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Recycling: Was passiert eigentlich jenseits der Mülltonne?
Bildquelle nicht angegeben
Natur & Umwelt

Recycling: Was passiert eigentlich jenseits der Mülltonne?

Natürlich, 65% sind gut, aber absolut verbesserungswürdig. Und gerade was den Kunststoff anbelangt, sind wir auch nicht weltmeisterlich, sondern (im negativen Sinne) Verbrauchs-Europameister.
Veröffentlicht
26. Februar 2022
Lesezeit
4 Minuten
Rubrik
Natur & Umwelt
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fotolia.com, Kzenon

Natürlich, 65% sind gut, aber absolut verbesserungswürdig. Und gerade was den Kunststoff anbelangt, sind wir auch nicht weltmeisterlich, sondern (im negativen Sinne) Verbrauchs-Europameister.

Ein nicht gerade kleiner Teil des Problems liegt daran, dass viele Normalverbraucher gar nicht so genau wissen, was mit ihrem Müll passiert, wenn die Tonne geleert wurde – und so eine etwas ungesunde Haltung im Sinne von „ich recycle, wie vorgegeben, also muss ich nichts ändern“ entwickelt haben.

Daher möchte der folgende Artikel etwas Aufklärung betreiben.

Egal ob Onlinekauf-Lieferschein, glänzender Produktkatalog oder brauner Karton. Bei uns landet alles, das im weitesten Sinn mit Papier zu tun hat, in einer gesonderten Tonne.

Wenn der Müllwagen deren Inhalt bei der Recycling-Firma abgeladen hat, liegt dementsprechend dort erst mal ein großer Berg Mischmaterial.

Artikelbild

fotolia.com, Industrieblick

Würde man das gleich aufbereiten, käme ein schmutzig-braunweißes Papier heraus, das kaum nutzbar wäre. Daher erfolgt das Recycling in mehreren Schritten:

2. Kunststoff

In der Theorie ist Kunststoff ein grandios recycelbares Material, denn es kann sehr häufig recycelt werden, ohne dass es Qualitätseinbuße gibt.

Tatsächlich ist Kunststoffrecycling jedoch auch der große Knackpunkt. Denn von den 21,8 Millionen Tonnen Kunststoff, die 2017 bei uns produziert wurden, waren nur 1,76 Millionen Tonnen recyceltes Material.

Fast die doppelte Menge wurde „energetisch verwertet“. Ein Euphemismus für „Verbrannt“. Der Rest wird zudem exportiert, etwa nach China – wo er zwar auch recycelt werden kann, aber nicht zwingend muss.

Woran liegt das? Es gibt 14 Hauptgruppen der Kunststoffe. Sie alle werden im gelben Sack durcheinandergeworfen und sind zudem selbst innerhalb einer Gruppe oft unterschiedlich – etwa durch Färbung oder einen mehr oder weniger hohen Anteil von Weichmachern.

Diese Vielfältigkeit macht es unheimlich aufwendig und teuer, Kunststoffe so sortenrein zu trennen, dass sich ein Recyclingprodukt mit konstanten Eigenschaften herstellen lässt.

Daher ist die Verbrennung die leider momentan häufig wirtschaftlichste Lösung – weil Kunststoffrecycling durch den Aufwand vielfach teurer ist als die Neuproduktion; erst recht bei niedrigen Ölpreisen.

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fotolia.com, Pavel

Doch wie sieht denn ein optimales Recycling dieser 1,76 Millionen Tonnen aus?

Sortenreine Kunststoffe können dann einfach durch Wärme geschmolzen und durch die diversen Kunststoff-Produktionsverfahren direkt zu neuen Materialien gemacht werden.

Bei Mischstoffen kann indes versucht werden, sie durch chemische Verfahren wieder in ihre petrochemischen Urzustände zurückzuversetzen – bloß ist das eben noch teurer und benötigt noch mehr Energie.

Artikelbild

fotolia.com, golubovy

3. Batterien

Batterie ist nicht gleich Batterie. Neben der Einteilung in „normale“ Batterien und Akkus kommt auch noch hinzu, dass in beiden Gruppen unterschiedliche Verfahren mit unterschiedlichen Materialien zum Einsatz kommen.

Das lässt sich durch einen Blick auf die aufgedruckte Symbolik jedes Stromspeichers erkennen. Steht da beispielsweise „Pb“, bedeutet das, dass die Batterie mehr als 0,004 Masseprozent Blei enthält. Zudem steht da auch das Kürzel, welches auf die Art der Batterie Hinweise gibt – etwa NiCd für einen Nickel-Kadmium-Akku.

Abermals besteht hier das Problem darin, dass gleich aussehende Batterien unterschiedlichster Systeme gebündelt gesammelt werden, beispielsweise in den Boxen, die in Supermärkten stehen.

Doch auch hier gibt es wieder den Idealweg, das sogenannte SORBAREC-Röntgenverfahren. Dieses System kann durch Röntgen-Durchleuchtung Batterien nach ihrem chemischen Aufbau sortieren und so dafür sorgen, dass Sortenreinheit gewährleistet wird.

Wie die jeweilige Batterie recycelt wird, hängt jedoch von ihrer Bauart ab:

Der Vorteil ist, dass all diese Verfahren, so energieintensiv sie auch sind, sehr reine Recyclingmaterialien hinterlassen. Und alles, was an Reststoffen übrigbleibt, wird in der Stahlherstellung verwendet.

Bedeutet also: Batterie-Recycling führt nur teilweise zu neuen Batterien, aber zu einem hohen Gesamt-Recyclinggrad.

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fotolia.com, blende11.photo

Ganz gleich ob Ravioli-Dosen oder Metalldeckel von Einmachgläsern im gelben Sack oder Getränkedosen, die über das Dosenpfandsystem auf anderem Weg entsorgt wurden. Was Metall anbelangt, können wir auf einen sehr ausgereiften Recyclingprozess blicken:

Übrig bleiben dann hochreine Materialien, die entweder zu großen Barren gegossen werden, welche dann für neue Metallprodukte zur Verfügung stehen, oder aber ohne diesen Zwischenschritt gleich weiterproduziert werden.

Dabei sind Dosen deshalb eines der besten Recycling-Materialien, weil sie sich unbegrenzt häufig wiederverwenden lassen, ohne dass es zu Einbußen in der Qualität des neuen Produkts kommt.

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fotolia.com, umwelttrenz

Allen bisherigen Stoffen gemein war, dass Recycling bei ihnen immer bedeutet, dass sie durch mehr oder weniger aufwendige Schritte wieder in ihre Ursprungsmaterialien zurückverwandelt werden müssen.

Beim Glas hingegen ist das nur eine Option von zweien, denn es gibt natürlich Ein- und Mehrwegflaschen. Sie unterscheiden sich darin, wie recycelt wird:

Mehrwegflaschen:

Übrig bleibt eine blitzsaubere Flasche, die direkt neu befüllt werden kann.

Einwegflaschen:

Dann wird es abermals heiß: Die Scherben werden in einem Hochofen eingeschmolzen und dann in mehreren maschinellen Schritten wieder zu Flaschen gemacht – bei Weißglas besteht zudem auch die Option, es zu Fensterscheiben und Ähnlichem zu machen.

Was unser Verbraucherverhalten hinsichtlich des Wegwerfens anbelangt, kann man die Deutschen durchaus loben. Allerdings bedeutet Recycling immer, dass Geld und Energie investiert werden müssen, selbst wenn das Verfahren noch so perfekt funktioniert.

Der beste Müll ist nach wie vor der, der gar nicht erst produziert wird. Und da gibt es bei uns allen noch viel Nachholbedarf – der bei einwandfreier Ausführung auch den Vorteil hätte, dass die Verfahren, die verbesserungswürdig sind, sorgsamer durchdacht werden können, als wenn Millionen von Müll-Tonnen eilig auf Recycling warten.

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