Lernen mal ganz praktisch: Auf der Suche nach Gold in alten Handys
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Lernen mal ganz praktisch: Auf der Suche nach Gold in alten Handys

Bild: Foto: Rosa-Maria Rinkl, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Rund 100 Millionen gebrauchte Handys liegen in Deutschlands Schubladen – ein vergeudeter Schatz. Denn jedes von ihnen enthält Spuren von Gold und Silber, etliche Gramm Kupfer und seltene Erden. "Zum Vergleich: Eine Tonne Golderzgestein enthält so viel Gold, wie man zur Herstellung von nur 42 Handys benötigt", erklärt Frank Mücklich, Leiter des Schülerlabors Advanced Materials (SAM) von der Universität des Saarlandes.

Oliver Dietze

Rund 100 Millionen gebrauchte Handys liegen in Deutschlands Schubladen – ein vergeudeter Schatz. Denn jedes von ihnen enthält Spuren von Gold und Silber, etliche Gramm Kupfer und seltene Erden. "Zum Vergleich: Eine Tonne Golderzgestein enthält so viel Gold, wie man zur Herstellung von nur 42 Handys benötigt", erklärt Frank Mücklich, Leiter des Schülerlabors Advanced Materials (SAM) von der Universität des Saarlandes.

Kostbarer Rohstoff am falschen Ort

Umso wichtiger ist es, diese wertvollen Rohstoffe nach der Nutzung über verschiedene Recyclingverfahren wiederzugewinnen. „Wir wollen am Beispiel von gebrauchten Handys zeigen, dass man wertvolle Ressourcen nicht vergeuden darf, sondern in den Kreislauf zurückführen sollte. Der Abfall ist hier kostbarer Rohstoff am falschen Ort“, sagt Mücklich. "Der Abfall ist hier kostbarer Rohstoff am falschen Ort."

Was genau in einem Handy steckt und warum ihr Recycling zwar nötig, aber auch eine ziemlich komplizierte Angelegenheit ist, können Jugendliche im Schülerlabor der Materialwissenschaft selbst erkunden.

Selbst zerlegen macht schlau

Mit Schraubenzieher und Heißluftfön dürfen die Schüler im Labor ausgemusterte Handys in ihre Grundbausteine zerlegen. Sie lernen dabei, die einzelnen Bauteile zu benennen und können sich auch darin üben, das Gerät wieder zusammenzubauen. Um Details herauszufinden, nutzen sie Mikroskope, Magnete und Röntgenstrahlen.  Dabei erfahren sie mehr über die Eigenschaften von Metallen, Kunststoffen und seltenen Erden und verstehen, warum das Handyrecycling so aufwändig ist.

„Mit Hilfe des Periodensystems der Elemente erfahren die  Schüler mehr über die chemischen Inhaltsstoffe der Handys und bestimmen zum Beispiel, welche Metalle darin besonders wertvoll sind“, erläutert der Materialforscher. Über einen Versuch mit verschiedenen Salzlösungen analysieren die Schüler zudem die im Handygehäuse verbauten Kunststoffe  und erörtern, wie man diese recyceln kann.

Info-Materialien auch für anderswo

Die Experimente rund um das Handy haben einen mehrfachen Nutzen. Sie motivieren die Schülerinnen und Schüler dazu, ihre alten Handys nichteinfach wegzuwerfen, sondern zum Recycling zurückzugeben. Gleichzeitig unterstützen sie die Jugendlichen darin, sich mehr mit der Frage zu beschäftigen, wie sich ihr eigenes Konsumverhalten auf die Umwelt auswirkt.

Das Schülerlabor ist aber nicht die einzige Möglichkeit, mehr über Handys, ihre Rohstoffe und das Recycling zu erfahren: Im Saarland läuft zurzeit eine ganze Kampagne zum Handyrecycling. Lehrer und Schüler  - auch anderswo - können auf der Kampagnenseite Filme, Unterrichtsmaterial und Informationen rund um die Rohstoffe im Handy, den ökologischen Fußabdruck der Elektrogeräte und das Warum und Wie des Recyclings anschauen und herunterladen.

Lernen auch mal außerhalb der Schule

Und noch etwas bringen solche Schülerlabore: „Für die Schüler ist es eine wichtige Erfahrung, aus dem gewohnten Schulumfeld heraus zu kommen und zu sehen, wie es an der Universität zugeht. So erhalten sie einen praktischen Bezug zur Theorie, die ihnen in der Schule vermittelt wird“, sagt die Lehrerin Pia Kockler, Leiterin des Schülerlabors SAM. Das Schülerlabor bietet daher auch andere Experimente an, in denen es um Materialwissenschaften und Werkstoffe geht.

„In der Schule lernt man naturwissenschaftliche Fächer wie Physik und Chemie kennen, aber hat keine Vorstellung davon, wie die Materialforschung als faszinierende Kombination der verschiedenen Naturwissenschaften und als Brücke zu den Ingenieurwissenschaften aussieht“, sagt Mücklich.  Neuartige Materialien mit maßgeschneiderten Kombinationen von Eigenschaften seien heute für viele Branchen entscheidend, um im weltweiten Wettbewerb zu bestehen, etwa in der Energieerzeugung, Medizintechnik, Automobilindustrie und im Maschinenbau.

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