Schnelligkeit in den Weiten der Savanne
Der tägliche Überlebenskampf in der Savanne Afrikas machte sie zum schnellsten und zum zweitschnellsten Tier: Gepard und Gazelle. Den Körperbau des schnellen Jägers und einen großen Teil des Jagdverhaltens der Eltern erben kleine Geparde über ihre Gene. Das erscheint zunächst nicht ungewöhnlich oder besonders spannend. Der genetische Code wird jedoch nicht eins zu eins an den Nachwuchs weiter gegeben: Er wird von Generation zu Generation verbessert! Die Natur feilt also stets am schnittigen Jäger.
Krieg der Gene
Trotz der Verbesserung des genetischen Codes wird der Gepard (Acinonyx jubatus) nie der absolut perfekte Jäger werden. Denn seine zierlichen „Opfer“ machen ihm einen Strich durch die Rechnung, indem auch sie ihre Gene stets auf den neuesten Stand bringen. Jede genetische Verbesserung bekommt sozusagen eine genetische Antwort von der Gegenseite. Der „Krieg der Gene“ passt die „Waffen“ der Kontrahenten immer wieder an den Überlebenskampf an.
Dies ist ein Phänomen, das es in der ganzen Tierwelt gibt. Denn Körperform und Verhalten entwickelten sich aus der Notwendigkeit zu jagen oder dem Jäger zu entkommen. Durch den dauernden Druck ihrer Feinde wurde die Gazelle zu einem äußerst flinken und aufmerksamen Tier, das es dem Gepard trotz seines ständigen „Gentuning“ schwer macht, es zu erwischen.
Der schnellste Läufer unter den Säugetieren
Der Gepard erreicht über kurze Distanzen eine Geschwindigkeit von 100 Stundenkilometern und ist damit der schnellste Läufer unter den Säugetieren. Seine hohen Beine mit hundeartigen Pfoten und Krallen, die stumpf und nicht einziehbar sind, sowie der schmächtige Rumpf sind Anpassungen an die Jagdweise des Geparden, der Gazellen in rasendem Lauf erbeutet. Der Gepard ist ein so genannter Hetzjäger. Er schleicht sich auf 20 bis 100 Meter an seine Beute heran, hetzt sein Opfer in schnellem Lauf und schlägt es dann mit den Vorderpfoten nieder. Da die Raubkatze in geradem Lauf den Gazellen, die etwa 75 Stundenkilometer schaffen, überlegen ist, heißt deren taktische Antwort: Hakenschlagen. Neben Gazellen gehören auch kleinere Antilopen, Nagetiere und Vögel zur Nahrung des Geparden.
Zeitlupentempo in Südamerika
Während Gepard und Gazelle & Co. durch den weiten Lebensraum Savanne hetzen, kann andere Zeitgenossen jenseits des Atlantiks so gut wie nichts aus der Ruhe bringen: die Faultiere. In Nordbrasilien, Guayana und Surinam bewegt sich das Zweizehenfaultier (Choloepus didactylus) im Zeitlupentempo durchs Geäst. Dank seiner langsamen Bewegungen fällt es weniger auf als andere Tiere. Es kann auf diese Weise den Angriffen von Adlern entgehen, die zu seinen größten Feinden zählen.
Mit dem Scheitel auf dem Bauch
Faultiere bewegen sich immer mit dem Bauch nach oben und dem Rücken nach unten. Die evolutionäre Folge: Der Scheitel eines Faultiers verläuft auf dem Bauch und nicht wie normalerweise bei Säugetieren entlang der Wirbelsäule. Auf diese Weise kann der Regen der häufigen Tropengewitter recht gut abfließen.
Ein Schachzug der Evolution
Das Zweizehenfaultier und das in Costa Rica lebende Dreizehenfaultier (Bradypus tridactylus) vermeiden einen anstrengenden Nahrungswettbewerb. Sie ernähren sich äußerst genügsam von Blättern, die nur die wenigsten anderen Tiere verdauen können, ein recht geschickter Schachzug der Evolution. Die sehr kalorienarme Kost macht es den Faultieren aber unmöglich, größere Energiereserven anzulegen. Bis so ein Faultiermagen gefüllt ist, vergehen viele Stunden. Daher ist es nur zu gut, dass alles, was Faultiere zum Leben brauchen, sozusagen in greifbarer Nähe wächst.
Tai Chi im Regenwald
Dank seiner äußerst langsamen Bewegungen kann das Faultier den Angriffen seines Hauptfeindes entgehen, der Harpyie (Harpia harpyja ). Gegen diesen großen und sagenumwobenen Adler mit einer Flügelspannweite von bis zu 240 Zentimetern hat ein Faultier keine Chance. Entdeckt es der Adler, „pflückt“ er es kurzerhand vom Baum.
Gegen andere Feinde, die das Faultier angreifen, kann es seine scharfen Krallen durchaus als gefährliche Waffen einsetzen - doch sicherlich etwas langsamer als andere Krallenträger dies tun. Außerdem sind Faultiere im dichten Dschungel gut getarnt, denn in ihrem Fell gedeihen Algen. Sie verleihen ihnen in der Regenzeit eine grüne Tarnfarbe und lassen sie mit dem Dschungel verschmelzen.
Schleimig, hungrig und extrem langsam
Faultiere erreichen am Boden Spitzengeschwindigkeiten von 0,146 Kilometern pro Stunde. Damit sind sie wahre Ferraris gegen die Feinde aller Gartenbesitzer, die gefräßigen Schnecken. Mit sagenhaften 0,00324 Stundenkilometern “donnern“ sie bei uns im Schnitt durch ihren Lebensraum - darunter die Spanische Wegschnecke (Arion lusitanicus), die Große Wegschnecke (Arion rufus) und die allbekannte und wohl schmeckende Weinbergschnecke (Helix pomatia).
Schnecken sind meist nachts wenn es dämmert oder bei feuchter Witterung unterwegs. Sie besitzen eine durchlässige Haut, die von Drüsenschleim umgeben ist und müssen ständig Feuchtigkeit aufnehmen, damit sie nicht austrocknen. Wasserverlust und Hitze sind ihre größten Feinde.
Zwei Nullen hinter dem Komma scheinen schon eine rekordverdächtige Geschwindigkeit im Reich der „Schleicher“. Doch ein anderer Vertreter des Tierreichs kann dies noch übertreffen. Mit einer durchschnittlichen Geschwindigkeit von 0,000576 Kilometern pro Stunde sind die Seesterne sicherlich das Langsamste, das einem vor die Füße beziehungsweise „Flossen“ laufen kann.

