Der Knollenblätterpilz ist einer der giftigsten Pilze in Europa Gleichzeitig gehört er bei uns – zumindest dem Namen nach – zusammen mit dem Fliegenpilz zu den bekanntesten Giftpilzen. Trotzdem aber ist der Knollenblätterpilz für die meisten tödlichen Pilzvergiftungen verantwortlich. Der Hauptgrund dafür ist wahrscheinlich das verhältnismäßig unauffällige Aussehen, denn der Pilz verkündet seine Giftigkeit leider nicht mit bunten Farben oder Flecken.
Wie erkennt man den Knollenblätterpilz?
Stattdessen kommt der meist in der Nähe von Laubbäumen wachsende Grüne Knollenblätterpilz – der giftigste seiner Gattung - unschuldig weiß bis leicht grünlich daher. Sein hell- bis olivgrüner Hut mit der zart gefaserten Oberfläche sitzt auf einem weißen Stiel, der einen weißlichen Ring trägt. Auf den ersten Blick ähnelt er damit dem Champignon, aber man kann den Giftpilz an ein paar Merkmalen unterscheiden.
Die Lamellen auf der Unterseite des Huts sind beim Knollenblätterpilz weiß oder blassgrün. Beim Champignon dagegen sind die Lamellen im jungen Alter rosa, dann braun und später sogar fast schwarz. Ein weiteres Erkennungsmerkmal: Der Stiel entspringt einer weißen, weichen Knolle, die von einer hautartigen, leicht grünlich gefärbten Scheide umgeben ist. Sie ist nur beim Knollenblätterpilz ausgebildet, beim Wiesenchampignon fehlt sie.
Was sind die Symptome einer Vergiftung?
Schon ein einzelner verspeister Pilz kann tödlich giftig sein – und das Kochen oder Dünsten macht sein Gift leider nicht unschädlich. Für die lebensbedrohliche Wirkung des Knollenblätterpilzes sind sogenannte Amatoxine verantwortlich, vor allem das alpha-Amanitin. Sie greifen die Leber an und können schnell zu einem kompletten Leberversagen führen. Im Falle einer Vergiftung ist daher schnelles Handeln absolut notwendig.
Allerdings ist das manchmal nicht leicht. Denn der Knollenblätterpilz ist auch deshalb so gefährlich, weil in den ersten Stunden nach dem Verzehr oft noch keine Symptome auftreten. Die Beschwerden setzen erst nach etwa sechs bis 20 Stunden mit Übelkeit, Erbrechen, krampfartigen Bauchschmerzen und Durchfall ein. Doch wenn das Gift auf diese Weise seine Wirkung zeigt, hat es sich bereits im ganzen Körper verteilt.
Bei Verdacht sofort den Notarzt rufen!
Früher war eine Vergiftung mit dem Knollenblätterpilz meist das sichere Todesurteil. Noch bis vor wenigen Jahrzehnten starben fast alle Betroffenen dieser Pilzvergiftung. Im englischsprachigen Raum wird der Pilz deshalb bis heute auch "Death Cap" – Todeshaube - genannt. Heute jedoch können Ärzte eine Vergiftung mit dem Knollenblätterpilz behandeln, wenn sie früh genug diagnostiziert wird.
"Deshalb sollte jede Person, die nach dem Verzehr wilder Pilze Symptome einer Vergiftung zeigt, umgehend einen Notarzt rufen oder sich in einem Krankenhaus melden", betont Hartmut Schmidt vom Universitätsklinikum Münster, der bereits viele Patienten mit Pilzvergiftungen behandelt hat. Um die Diagnose zu erleichtern, sollten die Pilzreste und das Erbrochene aufgehoben und an den Arzt weitergegeben werden.
"Im letzten Jahr gab es zahlreiche Knollenblätterpilz-Vergiftungen. Vor allem waren davon Flüchtlinge betroffen, die den Knollenblätterpilz mit einem heimischen essbaren Pilz verwechselt hatten", sagt Schmidt. "In einigen Fällen konnten wir das Leben der Patienten leider nicht retten", weist er auf die Gefährlichkeit der Vergiftungen hin.
Therapie wirkt nur, wenn sie rechtzeitig beginnt
Zur Therapie gegen die Knollenblätterpilz-Vergiftung bekommt der Patient eine Infusion mit Flüssigkeit und dem Wirkstoff Silibinin. Das Silibinin hemmt die Aufnahme des Giftes in die Leberzellen und verhindert so, dass das Amanitin die Leber zerstört. Manchmal können auch spezielle Dialyse-Verfahren helfen. Erfahrungen zeigen, dass die sogenannte Albumin-Dialyse den Verlauf eines Leberversagens verlangsamen kann.
Kommt die Behandlung rechtzeitig, dann gehen die Symptome nach sieben bis zehn Tagen vollständig zurück. Es liegt dann eine vollständige Heilung vor. Ist die Leber aber schon zu stark geschädigt oder verläuft das akute Leberversagen extrem schnell, kann sie nicht mehr gerettet werden. Dann ist eine Lebertransplantation die einzig verbleibende Behandlungsmöglichkeit. "Aufgrund der Schwere der Vergiftung kann eine Transplantation die letzte Chance sein", erklärt Schmidt. "Aber eine Spenderleber steht nicht immer zur Verfügung."
Umso wichtiger ist es, beim Pilzesammeln aufzupassen. Wer sich nicht auskennt, sollte alle Champignon- und Knollenblätterpilz-ähnlichen Gewächse lieber ganz stehen lassen. Steinpilz und Co schmecken schließlich auch ganz gut. Generell gilt: Wer sich nicht ganz sicher ist, sollte seine gesammelten Pilze immer von einem Pilzsachverständigen überprüfen lassen, bevor er sie isst.

