Helm auf beim Radfahren – in jedem Alter
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Helm auf beim Radfahren – in jedem Alter

Bild: Foto: dronepicr, CC BY 2.0, via Wikimedia Commons

Jährlich verunglücken über 70.000 Fahrradfahrer in Deutschland - und das sind nur die vom statistischen Bundesamt erfassten Unfälle. Kein Wunder, dass die meisten Eltern darauf achten, ihre Kleinen nicht ohne Helm auf den Drahtesel zu setzen. Doch selber fährt nur jeder fünfte Erwachsene mit Helm. Eine Nachlässigkeit, die schwere Folgen haben kann.

Wir schützen, was uns lieb und teuer ist. Und was könnte uns wichtiger sein, als das Wohl der eigenen Kinder? Wenn der Nachwuchs die ersten Meter auf dem eigenen Fahrrad meistert, gehört der Helm daher fast immer zur Standardausrüstung dazu: Immerhin 76 Prozent der Sechs- bis Zehnjährigen tragen hierzulande einen Helm, so die Angaben der Bundesanstalt für Straßenwesen von 2015.

Spätestens, wenn die Kinder volljährig werden, bricht die Quote jedoch massiv ein: Bei Jugendlichen zwischen 17 und 21 Jahren liegt sie bei gerade einmal sieben Prozent. Besonders verwunderlich scheint dieser Einbruch nicht, wenn man bedenkt, dass bei den Erwachsenen auch nur jeder fünfte einen Helm trägt. Warum sollte der Nachwuchs da anders handeln? So wirkt das drastische Einbrechen der Helmquote bei Jugendlichen fast wie ein Befreiungsschlag: Endlich erwachsen! Endlich weg mit dem Helm!

Teufelskreis der Verweigerer

Die Statistik spricht eine klare Sprache: "Wirken Erwachsene nicht als Vorbild, sinkt die Wahrscheinlichkeit, dass Kinder später im Jugend- und Erwachsenenalter weiterhin einen Helm tragen", sagt Reinhard Hoffmann von der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU). Damit entstehe ein Teufelskreis, aus dem es auszubrechen gelte. Denn auch Erwachsene sind trotz mehr Fahrpraxis nicht vor Unfällen gefeit.

Dass der Helm die Folgen eines Unfalls lindert, ist unstrittig. Weil er die Energie reduziert, die bei einem Aufprall auf den Schädel wirkt, erleiden Helmträger weniger schwere Kopfverletzungen. Mit dem Tragen eines intakten Helmes können tödliche Hirnverletzungen um 60 bis 70 Prozent reduziert werden, heißt es in einem Bericht der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie. Experte Christian Juhra rät daher: "Genauso verantwortungsvoll wie für ihre Kinder sollten Erwachsene auch für sich handeln und grundsätzlich selbst zum Helm greifen – damit sie auch nach einem Unfall noch für ihre Kinder da sein können."

Wenn Mama keinen Helm trägt…

Christopher Spering, Unfallchirurg der Universitätsmedizin Göttingen, erinnert sich in diesem Zusammenhang an einen tragischen Fall aus seinem Arbeitsalltag: "Eine Mutter und ihr Sohn waren gemeinsam mit dem Fahrrad unterwegs, als beide stürzten. Während der Junge, der einen Helm trug, unbeschadet blieb, erlitt die Mutter ohne Helm schwere Verletzungen an Kopf und Gehirn. Seitdem kann sie der Fürsorge für ihr Kind nur noch eingeschränkt nachkommen."

Wenn schon mit Helm, dann richtig

Wer sich zur Minimierung von Unfallfolgen für das Tragen eines Helmes entschließt, sollte ein paar Punkte beachten. Zunächst muss der Helm natürlich gut sitzen. Die meisten Exemplare haben im Inneren einen größenverstellbaren Einsatz, der an den Kopfumfang angepasst werden kann. Der Helm sollte beim Tragen nicht in den Nacken oder tief über die Stirn gezogen werden: Wenn er waagerecht auf dem Kopf sitzt, hat er genau die richtige Position.

Idealerweise sollte ein Modell gewählt werden, dass seitlich an beiden Schläfen bis weit über die Wange und die Ohren reicht. Das bietet den besten Schutz. Wenn dann noch das Prüfzeichen mit der Europanorm DIN EN 1078 vorhanden ist, steht dem Helmkauf nichts mehr im Wege, außer vielleicht die persönliche Einstellung.

Damit der Helm seine Schutzwirkung auch zuverlässig entfalten kann, sollte er nach einem Sturz sofort gegen ein neues Exemplar ausgetauscht werden, rät der Experte. Auch dann, wenn er noch intakt aussieht. Und selbst wer unfallfrei fährt, sollte spätestens nach fünf Jahren in einen neuen Helm investieren.

Lösung: Helmpflicht?

Wenn die Bereitschaft zum Tragen eines Helmes bei Erwachsenen so gering ist, wäre es dann nicht Zeit für eine gesetzliche Helmpflicht? Über dieses heiß diskutierte Thema streiten sich die Geister. Zwar ließe sich mit einer gesetzlichen Verpflichtung die Helmquote sicherlich erhöhen, doch zu welchem Preis? Kritiker befürchten einen Rückgang der Radnutzung, wenn Fahrradfahrer zum Helmtragen gezwungen werden.

Auch der tatsächliche Nutzen einer Helmpflicht für die allgemeine Verkehrssicherheit sei nicht eindeutig wissenschaftlich belegbar, heißt es von der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie: "In Ländern wie Holland oder Dänemark, wo deutlich mehr Radfahrer unterwegs sind, gibt es keine Helmpflicht. Dort ist die Unfallgefahr tatsächlich geringer als in Ländern, die das Tragen eines Helms gesetzlich vorschreiben."

Zur Sicherheit beim Radfahren gehören schließlich viel mehr Aspekte als das Tragen eines Helms. Die Qualität und Verfügbarkeit von Radwegen, die gegenseitige Rücksichtnahme der Verkehrsteilnehmer, die Einhaltung der Straßenverkehrsordnung - all das erschwert die Beantwortung der Frage nach einer Helmpflicht.

Ein Stück Sicherheit

Ob nun gesetzlich vorgeschrieben oder nicht: Mit dem Tragen eines Helms haben wir ein Stück Sicherheit selbst in der Hand. Bisher kann in Deutschland jeder frei entscheiden, ob er diese Sicherheit nutzt oder nicht. Doch wenn wir beim nächsten Mal unseren Nachwuchs wieder zum Tragen des Helmes verdonnern, sollten wir vielleicht selbst mit gutem Beispiel voran gehen.

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