Olympia im Dreck: Segeln in der Guanabara-Bucht
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Olympia im Dreck: Segeln in der Guanabara-Bucht

Bild: Foto: Wilhelm Zimmerling PAR, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Eine stillgelegte Müllhalde, Schwerindustrie, Abwasser, Tierkadaver - die Liste der Dinge, die die Guanabara-Bucht verschmutzen, könnte nicht länger sein. Zusätzlich sorgten vor einiger Zeit noch ein abgetrennter Arm und eine Leiche für weitere Schlagzeilen rund um das einst so idyllische Gewässer. Und die Verschmutzung hält an. Eine Studie der Heinrich-Böll-Stiftung hat im Jahr 2014 ergeben, dass pro Sekunde rund 18.000 Liter Abwasser in die Bucht fließen. Der Umweltaktivist Sérgio Ricardo bezeichnet diese Mischung aus Fäkalien, Müll und Chemie als „Molotow-Cocktail der Guanabara-Bucht“.

Eine stillgelegte Müllhalde, Schwerindustrie, Abwasser, Tierkadaver - die Liste der Dinge, die die Guanabara-Bucht verschmutzen, könnte nicht länger sein. Zusätzlich sorgten vor einiger Zeit noch ein abgetrennter Arm und eine Leiche für weitere Schlagzeilen rund um das einst so idyllische Gewässer. Und die Verschmutzung hält an. Eine Studie der Heinrich-Böll-Stiftung hat im Jahr 2014 ergeben, dass pro Sekunde rund 18.000 Liter Abwasser in die Bucht fließen. Der Umweltaktivist Sérgio Ricardo bezeichnet diese Mischung aus Fäkalien, Müll und Chemie als „Molotow-Cocktail der Guanabara-Bucht“.

Absichtserklärungen, aber keine Taten

Schon im Zeitraum von 1994 bis 2006 plante die Stadt gemeinsam mit der interamerikanischen Entwicklungsbank und der japanischen Agentur für internationale Zusammenarbeit die Reinigung der Guanabara-Bucht. Dafür investierten die Beteiligten mehr als eine Milliarde Euro in den Bau von Kläranlagen. Diese wurden aber wegen fehlender Zuleitungen nie in Betrieb genommen. Die Quittung erhielt Rio bei seiner Olympiabewerbung im Jahr 2004: Das Internationale Olympische Komitee (IOC) lehnte unter anderem wegen der Verschmutzung der Bucht die Bewerbung Brasiliens ab.

Deshalb hatte die Stadt Rio bei der Olympiabewerbung 2009 versprochen, rund 80 Prozent der Bucht zu reinigen. Dafür nahmen die Beteiligten mehr als 200 Millionen Euro in die Hand, um die einzelnen Haushalte an Kanalisationssysteme anzuschließen. Der Schuss ging nach hinten los: Zwar wurden die Haushalte erfolgreich an die Kanal-Systeme angeschlossen, doch diese endeten nicht in einem Klärwerk, sondern nach wie vor im Meer. Ein Sumpf aus Korruption und Bürokratie hat dafür gesorgt, dass es bisher kaum Besserung gibt

Zusätzlich wird es mit der Zeit immer schwieriger, die Reinigungspläne umzusetzen. Denn die Schadstoffe lagern sich mit dem Sediment am Grund der Bucht ab und werden bei jedem Aufwühlen erneut ans Wasser freigesetzt. So macht zum Beispiel Ricardo darauf aufmerksam, dass sich auch auf den Meeresgrund, unter einer Schicht aus Abfällen, Schwermetalle befinden.

Infiziert beim Testsegeln

2015 musste der Sportsegler Erik Heil die Auswirkungen dieses Cocktails am eigenen Leib spüren. Im Vorfeld seiner Olympia-Teilnahme machte er im vergangenen Jahr eine Testregatta auf der verseuchten Bucht - mit unangenehmen Folgen: Der Sportler zog sich eine Infektion und hartnäckige Entzündungen an den Beinen und der Hüfte zu. Erst nach einer Behandlung mit einem Breitbandantibiotikum heilten diese wieder aus.

Damit ist Heil allerdings glimpflich davongekommen: Der Meeresbiologe Mario Moscatelli stellte bei einer aktuellen Messung der Bakteriendichte fest, dass man in dieser Brühe auch an einer Hirnhautentzündung erkranken kann. Und das war nicht der einzige Nachweis von Krankheitserregern. 2014 fand das Universitätsklinikum Schleswig Holstein in einer untersuchten Wasserprobe Enterokokken, welche wiederum zu Harnwegsinfektionen führen können.

Unmut unter Sportlern

Dieser unzumutbare Zustand bringt die Olympia-Segler in Rage: „Als wir im Februar da waren, gab es extrem viel Müll und es hat schlecht gerochen“, sagt zum Beispiel der paralympische Goldmedaillengewinner Heiko Kröger. Unter anderem deshalb machte der Segelverband den Vorschlag, die Wettkämpfe in das 190 Kilometer entfernte Segelrevier von Buzio zu verlegen. Doch Rios Bürgermeister Eduardo Paes lehnte dies ab und auch das internationale olympische Komitee bestand weiter auf der Guanabara-Bucht.

Der gröbste Schmutz wurde dort seither immerhin schon entfernt, sodass die Sportler wenigstens ungehindert segeln können. Trotzdem müssen sie im Rahmen der Olympischen Spiele einige Vorkehrungen treffen, um sich vor Infektionen zu schützen. Dazu gehören unter anderem Impfungen sowie ein regelmäßiges Abspülen nach den einzelnen Durchgängen.

Hauptleidtragende sind die Anwohner

Doch die Sportler können nach den Spielen wieder nach Hause gehen. Für die Menschen aus Rios Favelas sieht das ganz anders aus: Viele lebten einst vom Fischfang, aber das verseuchte Wasser führte zum Fischsterben. Weil ihre Lebensgrundlage damit weggefiel, mussten sich die ehemaligen Fischer andere Arbeit suchen – in den Favelas von Rio kein einfaches Unterfangen.

So auch Alex Sandro Dos Santos. Die Fischerei war sein Handwerk, doch nun verkauft er Holzverpackungen, um seine Familie weiter ernähren zu können. Sein Traum ist es, eines Tages wieder vom Fischfang leben zu können. Bereits 2005 gründete er daher die Vereinigung der freien Fischer, welche sich für die Reinigung der Bucht und den Erhalt der Fischerkultur einsetzt.

Noch allerdings haben er und seine Mitstreiter wenig Erfolg. Die Bucht von Guanabara ist nach wie vor eines der dreckigsten Küstengewässer Brasiliens – und wer sich hineinwagt, muss mit Pilzinfektionen, Hautkrankheiten sowie Durchfall rechnen. Keine sehr idyllische Kulisse für Olympia.

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