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Permakultur – Wie kann nachhaltige Landwirtschaft aussehen?
Bildquelle nicht angegeben
Natur & Umwelt

Permakultur – Wie kann nachhaltige Landwirtschaft aussehen?

Schon längst is, dass die konventionelle Landwirtschaft in ihrer heutigen Form weder umwelt- noch klimafreundlich ist. Beispielsweise verunreinigt der eingesetzte Dünger das Grundwasser und die Böden leiden unter Auszehrung und Verdichtung. Zudem vermuten Forscher, dass Pestizide für das Insektensterben…
Veröffentlicht
26. Februar 2022
Lesezeit
5 Minuten
Rubrik
Natur & Umwelt
Artikelbild

iStock.com, TommL

Schon längst is, dass die konventionelle Landwirtschaft in ihrer heutigen Form weder umwelt- noch klimafreundlich ist. Beispielsweise verunreinigt der eingesetzte Dünger das Grundwasser und die Böden leiden unter Auszehrung und Verdichtung. Zudem vermuten Forscher, dass Pestizide für das Insektensterben mitverantwortlich sein könnten. Und durch den Anbau von Monokulturen – also riesigen Feldern mit gleichen Pflanzenarten – fehlen Insekten und anderen Tieren wichtige Lebensräume und Nahrungsquellen.

Der Mensch als Selbstversorger

Als eine mögliche Form der nachhaltigeren Landwirtschaft gilt unter anderem das Konzept der sogenannten Permakultur. Der Begriff wurde in den 1970er-Jahren populär und bezeichnet eine Landwirtschaft, die im Einklang mit der Natur steht und weder Pflanzen noch Tieren schaden soll. Das bedeutet, dass die Landwirte in der Permakultur immer nur so viele Ressourcen verbrauchen, wie auch wieder nachwachsen – es entstehen permanente Kulturen.

Die Umsetzung dieser Idee erfolgt meist in sogenannten Selbstversorgersystemen: Dabei erntet der Mensch zum Beispiel Obst und Gemüse, nutzt Holz als Bau- und Brennstoff und gibt der Natur als Gegenleistung Kot, Mulch und Kompost als Düngemittel zurück. So entsteht in Permakulturen ein natürlicher Kreislauf, bei dem Pflanzen möglichst schonend angebaut werden.

Artikelbild

iStock.com, emer1940

Schichtweise anbauen

Ein Kernprinzip der Permakultur ist der gemischte Anbau verschiedener Nutzpflanzen in Schichten. Ein Feld wird dadurch nicht, wie in der konventionellen Landwirtschaft auf einmal vollkommen abgeerntet, sondern die Ernte erfolgt nach und nach. Dadurch bleibt immer ein Teil der Fläche bewachsen.

Gleichzeitig entstehen auf und um die Anbauflächen der Permakultur verschiedene Pflanzenzonen. So wachsen Bodendecker wie Wildkräuter, Moose oder Gräser als unterste Pflanzenschicht. In der Strauchschicht befinden sich halbhohe Sträucher oder Jungbäume und in der Baumschicht die größeren Bäume.

Dieser Pflanzenanbau bringt automatisch ein paar Vorteile mit sich: Zum Beispiel schützen die Bodendecker den Boden dauerhaft vor dem Austrocknen und Hecken dienen zum Beispiel als Windschutz gegen Bodenerosion, so dass der Humus auf den Feldern bleibt. An die Stelle der Monokultur tritt eine Vielzahl verschiedener Pflanzen – also eine sogenannte Mischkultur.

Artikelbild

iStock.com, Jekaterina Sahmanova

Die Vorteile der Mischkultur

Die unterschiedlichen Pflanzen der Mischkultur beeinflussen sich gegenseitig und unterstützen sich beim Wachsen. Zum Beispiel gelten Obstbäume am Rande eines Feldes als solche Wachstumshelfer: Sie festigen den Boden mit ihren Wurzeln, machen ihn zu einem noch besseren Wasserspeicher und sorgen sogar für eine zusätzliche Ernte.

Zudem bauen Landwirte der Permakultur oft stickstoffbindende Pflanzen zwischen anderen Pflanzen an – die sogenannte Leguminosen. Sie nehmen den Stickstoff aus der Luft auf und speichern ihn über ihre Wurzeln mit Hilfe von sogenannten Knöllchenbakterien in der Erde. Diese machen den Stickstoff für andere Pflanzen verfügbar und fördern so das Wachstum. Zu den Leguminosen gehören zum Beispiel Erbsen und Ackerbohnen.

In Gemeinschaften anbauen

Zudem verfolgen die Gärtner beim Anbau von Pflanzen und Kräutern ein weiteres Prinzip: Sie pflanzen in Pflanzengemeinschaften. Denn es gibt bestimmte Arten die sehr gut nebeneinander wachsen, da sie nicht die gleichen Nährstoffen brauchen. Beispiele für gute Pflanzengemeinschaften etwa Paprika und Tomaten. Mais hingegen wächst in der Nähe von Bohnen  gut. Zu Erbsen empfehlen Gärtner Kohl und Karotten. Zwiebelgewächse und Meerrettich eignen sich zudem als Schutz vor Pilzkrankheiten.

Da die Pflanzen sich gegenseitig nicht beim Wachsen stören, können die Landwirte die Pflanzen auch deutlich dichter nebeneinander Pflanzen als es in der konventionellen Landwirtschaft üblich ist. Dafür legen sie hügelförmige Beete oder Felder mit aufgeschütteten Erdhügeln an, die von den Wurzeln der Pflanzen gefestigt werden und bei Regenfällen viel Wasser aufnehmen. Außerdem schütten die Gärtner Mulch zwischen die einzelnen Hügelreihen, der die Pflanzen zusätzlich mit Nährstoffen versorgt und den Boden kühlt.

Von wegen Unkraut

Zudem lassen Landwirte der Permakultur auch solche Wildkräuter auf ihren Feldern wachsen, die in der konventionellen Landwirtschaft häufig mit Giften bekämpft werden. Der Vorteil der oft unterschätzten Kräuter: Sie können wahre Wachstumshelfer sein.

Und das ist noch nicht alles: Viele Blumen und Wildkräuter haben auch eine direkte Schutzwirkung gegen Schädlinge. So setzen Landwirte zum Beispiel häufig ganz bewusst Brennnesseln neben Kartoffelpflanzen, denn sie schrecken die schädlichen Kartoffelkäfer ab.

Auch andere Pflanzen – wie verschiedene Kohlsorten und Radieschen – enthalten bestimmte Giftstoffe, die Insekten töten und die Feinde langfristig fernhalten. Einige Gewächse halten sich die Schädlinge mit ihren Stacheln oder Dornen vom Leibe. Wieder andere locken Nützlinge an und helfen so dabei, die angrenzenden Kulturen schädlingsfrei zu halten.

Für die Zukunft immer wichtiger

Und obwohl Nachhaltigkeit in der Landwirtschaft heutzutage ein immer wichtigeres Thema wird, kommt das Konzept der Permakultur bislang hauptsächlich in Privatgärten zur Anwendung. In einer abgewandelter Form findet sich manche Idee der Selbstversorgersysteme auch auf Flachdächern in Großstädten wieder.

Für die globale Landwirtschaft ist der Umstieg auf Permakultur bislang aber eine Herausforderung, denn die Landwirte müssten sich für eine Umstellung zunächst entsprechend weiterbilden und bisher gibt es für Betriebe, die auf Permakultur setzen, keine finanzielle Unterstützung. Selbst große Betriebe haben meist nicht genügend Mittel, um diesen Wandel aus eigener Tasche zu bezahlen.

Wie könnte eine Umsetzung aussehen?

Dennoch zeigen erste mittelgroße Betriebe bereits, dass das Prinzip auch großflächig funktionieren kann. So zum Beispiel die „Ferme du Bec Hellouin“ in der Normandie: Diese 3.500 Quadratmeter große Obst- und Gemüsefarm arbeitet nach den Prinzipen der Permakultur. Da der Landwirt auf den Einsatz von Großmaschinen und Pestiziden verzichtet, fallen erhebliche Kosten weg. Dadurch entspricht sein Gewinn etwa dem Zehnfachen dessen, was bei vergleichbaren Anbauflächen der konventionellen Landwirtschaft zu erwarten wäre.

Außerdem wächst auf den Feldern der Permakultur pro Jahr meist drei bis vier Mal mehr Gemüse als in einem konventionellen Gemüsebetrieb gleicher Fläche. Die Pflanzen sind hierbei zwar nicht an sich ertragreicher, aber bringen größere Ernteerträge, da sie widerstandsfähiger gegen Schädlinge sind und dichter nebeneinander gepflanzt werden können.

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