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Minirock – ein Triumph der Frau (Podcast 91)
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Allgemein

Minirock – ein Triumph der Frau (Podcast 91)

Der Durchbruch gelang Anfang der Sechziger Jahre: Mary Quant brachte den Minirock auf den Markt. Der eroberte die Herzen der Frauen in Windeseile. Endlich kein Geflattere mehr an den Beinen. Endlich war die Sommerhitze zu ertragen, ein Windhauch umspielte die Beine. Herrlich! Die Frauen waren verzückt, und die…
Veröffentlicht
08. März 2026
Lesezeit
5 Minuten
Rubrik
Allgemein

Der Durchbruch gelang Anfang der Sechziger Jahre: Mary Quant brachte den Minirock auf den Markt. Der eroberte die Herzen der Frauen in Windeseile. Endlich kein Geflattere mehr an den Beinen. Endlich war die Sommerhitze zu ertragen, ein Windhauch umspielte die Beine. Herrlich! Die Frauen waren verzückt, und die Männer – nicht wahr?! – die Männer auch. Eine Reise in die komplizierte Psyche der Frau begann. Was ist passiert?

Mary Quant fegte mit dem Mini die prüde Mode der Älteren mit ihren Petticoats und Glockenröcken hinweg. Sie war 21 Jahre alt als sie ihre erste Modeboutige "Bazaar“ im Londoner Szeneviertel Chelsea eröffnete und wenige Jahre später mit dem Mini Furore machte. Königign Elizabeth II. kürte Quant mit dem "Order of The British Empire“. Der New Yorker Bürgermeister John Lindsay witzelte damals:

Natürlich gab es auch kritische Stimmen, die den Mini als Zeichen des von Sex und Exhibitionismus geprägten Zeitgeistes beschimpften. In amerikanischen und britischen Schulen wurden genaueste Regeln erlassen, wie kurz der Mini sein durfte. Im Zweifelsfall durften die Lehrer nachmessen. Hierzulande beschäftigen sich Arbeitsgerichte mit der Frage, ob Miniröcke im Büro getragen werden durften oder nicht.

Symbol der sexuellen Befreiung

Der Minirock war Symbol für die sexuelle Befreiung der Jugend und der Loslösung von den Moralvorstellungen ihrer Eltern. Er war cool, edel, sexy, selbstbewusst und – provokant. Die Mädchen, fühlten sich frei. Eeeeendlich frei.

Aber sie waren es nicht, und sie sind es nicht. Nicht ganz. Kaum waren die Moralvorstellungen der Älteren ausgeblendet, unterzog sich die Frau selbst als neuem Diktat dem Schönheitsideal. Schlank, lang, glattrasiert, braun gebrannt sollten die Beine sein. Hoffentlich waren keine Krampfäderchen zu sehen.

Frauen wollten und sollten – bitteschön – diesem Schönheitsdiktat entsprechen. Dicke Beine waren unter dem Mini nicht mehr so leicht zu verstecken, wie unter einem langen Rock. Aber dann dachte sich frau etwas anderes aus: Nicht, was andere schön finden, war der Wegweiser, sondern was sie gerade möchte. Sch… auf irgendwelche Schönheitsideale. Herausgekommen ist das, was wir heute auf den Straßen sehen: Dicke Beine in Minis, dicke Bäuche in bauchfreien Tops, feste Schenkel in Leggings. Aber alles nacheinander.

Die Suche nach Anerkennung

Mittlerweile ist eine dünne Figur kein Muss mehr, zumindest äußerlich betrachtet. Natürlich will die Frau schön sein, möglichst schlank, rasiert und so weiter. Aber wenn sie es nicht ist, dann ist das eben nicht so. Die Frau ist cooler, selbstbewusster geworden. Und sie spielt so oder so mit ihren Reizen und sucht trotzdem nach Anerkennung. Sie testet, wie sie mit ihrem Körper ankommt. Sie macht sich damit abhängig von männlichen Komplimenten und hofft darauf, weil Lob und Pfiffe ihr schmeicheln und ihr Selbstbewusstsein stärken oder ihm gar erst auf die Sprünge helfen. Zwar ist die Frau dann auch nur soviel wert wie ihr Rock kurz ist. Aber das nimmt sie für ein bisschen Anerkennung in Kauf. Da hat sie den Mann im Griff. Sonst ist es oft umgekehrt. Denken wir nur daran, dass Männer oft für denselben Job immer noch besser bezahlt werden. Und daran, dass sie bessere Aufstiegschancen haben.

Bei den Minis triumphiert die Frau. Genauso gern, wie sie einen Mini anzieht, um Anerkennung zu erhaschen, zieht sie einen Mini an, wenn sie Lust auf einen Mini hat – selbst, wenn ihre Figur es nicht hergibt. Bei der Frau gehen Abhängigkeit und Selbstbewusstsein Hand in Hand. Das ist ein Paradox, bei Frauen aber ganz normal. Die Frau will gefallen, aber nicht auf einen Rock reduziert werden. Trotzdem geht sie das Risiko ein – oft mit Erfolg. Oder worüber sprechen Männer im Büro, wenn die Frau einen schicken Rock angezogen hat, der das Knie und ein bisschen mehr freilegt oder die Rundungen der weiblichen Figur betont?

Ein Blogger schreibt: "Wenn eine Dame in ihrem Job WIRKLICH ernstgenommen werden will, sollte sie sich davor hüten, allzu sexy gekleidet daher zu kommen.“

Machen sich Frauen darüber zu wenig Gedanken? Lassen sie es darauf ankommen? Manche sicher. Das Ergebnis ist, dass sich die Schönheitsideale von Männern und Frauen offenbar auseinanderentwickelt haben. Die meisten Männer bevorzugen schlank, groß, blond, flachen Bauch. Frauen zeigen sich aber einfach so, wie sie sind.

Bauchfrei ist en vogue

Und zwar in jeder Art und Unart. Wenn die Frau Lust auf bauchfrei hat, dann trägt sie eben bauchfrei – schwabbele es, was es wolle. Früher hat frau einen Bauch unter einem weitem Shirt versteckt gehalten, genauso wie einen dicken Po durch ein langes Shirt und dicke Beine durch eine weite Hosen dem Auge entzogen wurden.

Heute dagegen lautet die Devise "knalleng und körperbetont“. Das kommt in der Männerwelt nicht immer gut an, vor allem, wenn eine Frau bauchfrei und Mini kombiniert. Warum? Ein Brigitte-Blogger erklärt: "Rein geschmacklich gesehen ist's zu viel des Guten für mich. Ist wie ein Weihnachtsbaum, da gibt es so viel zu Gucken, da weiß man gar nicht, wo man hinsehen soll.“

Männer sind visuell geprägt. Aber sie nur darauf zu reduzieren, wäre auch falsch. Sie gucken bloß zuerst, dann wollen sie aber auch mehr. Ein weiterer Kommentar aus einem Blog: "Hinter Minirock, tiefem Ausschnitt und High Heels sollte dann nur noch ein bisschen mehr stecken, sowas wie Humor, Intelligenz etc.“

Das könnte Frauen Erleichterung verschaffen. Tut es aber nicht. Manche Frauen sind unersättlich, wenn es um Liebe und Anerkennung ihres Körpers geht. Und so laufen sie Modeströmungen hinterher – ob sie zu ihr passen oder nicht. Neben bauchfreien Tops sind es derzeit Leggings, die es in allerlei Variationen gibt.

Wie Mary Quant das wohl findet? Sie hatte zwar noch die Hot Pants entwickelt, die die unteren Pobacken nicht mehr bedeckten, stand ihren Produkten aber auch zunehmend kritisch gegenüber, weil selbst Frauen mit kurzen, dicken Beinen sie trugen in Miniröcken bzw. Hot Pants herumliefen. Dass es so weit gehen würde wie heute, dass das Selbstbewusstsein Körperbewusstsein und Schönheitsideale in den Wind schlagen würde; so weit hat die junge Modeschöpferin damals dann doch nicht gedacht!

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