Lebendiges Museum
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Lebendiges Museum

Bild: Foto: Diliff, CC BY 2.5, via Wikimedia Commons

Eine Reise durch Äthiopien ist wie ein Spaziergang durch die Geschichte der letzten 3000 Jahre. Lesen Sie mehr über das Land in Ostafrika.

1. Grund: Das Omo-Tal

Für Europäer steht hier die Welt kopf: Im Omo-Tal im Südwesten Äthiopiens tragen Frauen Teller und Pflöcke in den Ohren. Wer besonders schön sein will, fügt sich Narben zu. In anderen Stämmen schmücken sich Menschen mit Federn oder Blumen. Oder sie modeln ihr Haar mit einem Butter-Lehm-Gemisch zu phantasievollen Gebilden, bemalen ihren Körper je nach Stamm mit bunten Farben oder mit geometrischen Figuren. Hier, am Unterlauf des Flusses Omo, leben 80 von rund 300 Stämme und Volksgruppen in ganz Äthiopien, darunter die Völker der Bume, Karo, Galeb, Mursi und Hamer. Manche Völker zählen mehrere Tausend Menschen, andere keine 500. Sie leben wie vor mehreren Tausend Jahren im Einklang mit der Natur und nach uralten Riten. Jungs, die an der Stufe zum Mannsein stehen, müssen beispielsweise über den Rücken von bis zu 40 dicht nebeneinander stehenden Rindern laufen – und zwar so schnell und sicher wie sie nur können.

2. Grund: Axum

Wer meint, die Bewohner Äthiopiens seien ihres archaischen Lebensstils wegen Naturreligionen verbunden, der irrt. Rund 40 Prozent der Bevölkerung bekennen sich zum orthodoxen Christentum. In der Stadt Axum etwa befindet sich das religiöse Zentrum des äthiopischen Christentums, das auch „Rom Äthiopiens“ genannt wird. Laut Bibel existierte die Stadt bereits im 10. Jahrhundert vor Christus. Die Königin von Saba soll dort gewohnt haben. Die Tafeln mit den 10 Geboten des Mose, die heute in einer Kapelle unweit der Ruinen-Kathedrale der Heiligen Maria von Zion lagern, deuten auf die Christianisierung hin, die im 4. Jahrhundert n.Chr. einsetzte. Der Sohn der Königin von Saba, und König Salomon, Menelik I., soll die Tafeln aus Jerusalem nach Axum gebracht haben.
Neben zahlreichen Kapellen, die unter anderem alte Kaiserkronen bergen, beeindruckt Axum durch jahrtausend alte Ruinen und die weltweit größte Monolyth-Grabstele im Stelenpark. Am heutigen Stadtrand beeindrucken außerdem der ehemaligen „Palast der Königin von Saba“ und die Grabanlagen der Könige Kaleb und Gebremeskal. Die Kaiserliche Dynastie Äthiopiens soll übrigens aus einer Verbindung Salomos mit der Königin von Saba zurückgehen. Stolz trugen die Herrscher des Landes den Titel „Löwe von Juda“.

3. Grund: Gondar

Besonders beeindruckende Einblicke in die Kaiserzeit bietet die einstige Hauptstadt Äthiopiens, Gondar, die bereits aus der Ferne majestätisch anmutet: Paläste und Schlösser ragen in den Himmel. Das ist vermutlich der Grund, warum Gondar auch das „Camelot Äthiopiens“ genannt wird. Diese Schlösser gehören heute zum Weltkulturerbe des UNESCO. Kaiser Fasilidas (1632-1667), der dort im 17. Jahrhundert residierte, ließ eine Palastanlage errichten – ein Novum in der äthiopischen Herrschergeschichte, wohnten seine Vorgänger doch in Zeltstädten, um ihren Wohnsitz nach einer Schlacht verlegen zu können. Die Nachfolger des Kaisers bauten den Palast zu einem eindrucksvollen kaiserlichen Schlossbezirk aus. Aus der Zeit Fasilidas’ und seiner Nachfolger stammen auch zahlreiche Tempel. Besonders eindrucksvoll sind die Fresken in der Kirche „Debdre Berhan Selassie“: Vor allem Engelsköpfen zieren die Decke des von außen schlichten Gotteshauses.

4. Grund: Simiengebirge

Im Hintergrund Gondars erheben sich die Felsen des Simien-Gebirges, der höchsten Erhebung des äthiopischen Hochlandes überhaupt. Der Weg von Gondar aus führt durch Schluchten, Abhänge, Serpentinen und Tafelberge. Morgens legt sich Frühnebel um die Felsen. Viele Gipfel des Gebirges erreichen 4000 Meter. Deshalb wird die Gegend auch das „Dach Afrikas“ genannt. Dagegen liegt die tiefste Stelle des Landes, Danakil, 116 Meter unter dem Meeresspiegel. Danakil ist eine der heißesten Wüsten der Welt, in der einem hier und da Schwefelgeruch in die Nase steigen kann. Aus einem 80 Meter tiefen Lavasee schleudert immer wieder gleißend gelbe Lava empor.
Zurück zum Gebirge: Die weltweit größte Skulpturlandschaft entstand durch Erosionen der erkalteten Basaltlava, Regen und Eis haben rufe Furchen ins Gestein gegraben. In dieser Bergwelt leben Tiere, die es nur Äthiopien gibt: der Abessinische Steinbock, der Simien Fuchs, Blutbrustpaviane, Hyänen, Schakale, äthiopische Wölfe, der Gelada-Pavian mit zerzauster Mähne und buschigem Schwanz oder der Walia-Ibex, der wie schwerelos an den Felswänden emporklettert. Über den Gipfeln drehen 50 verschiedene Vogelarten ihre Runden: die Weisskragentaube oder der Lämmergeier zum Beispiel, der bis 8000 Meter in die Höhen steigt und Geschwindigkeiten von bis zu 130 km/h erreicht.

5. Grund: Lalibela

Ähnlich felsig wie das Simiengebirge ist die Stadt Lalibela. Sie ist einer Erzählung zufolge nach einem König und Heiligen benannt, den nach der Geburt ein Bienenschwarm umgarnte. Da in Afrika die Vorstellung verbreitet ist, Könige würden durch umfliegende Bienen erkoren, gab ihm seine Mutter den Namen „Lalibela“ – der von den Bienen Erkorene.
Lalibela, einst blühende Hauptstadt einer bedeutenden Dynastie, liegt auf einem Hochplateau und ist umgeben von rauen Bergen. Einer Legende nach soll Gott dem Kaiser befohlen haben, mit dieser Stadt das neue Jerusalem zu errichten. Damals waren Pilgerreisen nach Jerusalem nicht möglich, weil der Islam dies verbot. Und so wurden auf Geheiß des königlichen Heiligen elf Monolithkirchen aus dem roten Granitfelsen herausgemeißelt.
Die architektonischen überaus komplizierten Meisterwerke sind selbst heutigen Experten ein Rätsel, so dass sich die Legende gehalten hat, Engel hätten beim Bau mit angepackt. Besonders eindrucksvoll ist zum Beispiel die Bete Gyorgis Kirche (St. Georgskirche), die in Form eines griechischen Kreuzes angelegt ist und tief im Schutz eines 12 Meter hohen Schachtes liegt.

Nicht von ungefähr kommt die Bezeichnung als achtes Weltwunder. Und die Bezeichnung könnte auf ganz Äthiopien ausgeweitet werden. Der Staat unterscheidet sich durch seine christlichen Traditionen und die historische Isolation kulturell sehr stark von den anderen Staaten in Schwarzafrika.

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