
Erdwärme hat eine lange Tradition
Beim Kalina-Prozess wird einer Mischung aus Wasser und Ammoniak eingesetzt. Das Mischungsverhältnis der Medien im Kreislauf kann beliebig verändert werden. Im Gegensatz zu reinen Arbeitsmedien wie Wasser siedet das Gemisch über einen großen Temperaturbereich bei vorgegebenem Druck. Der Wirkungsgrad eines Erdwärmekraftwerkes mit Kalina-Technik liegt deshalb im Vergleich zum Wasser-Dampf-Kreislauf deutlich höher und ermöglicht bereits bei niedrigen Temperaturen gute Wirkungsgrade. Die Stromerzeugung aus Thermalwasser im Temperaturbereich zwischen 100 und 150 Grad wird so wirtschaftlich.
Zum Heizen hat Erdwärme schon eine lange Tradition. Auf der Insel Lipari bei Sizilien wurde bereits 1500 von Christus ein Thermalbad gemauert und in der Toskana existierte schon 1904 die erste moderne Erdwärmeheizung. Dort nahm neun Jahre später das erste geothermische Kraftwerk seinen Betrieb auf. Island gewinnt heute den größten Teil seiner Energie aus Erdwärme und Neuseeland erzeugte 2005 acht Prozent seines Strombedarfs durch Geothermie. Auch in Deutschland hat Erdwärme Zukunft. In Norddeutschland, Thüringen, am Oberrhein, im südlichen Baden-Württemberg und in Bayern gelten die Bedingungen dafür als besonders günstig.
Etwas Mut gehört allerdings dazu, sich an eine Bohrung zu wagen. Denn exakt können die Wissenschaftler die Temperatur aus der Tiefe nicht vorhersagen. Die Prognosen für Unterhaching waren gut, aber das Restrisiko, dass es für die erforderlichen 100 Grad und 100 Liter pro Sekunde nicht reichen könnte, blieb. Und genau dieses so genannte Fündigkeitsrisiko ist meist das größte Investitionshindernis der geothermischen Energieerzeugung. Allerdings hatte die Gemeinde eine Förderzusage durch das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit in der Tasche sowie die weltweit erste privatwirtschaftliche Fündigkeitsversicherung abgeschlossen.




