser Planet in 1.000 Jahren unbewohnbar.

Droht die Apokalypse?

Vor wenigen Wochen dann kommt der Visionär mit einer noch düsteren Prognose daher. Nur rund sechs Monate nach seiner 1.000-Jahre Vorhersage korrigiert er in der BBC: Das Ende der Menschheit auf der Erde kommt wohl doch schon in 100 Jahren. Demnach könnten vor allem größere Epidemien, der Klimawandel, die Überbevölkerung und nicht zuletzt Asteroiden das Überleben auf unserem Heimatplanten gefährden. Um der Apokalypse zu entgehen, gelte es daher, die Erde alsbald zu verlassen und im All nach einer neuen Heimat Ausschau zu halten.

Wie realistisch aber ist dieses Szenario - und müssen wir wirklich bald die Koffer packen? Der Physiker und Astronaut Ulrich Walter von der Technischen Universität München hält diese Einschätzung für Unsinn: "Die Aussage Hawkings, innerhalb von 100 Jahren andere Planeten besiedeln zu müssen, basiert auf seiner Annahme, dass der Klimawandel, ein Asteroideneinschlag oder andere Katastrophen die Menschheit vernichten würden. Diese Annahmen treffen nicht zu", so seine Einschätzung.

Klimawandel ja, Untergang nein

Beispiel Erderwärmung: Dass steigende Meeresspiegel, die Verschiebung von Klimazonen und die Zunahme von Extremwettern viel Leid und Billionen Kosten verursachen werden, ist unbestritten. Die Erde wird dadurch aber nicht zwangsläufig unbewohnbar: "Sollten die Temperaturen in den nächsten 100 Jahren nochmals um 1,5°C steigen, wird es in Deutschland zwar schön warm, das bedeutet aber nicht gleich den Untergang der Menschheit", konstatiert Walter.

Auch die Gefahr durch extreme Wetterlagen hervorgerufener Katastrophen wie Fluten schätzt der Physiker weniger dramatisch ein: "Die gab es immer schon und daran ist die Menschheit bisher noch nicht zugrunde gegangen. Außerdem sind solche und andere Naturkatastrophen immer lokal und können daher die Menschheit global nicht auslöschen."

Asteroideneinschlag: unwahrscheinlich

Und wie sieht es mit der Bedrohung durch einen Asteroideneinschlag aus? Walter zufolge ist ein solches Ereignis zwar möglich - aber doch ziemlich unwahrscheinlich. Tatsächlich kommen der Erde in den nächsten 100 Jahren einige Himmelskörper gefährlich nahe. Der Asteroid Apophis beispielsweise kreuzt die Umlaufbahn unseres Planeten voraussichtlich 2036. Eine Kollision hält die US-Weltraumbehörde NASA aktuell allerdings für quasi ausgeschlossen. Sie schätzt das Risiko dafür auf nur 1:250.000 ein.

Andere Experten argumentieren ähnlich wie Walter - und halten auch die weiteren Gefahren, die Hawking nennt, für kontrollierbar. Der Wissenschaftsredakteur Gabor Paal vom SWR etwa merkt an, dass sich die Weltbevölkerung in den vergangenen 100 Jahren vervierfacht hat. In Zukunft werde die Zahl der Menschen weiter wachsen, Prognosen zufolge jedoch bei weitem nicht so rasant wie in der Vergangenheit. "Das ist zu bewältigen. Wir müssen sicherlich auch über neue Energien nachdenken und den Fleischkonsum reduzieren, aber das würde mich noch nicht von der Erde vergraulen", schreibt der studierte Geograph in einem Kommentar.

Wohin auswandern?

Bleiben noch mögliche Epidemien - sei es durch multiresistente Erreger oder genetisch veränderte Viren, wie sie Hawking offenbar fürchtet: Große Seuchen sind in der Geschichte der Menschheit grundsätzlich nichts Neues. Sie haben in allen Zeitaltern ungezählte Menschenleben gekostet, die globale Bevölkerung aber niemals ganz ausgerottet. Die meisten Fachleute sehen daher derzeit auch keinen Hinweis darauf, dass eine neue Epidemie die Erde völlig leerfegen könnte.

Doch selbst wenn wir entgegen aller Wahrscheinlichkeiten davon ausgehen, dass das Worst Case-Szenario eintrifft: Wohin sollten die Menschen überhaupt auswandern? Viele Millionen Personen über interstellare Entfernungen hinweg irgendwann einmal zu einer neuen Heimat transportieren zu können, hält Astronaut Walter zwar nicht für vollkommen illusorisch, wie er in seinem jüngst veröffentlichten Buch "Im Schwarzen Loch ist der Teufel los" beschreibt. Noch aber sind wir ein gutes Stück von diesem Ziel entfernt.

Das größte Problem bleibt

Selbst bis zum Beispiel eine Besiedlung des Mars möglich wird, könnte es noch Jahrzehnte dauern - von Zielen außerhalb unseres Sonnensystems wie dem vier Lichtjahre entfernten, erdähnlichen Exoplaneten Proxima Centauri B ganz zu schweigen. Doch bleiben wir beim Mars und nehmen an, eine Umsiedlung gelänge: Warum sollten all die Probleme, die es auf der Erde gibt, dort nicht existieren?

"Da wird es ziemlich eng und die Ressourcen sind doch sehr überschaubar", schreibt Paal. Wissenschaftsjournalist Ulrich Schnabel bringt es in der Wochenzeitung Die Zeit so auf den Punkt: "Selbst ein Flug zu fernen Planeten böte keine Rettung. Die größte Gefahr nähme die Menschheit nämlich mit: sich selbst." Anstatt in ferne Welten zu schweifen, sollten wir daher wohl erst einmal versuchen, unsere Probleme vor Ort auf der Erde zu lösen - und angesichts Hawkings Prophezeiung nicht in Panik verfallen.

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