Verkehrspolitik unter Druck
Ziel jeder modernen Verkehrspolitik sollte die Gewährleistung individueller und ökonomischer Mobilität sein. Komplexe Gesellschaftssysteme würden ohne hohen Mobilitätsgrad zweifellos zum Erliegen kommen. In gewisser Weise ist hohes Verkehrsaufkommen demnach notwendig. Mit zunehmender Ausweitung insbesondere des PKW- und LKW-Verkehrs treten jedoch Probleme auf: Die Luftverschmutzung steigt, die Belastung der Straßen wächst, Staus und Unfälle nehmen stark zu. Regulative Maßnahmen sind gefordert. Oft entfachen diese den Zorn der Volksseele, denn meistens beschneiden sie die individuelle Bewegungsfreiheit.
Beispiel Ölkrise
Ein Beispiel für kurzfristige verkehrspolitische Eingriffe liefern die siebziger Jahre. Mit dem vierten israelisch-arabischen Krieg 1973 begann die erste Ölkrise. Der Ölpreis stieg innerhalb kurzer Zeit um ein Vielfaches an. In der damaligen Bundesrepublik reagierte die Politik auf verschiedenen Ebenen. Noch in lebhafter Erinnerung sind den Zeitgenossen die vier verordneten autofreien Sonntage von 1973. Ebenfalls kam es zu einer vorübergehenden Einführung von flächendeckenden Tempolimits auf den deutschen Autobahnen. “Tempo 100” war angesagt. Mag man heute über diese Maßnahmen eher schmunzeln, eines bewirkten sie mit Sicherheit: Den Deutschen wurde schlagartig klar, wie groß ihre Abhängigkeit vom Rohstoff Öl war. Die Ölkrise setzte so einiges in Bewegung: Von der Suche nach alternativen Energiequellen bis zur Konstruktion verbrauchsarmer Motoren.
Beispiel Katalysator
In den achtziger Jahren sorgte die Einführung des Katalysators in Europa für viel Gesprächsstoff. Angeheizt durch das “Waldsterben” und den “Sauren Regen” brach eine Diskussion über Sinn und Unsinn der schadstoffmindernden Katalysatoren los. Dabei existierten schon damals verschiedene Beispiele für einen erfolgreichen Kat-Einsatz. Der amerikanische Sonnenstaat Kalifornien führte bereits Ende der sechziger Jahre die Katalysatorenpflicht für neuzugelassene Fahrzeuge ein. Das kalifornische Beispiel entzog den Katalysator-Gegnern die Grundlage vieler Argumente. Die Automobilindustrie verschanzte sich lange hinter zu hohen Mehrkosten in der Produktion, obwohl viele der Hersteller ihre Fahrzeuge auch nach Kalifornien exportierten. Und die Einführung des notwendigen bleifreien Benzins erwies sich als längst nicht so problematisch, wie von vielen Skeptikern heraufbeschworen. Die Pflicht-Einführung von geregelten Drei-Wege-Katalysatoren konnte schließlich nicht mehr aufgehalten werden. Auf den Schadstoffausstoß der betroffenen Fahrzeuge wirkte sich dies durchweg positiv aus. Auch wenn damit längst nicht alle Umweltprobleme gelöst waren, ein wichtiger Schritt war getan.
Blick in die Zukunft: Wasserstoff
Auch in Zukunft kann mit aktiv-regulierenden Maßnahmen der Politik auf den Verkehr gerechnet werden. Angesichts schnell schrumpfender Rohstoffvorräte bei gleichzeitigem Verkehrsanstieg ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis die Politik zum nächsten Gesetzerlass gezwungen wird. Dieser könnte sich dann um den Wasserstoff drehen. Denn Wasserstoff gilt als eine der wichtigsten Energieträger-Alternativen zu den fossilen Brennstoffen Gas und Öl. Ob er sich jedoch ohne politischen Druck als schadstofffreie und fast unerschöpfliche Energiequelle durchsetzen kann, ist fraglich.

