Im Reich der "Big Five"
Natur & Umwelt

Im Reich der "Big Five"

Bild: Foto: Wilhelm Zimmerling PAR, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Ein Sofa in die Natur stellen und zuschauen

Ein Sofa in die Natur stellen und zuschauen

Wer einmal im Schlamm suhlende Nashörner oder Nilpferde bei der Wasserschlacht entdeckt hat, möchte sich am liebsten ein Sofa in die Natur stellen und ihnen stundenlang zuschauen. Dabei wird das Hippopotamus wegen seines Gewichts von 20 Zentnern häufig unterschätzt: Es ist äußerst wendig und kann bis zu 30 km/h schnell laufen. Obwohl es Vegetarier ist, fallen ihm mit seinen rasiermesserscharfen Zähnen jedes Jahr mehr Menschen in Afrika zum Opfer, als allen Vertretern der "Big Five".

Delfine, Haie und Wale tummeln sich besonders in den Wintermonaten vor der Südküste. Das Kapland beherbergt viele endemische Arten, darunter die Erdmännchen, den gefährdeten Buschmannhasen und die Leberschildkröte. Nahezu einzigartig ist der Artenreichtum der Vogelwelt, der Amphibien, Reptilien und Insekten. Im Feuchtgebiet des West Coast Nationalparks leben 25 Mio. Wasservögel wie Reiher, Kormorane, Pelikane und Kap-Tölpel. Tausende Zugvögel aus Sibirien überwintern in der Langebaan Lagune.

Atlantica! Südafrika hier bestellen

Aus fünf werden sieben

Die "Big Five" zu sehen, ist das erklärte Ziel jeder Safari. Als die "Großen Fünf" werden jene fünf großen Säugetiere bezeichnet, deren Abschuss der Traum eines jeden Großwildjägers ist. Darunter fallen Leopard, Löwe, Wasserbüffel, Elefant und Nashorn. Zu den Lieblingstrophäen zählen die aus Elfenbein bestehenden Stoßzähne der Elefanten, die Hörner von Kaffernbüffeln und Nashörnern sowie die Felle der Raubkatzen. Kein Wunder, dass alle fünf wegen der Jagdlust kurz vor der Ausrottung standen. Mittlerweile ist die Jagd nur noch streng reglementiert und auf Tiere, die eigens dafür vorgesehen und freigegeben sind, erlaubt. Die hohen Abschussgebühren haben den kontrollierten Jagdsport ebenfalls enorm eingeschränkt.

Nachdem sich die Population der Elefanten im Ostkap auf elf reduziert hatte, wurde 1931 der Addo Elephant Park gegründet. Inzwischen hat sich die Zahl der Dickhäuter in dem 51.000 Hektar großen Gebiet wieder auf über 200 erhöht. Im Addo gibt es aber nicht nur hervorragende Möglichkeiten, riesige Elefantenherden am Wasserloch zu erleben, sondern auch die beiden zusätzlichen Vertreter der "Big Seven": Das malariafreie Naturreservat nördlich von Port Elizabeth reicht nämlich inzwischen bis an die Südküste, wo je nach Saison zwei maritime Schwergewichte vorbeiziehen – Wale und der Weiße Hai.

Atlantica! Südafrika hier bestellen

Klein, aber eindrucksvoll

Es gibt neben den "Big Five" auch die "Small Five": Ameisenlöwe, Büffelwebervogel, Nashornkäfer, Pantherschildkröte und Rüsselspringer. Damit wird der Tatsache Rechnung getragen, dass Südafrika auch bei Insekten, Reptilien, Vögeln und Kleinsäugern eine enorme Artenvielfalt aufweist, die es sich zu entdecken lohnt. Eines der gefährlichsten Reptilien ist die Kapkobra, die giftigste Kobra Afrikas. Sie besitzt ausreichend Gift, um fünf Erwachsene zu töten.

Mehr als 500 Vogelarten gibt es am Kap zu beobachten. Einzigartig ist die Boulders Beach auf der Kaphalbinsel, wo Brillenpinguine sich nicht einmal von Badenden stören lassen. Deutlich mehr Geduld erfordert es, einem Maskenweber beim Nestbau zuzusehen. Die aufwändige und anstrengende Arbeit wird bei den Koloniebrütern von den Männchen erledigt.

Obwohl Naturfreunde gerade wegen der faszinierenden Tierwelt ans Kap reisen, haben sie auch einiges aus dem Gleichgewicht gebracht: Urlauber füttern die Tiere gegen alle Warnungen, so dass diese die Scheu verlieren und aggressiv werden. So haben sich Paviane in der Gegend um Kapstadt zu einer regelrechten Plage entwickelt. Angriffe auf Anwohner und Touristen sind längst keine Seltenheit mehr.

Mehr aus Natur & Umwelt

Weitere aktuelle Artikel aus der Rubrik Natur & Umwelt.

Alle Natur & Umwelt-Artikel
Der Ozean kommt außer Atem: Warum unser größter Klimapuffer schwächelt
Natur & Umwelt

Der Ozean kommt außer Atem: Warum unser größter Klimapuffer schwächelt

29. Oktober 2026

Der Ozean hat fast 30 Prozent des CO2 geschluckt, das wir je emittiert haben – doch durch die Erderwärmung nimmt er bereits sechs Prozent weniger auf als möglich. Was dieser versteckte Kipppunkt für uns bedeutet.

Rechtspersönlichkeit für Ökosysteme: Mar Menor klagt in Spanien
Natur & Umwelt

Rechtspersönlichkeit für Ökosysteme: Mar Menor klagt in Spanien

23. Oktober 2026

Die spanische Lagune Mar Menor hat seit 2022 Rechtspersönlichkeit – als erstes Ökosystem Europas. Felix Aiwanger vom Max-Planck-Institut erklärt, wer künftig klagen könnte und wie Deutschland im internationalen…

Hummelähnliche Insektenart nach 150 Jahren in Frankreich wiederentdeckt
Natur & Umwelt

Hummelähnliche Insektenart nach 150 Jahren in Frankreich wiederentdeckt

21. Oktober 2026

Eine hummelähnliche Insektenart, die seit rund 150 Jahren in Frankreich als verschwunden galt, wurde im Raum Paris erneut gesichtet. Forschende sehen den Fund als Beleg für eine globale Taxonomie-Krise.

Wie die Ölindustrie den Zweifel am Klimawandel erfand
Natur & Umwelt

Wie die Ölindustrie den Zweifel am Klimawandel erfand

19. Oktober 2026

Ein neuer Bericht dokumentiert, wie fossile Konzerne systematisch Desinformation über die menschengemachte Erderwärmung verbreiteten. Klimaforscher Stefan Rahmstorf empfiehlt die Lektüre dringend.

← Zurück zu Natur & UmweltZur Startseite