Auf der Suche nach Nahrung überqueren Rehe, Hirsche und Wildschweine täglich auch befahrene Straßen. Bei diesen sogenannten Wildwechseln kommt es immer wieder zu Verkehrsunfällen. Allein im Jahr 2015 gab es nach Angaben der deutschen Versicherer 263.000 Zusammenstöße zwischen Mensch und Wild. Jetzt im Herbst ist die Gefahr für solche Kollisionen besonders hoch. Denn um Fressfeinde zu meiden, sind viele Wildtiere vor allem in der Dämmerung aktiv. Sie gehen dann auf Futtersuche, verlassen das schützende Dickicht des Waldes und ziehen auf freie Felder.
In der kalten Jahreszeit, wenn die Tage kürzer werden und es früher dunkel wird, überschneidet sich diese Zeit abends vermehrt mit dem Berufsverkehr. Durch die Zeitumstellung kommen sich Wildtiere und Autofahrer zudem auch morgens zunehmend in die Quere. Nachdem die Uhr eine Stunde zurückgestellt wurde, fahren viele Berufstätige nicht mehr im Dunkeln zur Arbeit, sondern während der Morgendämmerung. Hinzu kommt das Wetter: Nebel und Regen schränken die Sicht im Herbst oftmals ein.
Abblenden, bremsen und hupen
Deshalb ist auf den Straßen nun erhöhte Vorsicht geboten. Insbesondere auf Strecken an Übergängen von Waldgebieten zu Feldern sollten Autofahrer vorausschauend fahren, genügend Abstand halten und ihre Geschwindigkeit anpassen. Denn je schneller man unterwegs ist, desto größer ist im Falle einer Gefahrensituation der Anhalteweg und folglich auch das Risiko eines Zusammenpralls. So kann ein Autofahrer sein Fahrzeug bei Tempo 80 noch rechtzeitig zum Stehen bringen, wenn in 60 Meter Entfernung plötzlich ein Reh auf die Straße springt. Bei 100 km/h gelingt das schon nicht mehr, wie der ADAC vorrechnet.
Das Einschalten des Fernlichts kann dabei helfen, Wild auf der Straße oder am Straßenrand besser zu erkennen: Die Augen der Tiere wirken wie Reflektoren und sind dann gut zu sehen. Sobald verräterische Augenpaare in der Dunkelheit aufleuchten, müssen Autofahrer schnell reagieren. Das heißt: von Fern- auf Abblendlicht wechseln, abbremsen und hupen, um das Tier zu verscheuchen.
"Auf keinen Fall darf das Tier durch das Fernlicht geblendet werden, da es hierdurch die Orientierung verliert und dadurch erst recht auf die Lichtquelle und somit die Straße zulaufen wird", betont die Tierschutzorganisation Tasso. Wurde die Kollision erfolgreich abgewendet, gilt: Nicht sofort wieder in vollem Tempo weiterfahren. Denn Wildtiere treten meist im Rudel auf. Es ist demnach sehr wahrscheinlich, dass noch weitere Tiere folgen.
Keine riskanten Ausweichmanöver
Doch was, wenn ein Tier so unvermittelt auftaucht, dass ein Zusammenstoß unvermeidbar scheint? In einem solchen Fall empfiehlt der ADAC, das Lenkrad gut festzuhalten und eine kontrollierte Vollbremsung durchzuführen. Dabei sollten Autofahrer versuchen, auf ihrer Spur zu bleiben. Wer ein Tier durch Ausweichmanöver schützen will, bringt sich und andere Verkehrsteilnehmer nur unnötig in Gefahr. Denn auch wenn bei einer Kollision mit einem Wildtier starke Kräfte wirken, ist das Verletzungsrisiko dabei immer noch geringer, als wenn man stattdessen mit einem anderen Auto oder einem Baum kollidiert.
Der Zusammenprall mit einem Reh, Hirsch oder Wildschwein ist für Autofahrer ein Schreckmoment. Trotzdem sollte man nach einem Wildunfall versuchen, Ruhe zu bewahren. Es ist jetzt wichtig, das Auto sicher zum Stillstand zu bringen, die Warnblinkanlage einzuschalten und die Unfallstelle zu sichern. Unter Umständen gibt es auch Verletzte, die Hilfe brauchen. Anschließend sollte so schnell wie möglich die Polizei informiert werden. Wer das nicht tut und ein verletztes oder totes Tier einfach mitnimmt, macht sich der Wilderei strafbar.
Immer die Polizei verständigen
Bis die Beamten eintreffen, können Autofahrer schon einmal Fotos von der Unfallstelle und dem angefahrenen Tier anfertigen. Aber Achtung: Ein verletztes Tier sollte wenn möglich nicht angefasst werden. Es könnte Schmerzen haben, in Panik zubeißen und dabei möglicherweise Tollwut übertragen.
Wichtig zu wissen: Auch wenn keine Menschen zu Schaden gekommen sind und das verletzte Wildtier wieder im Wald verschwunden ist, sollte die Polizei verständigt werden. Diese informiert dann den Revierinhaber, der nicht nur eine Unfallbescheinigung für die Versicherung ausstellt. Er muss das angefahrene Tier auch aufspüren und je nach Schwere der Verletzung von seinem Leid erlösen.




