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Mikroplastik: „Das Waschen ist eine Hauptquelle"
Bildquelle nicht angegeben
Natur & Umwelt

Mikroplastik: „Das Waschen ist eine Hauptquelle"

Als Mikroplastik bezeichnet man winzige Plastikstücke, die kleiner als fünf Millimeter und daher mit bloßem Auge oft kaum zu erkennen sind. Es gibt einerseits primäres Mikroplastik, das bereits in dieser Größenordnung produziert wird, etwa als Granulat für Zahnpasta und Peeling, und andererseits sekundäres…
Veröffentlicht
04. Januar 2023
Lesezeit
3 Minuten
Rubrik
Natur & Umwelt
Symbolbild Mikroplastik

© pcess609, GettyImages

Als Mikroplastik bezeichnet man winzige Plastikstücke, die kleiner als fünf Millimeter und daher mit bloßem Auge oft kaum zu erkennen sind. Es gibt einerseits primäres Mikroplastik, das bereits in dieser Größenordnung produziert wird, etwa als Granulat für Zahnpasta und Peeling, und andererseits sekundäres Mikroplastik. Das entsteht zum Beispiel durch Reifenabrieb oder indem große Kunststoffprodukte wie Tüten oder Becher in die Umwelt gelangen und sich dort zu mikroskopisch kleinen Partikeln zersetzen.

Waschmaschine als Mikroplastik-Schleuder

Die Hauptquelle für sekundäres Plastik steht in 95 Prozent der deutschen Haushalte: die Waschmaschine. Beim Waschen lösen sich Kunstfasern aus der Kleidung und gelangen über das Abwasser schließlich in Flüsse und Meere, wo sie eine große Gefahr für die Umwelt darstellen. Betroffen sind Kleidungsstücke aus synthetischem Material wie Polyester, Acryl, Nylon oder Elastan. Sie stecken beispielsweise in Fleece-Jacken und -Pullis, aber auch in Jeans, Blusen, Hemden und vielem mehr.

Pro Kleidungsstück dieser Art und Waschgang lösen sich etwa 2.000 Fasern aus dem Gewebe, erklärt Johannes Steinhaus von der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg. Die Fasern, die sich beim Waschen abreiben, gelangen ungehindert in unsere Kläranlagen und in der Folge zum Teil in den Klärschlamm und zum anderen Teil in unsere Gewässer. „Der Grund ist, dass sich die Fasern aufgrund ihrer Größe schlecht aus dem Abwasser filtern lassen. Da Klärschlämme auch gerne als Dünger auf Ackerflächen ausgetragen werden, kann man davon ausgehen, dass ein Großteil dieser Fasern in der Umwelt landet“, so Steinhaus.

Symbolbild Waschmaschine

© urbazon, GettyImages

Wasserlebewesen sind gefährdet

Die Auswirkungen all dieser Mikroplastikfasern auf die verschiedenen Ökosysteme sind laut Steinhaus noch relativ unklar. Fest steht allerdings, dass die Fasern in großen Mengen in die Umwelt gelangen. So hat etwa eine Studie der Internationalen Naturschutzunion (IUCN) ergeben, dass 35 Prozent des Mikroplastiks im Meer vom Faserabrieb beim Waschen stammt. Auch die Flüsse sind betroffen. Schätzungen zufolge schwimmen in einem Kubikmeter Donauwasser mehr Plastikpartikel als Fischlarven.

Ebenso steht fest, dass Wasserlebewesen wie Fische oder Krebse die winzigen Kunstfasern mit ihrer Nahrung aufnehmen und sich das Mikroplastik dadurch entlang der Nahrungskette immer weiter anreichert. Welche Auswirkungen der Verzehr von Fisch auf uns Menschen hat, ist noch nicht genau bekannt. Allerdings wurden auch schon bei uns Nanopartikel aus Plastik etwa in der Leber nachgewiesen.

Spezieller Filter fängt Mikroplastik ab

Dabei würde sich recht simpel verhindern lassen, dass Mikrofasern überhaupt von der Waschmaschine in die Umwelt gelangen. Die Lösung liegt in einem einfachen Filtersystem, mit dem man alle Waschmaschinen ausstattet. „Da die Waschmaschinenhersteller das aber nicht in vorauseilendem Gehorsam machen möchten – ein Nachrüstfilter kostet circa 80 Euro – müssten da gesetzliche Auflagen her. Am besten EU-weit“, sagt Steinhaus. Diese gibt es bislang noch nicht.

Lediglich Frankreich hat beschlossen, dass ab Anfang 2025 alle neuen Waschmaschinen mit einem Filtersystem für Mikroplastik ausgestattet sein müssen. Wann es in Deutschland so weit sein wird, ist noch nicht bekannt. Allerdings sind mittlerweile immerhin vereinzelte Waschmaschinen-Modelle auf dem Markt, die bereits mit eingebautem Mikroplastik-Filter ausgestattet sind. Eine Nachrüstung auf eigene Faust ist ebenfalls möglich.

Quelle: Hochschule Bonn-Rhein-Sieg

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