Methusalem wurde laut dem Alten Testament der Bibel 967 Jahre alt. Nach heutigen Wissen ist das allerdings eher unrealistisch und wahrscheinlich nur eine bewusste Übertreibung. Denn für einen Menschen ist ein solches Alter unmöglich zu erreichen – die ältesten Menschen der Welt werden gerade einmal gut 120 Jahre alt. In der Tier- und Pflanzenwelt finden sich dagegen immer wieder Arten, die eine extrem hohe Lebenserwartung haben. Diese geht weit über die menschlichen Möglichkeiten hinaus.
Uralte Muschel
Ein Beispiel ist die von Nordamerikas Küsten bis hin zur Ostsee verbreitete Islandmuschel Arctica islandica. Sie hat eine Lebensdauer von mehreren hundert Jahren. Der älteste Vertreter dieser Meeresbewohner wurde sogar 507 Jahre alt. Um das Alter der Muscheln festzustellen, haben Wissenschaftler die Zuwachsstreifen auf der Schale der Muschel beobachtet. Ähnlich wie mit den Jahresringen eines Baumes bekommen die Muscheln Jahr für Jahr am Rand ihrer Kalkschale Wachstumsstreifen. Das erleichtert die Altersbestimmung.
Aber warum lebt diese Muschel so lang? Einer der Gründe könnte ein sehr langsamer Stoffwechsel sein, denn die Muschel atmet sozusagen in Zeitlupe, erklärt die Meeresbiologin Doris Abele vom Alfred-Wegener-Institut. "Wenn ein Tier einen so langsamen Stoffwechsel hat, bedeutet das normalerweise, dass es auch lange lebt." Forscher vermuten zudem, dass auch die Lebensweise der Muschel eine Rolle spielt: Sie verbringt ihr gesamtes Dasein vergraben im Schlick am Meeresboden. Dadurch kommt sie wenig Kontakt zu freien Sauerstoffradikalen, die ihr Erbgut schädigen und so ihre Lebensdauer verkürzen könnten.
Das wahrscheinlich älteste Tier der Welt
Das wahrscheinlich älteste Tier der Welt lebt ebenfalls am Meeresgrund: Es handelt sich den im Südpolarmeer heimischen Schwamm Anoxycalyx joubini. Er wird wahrscheinlich mehr als 10.000 Jahre alt. Dieses skurrile Wesen ähnelt einem hohlen, blassgelben Kegel und kann immerhin bis zu einen Meter breit und zwei Meter hoch werden. Um allerdings diese Größe zu erreichen, benötigen diese Schwämme Jahrtausende, denn sie leben noch stärker in Zeitlupe als die Islandmuschel.
Wahrscheinlich besitzen diese Methusalem-Schwämme den langsamsten Stoffwechsel aller bekannten Tiere und wachsen auch entsprechend langsam: Als Biologen Schwämme dieser Art in Aquarien hielten, konnten sie bei einigen 22 Jahre lang keinerlei Wachstum feststellen. Gibt es allerdings am Meeresgrund gerade besonders reichlich Algenfutter, können die Schwämme das Tempo auch vorübergehend anziehen: Sie legen dann einen Wachstumsschub ein.
Methusalems der Wirbeltiere
Ein Rekordhalter unter den Wirbeltieren ist der überwiegend im Nordatlantik vorkommende Grönlandhai. Dieser bis zu fünf Meter lange Raubfisch ist geheimnisvollste aller Haie, denn bisher ist weder über seine Lebensweise in den Tiefen des Meeres viel bekannt, noch darüber, wie viele von ihnen es überhaupt gibt.
Vor kurzem aber haben Forscher zumindest ein Geheimnis der Grönlandhaie gelüftet: Sie haben herausgefunden, dass diese Meeresbewohner bis zu 400 Jahre alt werden. Sie sind damit die langlebigsten Wirbeltiere der Welt. Ihr Erfolgsrezept dafür: Sie wachsen sehr langsam und werden erst mit 200 Jahren geschlechtsreif. Sie leben sozusagen in Zeitlupe.
Eines der langlebigsten Säugetiere lebt gar nicht so weit vom Grönlandhai entfernt – und heißt auch ganz ähnlich: der bis zu 18 Meter große Grönlandwal lebt ebenfalls vorwiegend in arktischen Gewässern. Mit über 200 Jahren erreicht auch er ein immerhin stattliches Alter. Möglich wird ihm dies laut Forschern der Universität von Liverpool durch seine Gene. So hat das Erbgut der Grönlandwale einige Besonderheiten, die mit Zellteilung, Erbgutreparatur, Krebs und Alterungsprozessen verbunden sind.
Der prominenteste Vertreter
Das bekannteste Beispiel für ein langlebiges Lebewesen ist wohl die Galapagos-Schildkröte. Sie liegt zwar mit einer Lebenserwartung von 150 bis zu 180 Jahren hinter dem Grönlandhai und -wal, aber sie wird immerhin deutlich älter als wir Menschen. Das lange Leben wird den Schildkröten durch eine langsame Herzfrequenz sowie einem langsamen Stoffwechsel ermöglicht – auch sie leben demnach in Zeitlupe. Interessanterweise haben Wissenschaftler herausgefunden, dass sich die Organe der älteren nicht von denen der jüngeren unterscheiden.
Übrigens: Das Wirbeltier mit der kürzesten Lebensdauer ist ein Korallenfisch aus dem Great Barrier Reef. Dieser wird nur 59 Tage alt. Sein Leben ist damit kurz, aber intensiv: In nur drei Wochen ist seine Kindheit als Larve vorbei und er verwandelt sich zum Fisch. Direkt danach findet die Paarung statt und er verbringt seine übrigen Tage zwischen Korallen.
Das Lebewesen mit der höchsten Lebenserwartung stammt nicht aus der Tierwelt
5.000 Jahre sind eine wahnsinnig lange Zeit und diese am Stück zu erleben, erscheint unmöglich. Nicht aber für ein Exemplar der im Osten der USA vorkommenden Kiefer Pinus longaeva. Sie ist mit 5.067 Jahren die älteste Pflanze auf dem Planeten. Das lange Leben der Kiefer wird durch embryonale Stammzellen ermöglicht. Diese sind noch nicht spezialisiert und können dadurch jegliches Gewebe nachwachsen lassen. Der Baum kann sich dadurch immer wieder von neuem regenerieren.
Das mit Abstand älteste Lebewesen ist allerdings so klein, dass man es mit bloßem Auge nicht erkennen kann: das Methusalem Bakterium. Es wird bis zu einer halben Million Jahre alt. Das Alter wurde anhand der DNA des Bakteriums ermittelt. Sein Lebensraum könnte auch sein Geheimnis sein: Es kommt in den unter dem Permafrost Kanadas, Sibiriens und der Antarktis verbogenen Erdschichten vor.

