Als Amelia Earhart zum ersten Mal in ihrem Leben in ein Flugzeug steigt, ist sie 20 Jahre alt. Während andere junge Frauen in ihrem Alter ans Heiraten denken, hat Earhart von diesem Zeitpunkt an nur noch eins im Sinn: Sie will Pilotin werden. Um sich die Fluglizenz leisten zu können, arbeitet sie in unterschiedlichen Jobs und legt das Geld zur Seite. Ein Jahr später ist es soweit und sie nimmt ihre erste Flugstunde bei der Pilotin Neta Snook. Kurz darauf erwirbt sie ihr erstes Flugzeug, eine Kinner Airster.
Über den Atlantik
Höher, schneller, weiter. So lassen sich die Ziele Earharts kurz und knapp formulieren. Erst stellt sie mit 4.300 Metern einen neuen Höhenweltrekord für Frauen auf. Dann überquert sie als erste Frau in einem Flugzeug den Atlantik. Am Steuer saß sie bei diesem Flug nicht, sie flog als Passagierin mit. Die Tatsache alleine aber, dass eine Frau sich den Strapazen eines Fluges über den Atlantik stellt, ist zur damaligen Zeit eine derartige Sensation, dass Earhart zur “Frau des Jahres“ gewählt wird.
Den Frauen eine Stimme geben
Mehr und mehr rückt Earhart in das öffentliche Interesse und sie weiß ihre Popularität zu nutzen. Die Fliegerin ist überzeugte Frauenrechtlerin. Gleichermaßen an Frauen und Männer appelliert sie, “die Frauen aus dem Käfig ihres Geschlechts herauszuholen“. 1929 nimmt Earhart an dem ersten Flugwettbewerb für Frauen teil. Eine große Chance für Pilotinnen birgt dieser Contest, jedoch belächeln Öffentlichkeit und Presse den Wettbewerb. Sie geben ihm den Beinamen “Puderquastenrennen“. Sowohl als Pilotin als auch als Feministin ist Earhart empört. Sie reagiert darauf mit der Gründung der “Ninety Nines“, dem Club der Neunundneunzig. Die Position der Frau in der Luftfahrt zu stärken, das ist das ausgesprochene Ziel dieses Clubs.
Die Rekordjägerin
Als Earhart 1932 von Neufundland nach Nordirland fliegt, hat sie es geschafft: Sie ist die erste Frau, die eine Maschine über den Atlantik steuert und der erste Mensch, der ihn zweimal in der Luft überwindet. Earhart wird des Abenteuers nicht müde und stellt einen Rekord nach dem anderen auf: Erster Solo-Transkontinentalflug einer Frau. Neuer Frauen-Geschwindigkeitsrekord. Erster Alleinflug von Kalifornien nach Hawaii. Erster Alleinflug von Mexiko nach New Jersey - Um nur einige zu nennen.
Weder die Gefahren von Flugabenteuern noch das politische und gesellschaftliche Aufbäumen gegen ihre feministischen Äußerungen scheut sie. Ihren steigenden Bekanntheitsgrad nutzt sie unermüdlich, um sich für die Gleichberechtigung der Frau einzusetzen. Nicht nur ihre Liebe zum Fliegen ist es, die sie immer wieder zu neuen Abenteuern aufbrechen lässt, sondern auch ihr Wille der Gesellschaft zu demonstrieren: Eine Frau ist zu technischen Höchstleistungen fähig.
Flug ohne Wiederkehr
Ihr nächstes Projekt: Einmal um die Erde. Und zwar da, wo die Strecke am weitesten ist, am Äquator. Am 21. Mai 1937 startet Earhart die Motoren einer Electra Lockheed Modell 10 in Miami. Mit an Bord ist ihr Navigator Fred Noonan. Zunächst fliegen die beiden nach Brasilien, dann überqueren sie den Atlantik und legen einen Zwischenstopp in Westafrika ein. Von da aus geht es weiter nach Kalkutta und Neuguinea. 43 Tage nach ihrem Aufbruch machen sich Earhart und Noonan auf ihre letzte Etappe. Nur noch der Pazifik liegt zwischen ihnen und der Umrundung der Erde.
Als letzte Zwischenlandung peilen sie die mitten im Pazifik gelegene Howlandinsel an. Der Himmel ist bewölkt an diesem Tag. Ihr Navigator setzt einen letzten Funkspruch ab, den ein vor der Howlandinsel gelegenes Schiff empfängt. Die beiden geben ihre Flugrichtung durch. Danach herrscht Stille. Für Amelia Earhart und ihren Begleiter ist dies der letzte Flug.
Bis heute ist nicht bekannt, was dann geschehen ist. Manche meinen, Earhart und ihr Navigator hätten die Insel nicht orten können, seien vom Kurs abgekommen, der Sprit sei ihnen ausgegangen und die Maschine in den Pazifik gestürzt. Andere sind der Ansicht, die beiden seien auf der kleinen Insel Nikumaroro, damals Gardner Island, notgelandet. Über Jahrzehnte hinweg machten Expeditionen tatsächlich Funde auf dieser Insel: Ein Damenschuh, Teile eines Skeletts, eine Sextantenkiste, der Spiegel einer Puderdose, der Absatz eines Herrenschuhs. Trotz intensiver Bemühungen konnte bis heute keiner dieser Gegenstwände eindeutig Amelia Earhart, Fred Noonan oder der Lockheed zugeordnet werden. So bleibt es nach wie vor ein Rätsel: Was geschah am 02. Juli 1937 über der kleinen Howlandinsel und über dem großen Pazifik?
Königin der Lüfte
Voll von Abenteuer, Mut und Tragik ist die Geschichte ihres Lebens. Amelia Earhart ist bis heute eine der ganz großen amerikanischen Heldinnen. Songtexte erzählen von ihr und ihrem letzten Flug. So singen Plainsong “Happy landings to you, Amelia Earhart. Farewell, first lady of the air.“ - “Eine glückliche Landung für dich, Amelia Earhart. Leb wohl, Königin der Lüfte.“ Und Heather Nova legt ihr in den Mund: “Sometimes I wonder ... why we need to touch the ground, why I didn't keep on heading right on up to heaven. I miss my sky.“ - “Manchmal wundere ich mich ... warum wir zum Boden zurückkehren müssen und warum ich nicht weiter aufgestiegen bin, direkt in den Himmel. Ich vermisse meine Lüfte.“

