So sieht die perfekte Fußballmannschaft aus
Natur & Umwelt

So sieht die perfekte Fußballmannschaft aus

Bild: Foto: GeorgDerReisende, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Das Ziel einer Fußball-Mannschaft und ihres Trainers ist klar: gewinnen. Doch wie gelingt das am besten? Wichtigen Input können hier Wissenschaft und Forschung liefern, denn sie beschäftigen sich schon seit langem mit den Erfolgsgeheimnissen des Fußballs. Relevant sind dabei alle möglichen Disziplinen von Mathematik über Biologie und Statistik bis hin zu Psychologie und Physik. Sie können uns auch verraten, wie wissenschaftlich betrachtet die perfekte Mannschaft aussieht.

Das Ziel einer Fußball-Mannschaft und ihres Trainers ist klar: gewinnen. Doch wie gelingt das am besten? Wichtigen Input können hier Wissenschaft und Forschung liefern, denn sie beschäftigen sich schon seit langem mit den Erfolgsgeheimnissen des Fußballs. Relevant sind dabei alle möglichen Disziplinen von Mathematik über Biologie und Statistik bis hin zu Psychologie und Physik. Sie können uns auch verraten, wie wissenschaftlich betrachtet die perfekte Mannschaft aussieht.

Wie sieht der perfekte Stürmer aus?

Fangen wir damit an, was einen optimalen Stürmer ausmacht. Schließlich schießt dieser im Idealfall viele Tore und verhilft der Mannschaft so zum Sieg. Damit ihm das gelingt, braucht er zunächst einmal ein hohes Maß an körperlicher Fitness. Denn im Schnitt muss ein Spieler alle 90 Sekunden einen anstrengenden Sprint hinlegen. Wenn es ihm gelingt, sich möglichst schnell wieder davon zu erholen und für die nächste Sprinteinlage bereit zu sein, dann hat er auch das Potenzial zum Topspieler. Das geht zumindest aus einer Studie hervor, in der Spieler verschiedener Ligen ihr Sprinterkönnen beweisen sollten.

„Die Zweitligaspieler benötigten deutlich länger, um sich nach der maximalen Anstrengung zu erholen“, berichtet Studienleiter Francisco Calderón Montero von der Complutense Universität inMadrid. „Nach 90 Sekunden Erholung hatten sie einen höheren Sauerstoffverbrauch und eine höhere Herzrate als die Erstligaspieler und auch nach 180 Sekunden waren die Unterschiede noch klar erkennbar.“

Doch nicht nur der Körper eines Topstürmers muss fit sein, sondern auch sein Geist. Besonders wichtig: schnelle, taktisch kluge Entscheidungen treffen wie „Gebe ich den Ball ab oder dribbele ich lieber selbst?“ oder „Wohin schieße ich den Pass am besten und wann?“ Tatsächlich ist es wissenschaftlich belegt, dass gute Spieler eine extrem kurze Reaktionszeit haben und sich ihre Hirnaktivität auch sonst von weniger erfahrenen Fußballern unterscheidet. Das verleiht ihnen ein hohes Maß an sogenannter „Spiel-Intelligenz“, die wiederum zum Erzielen möglichst vieler Tore essenziell ist.

Wie sieht der perfekte Torwart aus?

Doch selbst der beste Stürmer nutzt nur wenig, wenn gleichzeitig der Torwart einer Mannschaft keinen einzigen Ball hält. Deshalb sind auch die besonderen Fähigkeiten von Spitzen-Torhütern bereits ausführlich wissenschaftlich untersucht worden. Unter anderem zeigte sich dabei, dass Manuel Neuer und Co. einzelne Reize erheblich trennschärfer wahrnehmen können als der durchschnittliche Mensch.

Das hilft den Torhütern zum Beispiel dabei, den Anblick des heranfliegenden Balles und das Geräusch des Kickens getrennt voneinander im Gehirn zu verarbeiten und so zum optimalen Hechtsprung anzusetzen. Ob ein Torwart allerdings bereits mit dieser herausragenden Reizverarbeitung geboren wird oder ob er sie im Laufe seines Trainings erwirbt, ist noch unklar.

Wie lautet die perfekte Spieler-Mischung?

Nimmt man all diese Erkenntnisse zusammen, könnte man vermuten, die perfekte Mannschaft bestünde aus elf Ausnahmetalenten. Aber interessanterweise verderben im Fußball viele Drei-Sterne-Köche den Brei, wie Statistiker herausgefunden haben. Zwar verbessern Fußball-Stars wie Ronaldo, Messi oder Mbappé bis zu einem Mannschaftsanteil von 60 Prozent das Abschneiden ihres Teams. Nimmt die Menge an Spitzenspielern jedoch überhand, wird die Mannschaft insgesamt wieder schlechter.

Das Phänomen könnte sich mit den Auswirkungen der Top-Spieler auf das Teamplay einer Mannschaft erklären lassen. Denn die häufig mit großem Ego gesegneten Fußball-Stars kommen sich ab einem gewissen Punkt stärker gegenseitig in die Quere statt miteinander zu kooperieren. „Wenn Teammitglieder stark aufeinander angewiesen sind, ist es daher besser, eine Mischung aus Superstars und normalen, guten Spielern zu wählen“, erklären Roderick Swaab von der Europäischen Business School INSEAD in Fontainebleau und sein Forschungsteam.

Bleibt nur zu hoffen, dass auch unser EM-Kader aus genau der richtigen Spielermischung besteht und Deutschland im Turnier möglichst weit bringt.

Weitere Artikel auf wissenschaft.de

Mehr aus Natur & Umwelt

Weitere aktuelle Artikel aus der Rubrik Natur & Umwelt.

Alle Natur & Umwelt-Artikel
Der Ozean kommt außer Atem: Warum unser größter Klimapuffer schwächelt
Natur & Umwelt

Der Ozean kommt außer Atem: Warum unser größter Klimapuffer schwächelt

29. Oktober 2026

Der Ozean hat fast 30 Prozent des CO2 geschluckt, das wir je emittiert haben – doch durch die Erderwärmung nimmt er bereits sechs Prozent weniger auf als möglich. Was dieser versteckte Kipppunkt für uns bedeutet.

Rechtspersönlichkeit für Ökosysteme: Mar Menor klagt in Spanien
Natur & Umwelt

Rechtspersönlichkeit für Ökosysteme: Mar Menor klagt in Spanien

23. Oktober 2026

Die spanische Lagune Mar Menor hat seit 2022 Rechtspersönlichkeit – als erstes Ökosystem Europas. Felix Aiwanger vom Max-Planck-Institut erklärt, wer künftig klagen könnte und wie Deutschland im internationalen…

Hummelähnliche Insektenart nach 150 Jahren in Frankreich wiederentdeckt
Natur & Umwelt

Hummelähnliche Insektenart nach 150 Jahren in Frankreich wiederentdeckt

21. Oktober 2026

Eine hummelähnliche Insektenart, die seit rund 150 Jahren in Frankreich als verschwunden galt, wurde im Raum Paris erneut gesichtet. Forschende sehen den Fund als Beleg für eine globale Taxonomie-Krise.

Wie die Ölindustrie den Zweifel am Klimawandel erfand
Natur & Umwelt

Wie die Ölindustrie den Zweifel am Klimawandel erfand

19. Oktober 2026

Ein neuer Bericht dokumentiert, wie fossile Konzerne systematisch Desinformation über die menschengemachte Erderwärmung verbreiteten. Klimaforscher Stefan Rahmstorf empfiehlt die Lektüre dringend.

← Zurück zu Natur & UmweltZur Startseite