Klangerlebnisse
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Klangerlebnisse

Bild: Foto: MarcusFourmont, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Das gleichmäßige Schnurren eines Motors - manch einer denkt nun an den richtigen Hintergrund für ein gemütliches Schläfchen. Aber genau das ist es, was man am Steuer eines Autos wohl eher nicht erreichen möchte!

Das gleichmäßige Schnurren eines Motors - manch einer denkt nun an den richtigen Hintergrund für ein gemütliches Schläfchen. Aber genau das ist es, was man am Steuer eines Autos wohl eher nicht erreichen möchte!

Und so stellen sich die Psychoakustiker Fragen wie: „Welche Geräuschkulisse wirkt einschläfernd? Was fördert die Aggressivität? Warum wird ein Geräusch als störend empfunden?"

Hören beeinflusst die Stimmung

Das Hören ist wichtig für den Menschen, es dient unserer Orientierung und beeinflusst unsere Stimmung. Während wir die von den Augen wahrgenommenen Sinneseindrücke relativ bewusst verarbeiten, bleiben viele der Klangeindrücke jedoch unbewusst. Bestes Beispiel hierfür sind ständige Hintergrundgeräusche, die ausgeblendet werden und dem „Hörer“ erst auffallen, sobald sie aufhören.

Die Wirtschaft hat bereits vor ca. zehn Jahren entdeckt, dass Kunden durch eine angenehme Geräuschkulisse positiv beeinflusst werden. So gibt es heute kaum mehr ein Produkt, dass nicht auch auf seine akustischen Eigenschaften geprüft wird. Damit der Keks beim Hineinbeißen richtig knackt oder die Kaffeemaschine gleichmäßig gluckert, bleibt nichts dem Zufall überlassen. Die meisten Produkte werden auf ihre Klangqualitäten getestet und optimiert, denn der Käufer will mit allen Sinnen genießen. Hier beginnt das Spielfeld der Ingenieure, Physiker, Psychologen und der sogenannten Psychoakustiker.

Der Klang als Marke

Die Autoindustrie versuchte bereits sehr früh, Klänge aktiv zu nutzen und für den Fahrer wie Beifahrer eine angenehmes Klangumfeld zu schaffen. Dabei steht längst nicht mehr die Klangreduzierung im Mittelpunkt der Bestrebungen. Untersuchungen haben laut Siemens VDO gezeigt, dass ein niedriges, aber gleichmäßiges Geräuschniveau keineswegs immer positiv bewertet wird. Vielmehr stellt der Fahrer an ein gutes Motorgeräusch ähnliche Ansprüche wie an eine Symphonie: Harmonische Tonfolgen sind besonders beliebt.

Geräusche resultieren häufig aus den Konstruktionsvorgaben. Ein blecherner Klang lässt daher nicht unbedingt auf minderwertige Verarbeitung schließen. Und doch wollen wir bei einer Investition wie dem Auto auch bei der Geräuschkulisse von der Qualität des Produkts überzeugt werden. Der Roadster soll kräftig röhren, die Limousine leise surren und die Türe beim Schließen nicht an einen klemmenden Metallschrank erinnern. Wir wollen den Eindruck, in einem robusten Gefährt zu sitzen, das auch im Falle eines Zusammenstoßes die Fahrgastzelle abschirmt, auch mit den Ohren wahrnehmen.

Um diesen Effekt zu erzielen, werden in hochklassigen Fahrzeugen wie z.B. dem neuen 7er-BMW alle 148 Elektromotoren akustisch geprüft und durch Dämmmaterialien und andere Sound-Tricks akustisch "getunt". Die Sound-Symphonie im Innenraum kann so ein Gefühl von der Sicherheit und Stabilität des Autos wiedergeben.

Forschung für die Zukunft

Die Automobilindustrie beginnt zunehmend zu untersuchen, wie die subjektive Zuordnung der Geräusche zu den persönlichen Empfindungen funktioniert. Probanten testen dafür den Klang der Autos in eigens eingerichteten Forschungszentren. Dabei darf natürlich nie vergessen werden, dass man mit verschiedenen Marken auch unterschiedliche Zielgruppen anspricht.

Aber was, wenn der Motor aufgrund seiner technischen Eigenschaften relativ rau und laut läuft? Hier kann in absehbarer Zeit die "Active Noise Control" von Siemens Abhilfe leisten. Die Idee des Systems ist, die Geräuschkulisse an ihrem Entstehungsort aufzuzeichnen und über die Lautsprecher des Automobils derart zu überlagern, dass der Klang für die Insassen im Fahrgastraum angenehm klingt.

Die Erfinder nutzen dabei die physikalische Interferenz: Treffen zwei Wellen aufeinander, überlagern sich deren Amplituden. Handelt es sich um Schallwellen, entsteht ein neuer Ton mit einer anderen Lautstärke. Im Extremfall löschen sich die Wellen gegenseitig aus - es herrscht Stille.

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