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Tom Brown: Wir müssen beim Ausbau der Windkraft schneller werden, und wir dürfen auf keinen Fall von den endlich entbürokratisierten Genehmigungsverfahren für erneuerbare Energien abrücken. Mit der Elektrifizierung des Straßenverkehrs, der Wärmeversorgung und der Industrie müssen wir ebenfalls vorankommen. Das heißt etwa, dass beim Thema Wärmepumpe ideologisch abgerüstet werden sollte.
Elektroautos werden in Zukunft durch effizienteren Materialeinsatz, Massenproduktion und auch den Markteinfluss aus China wesentlich billiger – das ist für die Verbraucher eine Möglichkeit, richtig Geld zu sparen, denn die Ausgaben für Strom bei E-Autos sind viel günstiger als die für Benzin. Und wir müssen das Laden flexibilisieren, durch Smartmeter, entsprechende Ladeinfrastruktur und passende Regularien. Damit sind wir dann auch bei den Stromnetzen angelangt.
Weil die durch flexible Speicherung von Strom durch E-Autos bei Stromspitzen entlastet werden?
Tom Brown: Genau. Der Netzausbau ist extrem teuer, und wir müssen alles tun, um die Nutzung unseres Strom- und auch des Wasserstoffnetzes so effizient wie möglich zu machen. Dazu gehört auch die Einführung regionaler Strompreise, wie es uns die USA, Norwegen und auch Italien vormachen.
Lassen Sie mich raten: Dann wird der Strom im Norden wegen der vielen Windkraft billiger, im Süden teurer. Das wird Markus Söder wohl nicht durchgehen lassen…
Tom Brown: Die Unterschiede wären nicht groß, um einen Cent pro Kilowattstunde. Aber wir könnten so das Netz besser steuern, und damit bräuchten wir nicht mehr so viele Stromleitungen, um Überkapazitäten zu verteilen. Letztlich würden dann alle Haushalte in Deutschland Geld sparen.
Der Verbrauch und die Speicherung von Strom müssen so effizient wie möglich erfolgen, und das geht am besten mit lokalen Preissignalen für die Verbraucher und Smartmetern, die automatisch je nach Strompreis Maschinen laufen lassen oder eben Strom in E-Autos speichern. Diese regionalen Preise würden sich stündlich ändern und die nötige Flexibilität in das Gesamtsystem bringen, um das Netz zu entlasten.
Welche Rolle sollte Wasserstoff als Energieträger spielen?
Tom Brown: Wasserstoff und andere „grüne Moleküle“ wie grünes Methanol, Kerosin und Ammoniak als Energieträger spielen nur dort eine Rolle, wo die Elektrifizierung nicht möglich ist. Also etwa beim Flug- und Schiffsverkehr, oder beim Ersatz von Erdöl zur Herstellung chemischer Grundstoffe. Die grünen Moleküle werden wahrscheinlich dauerhaft teuer bleiben, erlauben uns aber, etwa Düngemittelproduktion, Stahlerzeugung oder Plastikherstellung zu dekarbonisieren.
Wichtig ist, dass wir die Elektrolyseure, die aus grünem Strom Wasserstoff herstellen, geschickt platzieren. Dann muss ein Teil des durch Windkraft erzeugten Stroms nicht über die Hochspannungsleitungen verteilt, sondern kann über das Wasserstoffnetz transportiert werden. Wasserstoffkraftwerke können zudem eine kleine Rolle als Backup spielen, wenn Strom aus den Erneuerbaren gerade nicht verfügbar ist.
Gefordert ist also eine integrierte Planung von Strom- und Wasserstoffnetzen?
Tom Brown: Ja, das ist einer der drei Pfeiler für effiziente Energienetze. Neben den schon erwähnten regionalen Strompreisen ist der dritte Punkt der verstärkte Bau von Freileitungen – statt im Boden verlaufender, sogenannter HGÜ-Leitungen. Mit allen drei Maßnahmen lassen sich bis 2045 etwa 92 Milliarden Euro sparen – das ist ungefähr ein Drittel der gesamten Kosten für den Netzausbau!
Laut Medienberichten liegen hier ja sowohl Markus Söder wie auch Katherina Reiche auf Ihrer Linie. Was halten Sie aber von dem eingangs erwähnten „Realitätscheck“ im Auftrag der neuen Bundesregierung?
Tom Brown: Als Wissenschaftler bin ich der letzte, der sich eingehenden Prüfungen verweigern würde. Wir Forscher verbringen einen Großteil unserer Zeit damit, uns zu fragen, was wir falsch gemacht haben könnten. Wir sollten uns nur durch das Prüfen nicht vom Tun abbringen lassen.




