Meilenstein: Vor 50 Jahren wurden unsere TV-Bilder bunt
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Meilenstein: Vor 50 Jahren wurden unsere TV-Bilder bunt

Bild: Foto: Dietmar Rabich, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Heute ist es selbstverständlich, dass Videos und Fernsehbilder in Farbe übertragen werden. Doch bis in die 1960er Jahre hinein war die Fernsehwelt streng schwarz-weiß. Erst vor genau 50 Jahren wurde in Deutschland offiziell das Farbfernsehen eingeführt – kleine Pannen inklusive. Bis sich allerdings die Farbe im TV endgültig durchsetzte, sollte es noch erstaunlich lange dauern.

Mehr als 30 Jahre lang war das Fernsehen in Deutschland eine farblose Angelegenheit: Übertragen wurden die bewegten Bilder seit den Anfängen in den 1930er Jahren nur in schwarz-weiß. Für die Menschen in den 1960er Jahren war es daher völlig normal, Nachrichten, Filme oder Unterhaltungsshows in wechselnden Grautönen zu schauen. Anders war dies jenseits des Atlantiks: In den USA wurde bereits 1954 das NTSC-System eingeführt, das die Übertragung von farbigen Bewegtbildern ermöglichte.

Frühstart bei der Funkausstellung

Erst am 25. August 1967 begann auch bei uns in Deutschland die Ära des Farbfernsehens – und das gleich mit einer peinlichen Panne. Eigentlich sollte der damalige Vizekanzler Willi Brandt das Startsignal für den offiziellen Beginn der Farbübertragung geben. Eigens dafür war in einer der Hallen der Deutschen Funkausstellung in Berlin eine Bühne mit einem großen Roten Knopf aufgebaut.

Brandt hielt seine Rede und sollte dann den Knopf drücken – der aber eine Attrappe war. In den Kulissen wartete deshalb ein Techniker darauf, im richtigen Moment das Farbsignal auf Sendung zu schalten. Doch das Gestikulieren des Politikers führte ihn in die Irre: Weil er glaubte, Brandt auf den Knopf drücken zu sehen, schaltete er ein – zu früh. Als der Vizekanzler dann um 10:57 Uhr mit den Worten: "In der Hoffnung auf viele friedlich-farbige, aber auch spannend-farbige Ereignisse, gebe ich jetzt gewissermaßen den Startschuss" tatsächlich feierlich auf den roten Knopf drückte, war die Farbübertragung schon längst auf Sendung.

Den Übergang in die Ära der bunten Fernsehbilder konnte man bei den Fernsehsendern ARD und ZDF damals live mitverfolgen: Ihre um 09:30 Uhr live von der Funkausstellung ausgestrahlte Sendung begann in Schwarzweiß und wechselte dann – kurz vor Brandts historischem Knopfdruck – in ein farbiges Bild. Schon am Abend des 25. August 1967 übertrug das ZDF dann die erste farbige Fernsehshow: "Der goldene Schuss", am nächsten Abend legte die ARD mit dem "Galaabend der Schallplatte" nach.

Für die meisten blieb es trotzdem erstmal schwarzweiß

Für die meisten Fernsehzuschauer änderte sich aber ohnehin zunächst nichts: Ihre Schwarzweiß-Geräte konnten das Farbsignal ohnehin nicht dekodieren. Denn damals gab es in der ganzen Bundesrepublik erst weniger als 6.000 Farbfernseher – kein Wunder: Die Geräte waren extrem teuer. Selbst das damals eigens zum Start der Farbübertragung auf den Markt gebrachte günstigste Modell kostete noch stattliche 1.840 D-Mark, andere Modelle kosteten bis zu 4.000 D-Mark. Zum Vergleich: Den günstigsten VW-Käfer gab es damals bereits für wenig mehr als 4.000 D-Mark.

Hinzu kam: Anfangs galt das bunte Fernsehbild bei den Sendern als eher unseriös. Deshalb wurden in den 1960er Jahren zunächst nur Filme und Unterhaltungssendungen in Farbe gezeigt und die Sender einigten sich darauf, zunächst nur vier Stunden in der Woche farbig zu senden. Die Nachrichten jedoch blieben auf beide Sendern schwarz-weiß – noch bis 1970.

Eine Wende in den Wohnzimmern brachten erst die olympischen Spiele von 1972 und die Fußballweltmeisterschaft im Jahr 1974. Anlässlich dieser Sportgroßereignisse investierten dann doch viele Westdeutsche in einen Farbfernseher – auch wenn die Geräte noch immer um die 2.000 D-Mark kosteten.

Übrigens: In der DDR wurde das Farbfernsehen erst 1969 eingeführt und man nutzte – absichtlich – ein anderes technisches System. Statt des in der Bundesrepublik erfunden PAL-Systems übernahmen die ostdeutschen Sender das französische SECAM-System.

Wie funktioniert das Farbfernsehen?

Um die Farbinformationen so zu senden, dass Schwarzweiß-Fernseher trotzdem noch ein korrektes Bild erhalten, mussten die Techniker tricksen. Die Kameras zeichnen dafür das Bild mit Farbfiltern auf, die die Farbinformationen in die drei Einzelfarben rot, blau und grün zerlegen. Für die Übertragung werden aus diesen Farbwerten zwei sogenannte Farbdifferenzsignale erstellt: Rot minus Helligkeit (R-Y) und Blau minus Helligkeit (B-Y). Diese beiden Farbsignale werden zusammen mit den Helligkeitswerten per Funk ausgestrahlt.

Ist der empfangende Fernseher ein Schwarzweiß-Gerät, wertet er nur die Helligkeitssignale aus und konstruiert daraus das Schwarzweiß-Bild. Der Farbfernseher kann dagegen aus der Kombination der beiden Farbdifferenzsignale mit der Helligkeit für jeden Bildpunkt ermitteln, welche Farbe dieser haben muss. Dieser Farbwert wird dann erzeugt, indem der Bildschirm rotes., grünes und blaues Licht in den passenden Anteilen mischt. Diese additive Farbmischung ist bei vielen Fernsehern noch zu erkennen, wenn man ganz nah an den Bildschirm herangeht oder diesen mit einer Lupe anschaut.

PAL, NTSC, SECAM – im Dschungel der Farbsysteme

Weltweit gibt es bis heute drei verschiedenen Systeme der Fernseh-Farbübertragung. Das in den USA bereits 1954 eingeführte System NTSC ist bis heute in Nord und Teilen Südamerikas verbreitet. In den ersten Jahren hatte es das Problem, dass es bei der Übertragung zu Phasenverschiebungen der Farbsignale kam. Als Folge veränderte sich die Farbe des Fernsehbilds und musste per Hand durch einen Farbtonregler am Fernseher wieder richtig eingestellt werden. Dies führte dazu, dass damals das Kürzel NTSC auch als "Never the Same Colour" – "Niemals die selbe Farbe" - verspottet wurde.

Um diese Farbprobleme zu beheben, entwickelte der Telefunken-Ingenieur Walter Bruch Anfang der 1960er Jahre in Hannover das PAL-System. Dieses korrigiert die Phasenverschiebungen des NTSC-Systems und gleicht so die störenden Farbschwankungen automatisch aus. Dies geschieht unter anderem., indem PAL das R-Y-Farbdifferenzsignal nach jeder übertragenen Zeile um 180 phasenverschiebt und dieses Signal dann zum Abgleich nutzt. Das PAL-System ist bis heute in weiten Teilen Europas, Asiens, Afrikas und Südamerikas verbreitet.

Das dritte Farbübertragungs-System geht auf die Erfindung des französischen Ingenieurs Henri de France zurück. Auch bei diesem werden die Farbinformationen in Form von zwei Farbdifferenzsignalen übertragen. Weil diese Signale jedoch nicht über die Phase, sondern über die Frequenz der Funkwellen kodiert sind, können sie nicht gleichzeitig gesendet werden. Pro Bildzeile wird daher immer nur eines der Signale übertragen. Der Fernseher kombiniert beide und rechnet daraus die Farbwerte für zwei Zeilen auf einmal. SECAM ist heute in Frankreich, einigen Ländern Afrikas und Teilen des ehemaligen Ostblocks gängig.

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