Hoch und tief: Leben unter Extrembedingungen
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Hoch und tief: Leben unter Extrembedingungen

Bild: Foto: Mozzihh, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Mit einer Höhe von 6.960 Metern ist der Aconcagua der höchste Berg der Anden und zugleich der höchste Punkt des amerikanischen Kontinents. Dort einmal hinaufzusteigen ist sicherlich der Wunsch eines jeden Vollblutalpinisten. Doch ein anderer Zeitgenosse könnte sich locker auf den Aconcagua herablassen: Vultur gryphus, der Andenkondor. Sein Lebensraum erstreckt sich bis in Höhen von über 7.000 Metern.

Über dem Dach des Kontinents

Mit einer Höhe von 6.960 Metern ist der Aconcagua der höchste Berg der Anden und zugleich der höchste Punkt des amerikanischen Kontinents. Dort einmal hinaufzusteigen ist sicherlich der Wunsch eines jeden Vollblutalpinisten. Doch ein anderer Zeitgenosse könnte sich locker auf den Aconcagua herablassen: Vultur gryphus, der Andenkondor. Sein Lebensraum erstreckt sich bis in Höhen von über 7.000 Metern.

Der genügsame Gleiter

Mit einer Flügelspannweite von 3,50 Metern gleitet der Kondor wie ein Segelflugzeug durch die Lüfte und erreicht dabei eine Geschwindigkeit von bis zu 55 Stundenkilometern. Da er keine Brustmuskeln besitzt, bewegt er seine Flügel nur, wenn es wirklich absolut notwendig ist. Der Aasfresser ist optimal an seinen Lebensraum in den kargen Regionen des Hochgebirges angepasst. So besitzt er die erstaunliche Fähigkeit, bis zu eineinhalb Monate lang ohne feste Nahrung und Wasser auszukommen.

Der Überflieger

Es gibt jedoch einen Aasfresser, der mit banalen Höhen von 7.000 Metern sicherlich nichts am Hut hat. Der afrikanische Sperbergeier ( Gyps rueppellii) schaut sich lieber Düsenjets aus der Nähe an. Und das macht er in bis zu 11.200 Metern Höhe. Forscher beobachteten ganze Schwärme des Überfliegers in dieser Flughöhe. Es ist bis heute weitgehend unklar, wie die Tiere mit dem dort vorhandenen knappen Sauerstoff die zum Fliegen erforderliche Muskelkraft aufbringen können.

Keine Membran - viel Sauerstoff

Bochumer Wissenschaftler haben vielleicht eine mögliche Lösung des Rätsels: Der aus der Luft aufgenommene Sauerstoff muss bei Säugetieren erst eine hauchdünne Membran überwinden, bevor er in die Venen und somit ins Blut gelangt. Bei Vögeln entfällt dieses Hindernis: Nur wenige Mikrometer weite Luftröhrchen verflechten sich in ihren Lungenbläschen mit ebenso feinen Blutgefäßen. Dadurch gelangen auch kleinste Mengen an Sauerstoff aus der Luft in die so genannten Mitochondrien, die als „Zellfabriken“ den Körper mit Energie versorgen.

Klein, aber ganz oben

Wenn Schneestürme über die Hochgebirge fegen, kann man sich nur schwer vorstellen, dass an diesen unwirtlichen Orten in mehreren Tausend Metern Höhe munteres Leben herrscht. Im Innern der Schnee- und Eismassen der Alpen oder des Himalaya tummelt sich ein Winzling: der Gletscherfloh. Während viele andere Insekten unter solch schwierigen Umständen sofort erstarren würden, haben es der Gletscherfloh in den Alpen ( Isotoma saltans) und sein Verwandter im Himalaya (Isotoma mazda ) in ihrer Entwicklungsgeschichte geschafft, sich an den Lebensraum Gletscher perfekt anzupassen.

Nervige Muskelprotze

Der nur 1,5 Millimeter große Gletscherfloh gehört zu den so genannten Springschwänzen (Collembolen), einer uralten Insektenart, die so manch einen Zimmergärtner nervt. Wie alle Insekten besitzt er drei Beinpaare. Als zusätzliches Fortbewegungsorgan verfügt er - springschwanztypisch - über einen Sprungapparat. Ihn kann das Tier mithilfe eines besonders starken Muskels vorschnellen lassen.

Überleben bei weniger als minus 25 Grad

Der Gletscherfloh ist bestens an Nässe und Kälte angepasst. Eine ölige, Wasser abweisende Substanz überzieht schützend seinen Körper. Seine Körperflüssigkeit enthält als Frostschutz verschiedene Zuckerarten, und bei starker Kälte wird der Magen entleert, damit sich an den Feststoffen kein Eiskristallwachstum einstellen kann. Mit solchen Schutzmechanismen ist es dem Gletscherfloh möglich, aktiv Temperaturen bis minus 16 Grad Celsius zu überdauern. In Ausnahmefällen überlebt er sogar minus 25 Grad Celsius.

Die Tiefsee - unbekannter als der Mond

Die Tiefen der Ozeane sind sicherlich die rätselhaftesten Regionen unseres Globus. Sogar über den Mond weiß die Forschung mehr als über die Abgründe der Meere. Bis zu einer Tiefe von 200 Metern dringt das Licht. Dann beginnt die Tiefsee.

Der Lichtfänger

Bis etwa 1.000 Meter Tiefe ist noch ein wenig Restlicht vorhanden, weshalb man diese Zone „Twilight Zone“ nennt. Meeresbewohner, die hier leben, wollen möglichst viel sehen, ohne selbst gesehen zu werden. So hat der Beilfisch recht leistungsstarke, nach oben gerichtete Augen, um möglichst viel Restlicht einzufangen. Gleichzeitig ist er flach wie eine Flunder und hat silbrige Körperflanken, so dass er nahezu unsichtbar mit seiner Umgebung verschmilzt.

Unter hohem Druck

In 1.000 Metern Tiefe lasten 101,3 bar auf jedem Quadratzentimeter Körperoberfläche. Doch die Tiere in diesem Lebensraum stecken das locker weg. Sie besitzen keine mit Gas gefüllten Körperbereiche, wie zum Beispiel eine Schwimmblase. Diese würden durch den hohen Druck zusammengequetscht. In ihrem Körpergewebe ist viel Wasser eingelagert, das auch bei hohem Druck nicht komprimierbar ist.

Tiefe Erleuchtung

In Tiefen zwischen 1.000 und 4.000 Metern gibt es plötzlich wieder Licht. Doch es wird von den Tiefseebewohnern selbst produziert. Diese so genannte „Biolumineszenz“ entsteht durch Bakterien, die ein kaltes Licht erzeugen. Einige Tiefseebewohner halten sich diese Bakterien wie Haustiere in bestimmten Lichtorganen und locken damit Beute an. So beispielsweise die Tiefsee-Anglerfische (Antennariidae). Diese Tiefen sind auch das Reich des legendären Riesenkalmars Architeuthis, den noch niemand lebend sah.

Wirbellose in 11.000 Metern Tiefe

Auch der Pottwal dringt auf der Suche nach dem leckeren Kalmar bis in diese Tiefen vor, obwohl in 3.000 Metern Tiefe schon 300 bar auf jedem Quadratzentimeter Körperoberfläche lasten. Ein Afrikanischer Elefant wiegt 7.000 Kilogramm. Wenn auf einer Fläche von der Größe unseres Brustkorbs 386 Elefanten stünden, entspräche das einem Druck von 300 bar. Man vermutet, dass die Wale mithilfe einer ölartigen Flüssigkeit, die durch ihren Kopf fließt, dem gewaltigen Druck standhalten können.

Aber selbst am tiefsten Punkt der Erde, im Marianengraben, gibt es noch reges Leben. Obwohl dort in 11.000 Metern der Wasserdruck über 1.000 Mal höher ist als an der Oberfläche, trifft man Borstenwürmer, Schlangensterne, Tiefseekrebse und andere wirbellose Tiere an.

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