Auch wenn es naheliegend scheint: Mit dem gleichnamigen Nagetier hat der "Siebenschläfertag" nicht viel zu tun. Stattdessen leitet sich diese Bezeichnung von einer alten Legende ab. Nach dieser wurden sieben Brüder im Rom des 3. Jahrhunderts als Christen verfolgt und schließlich in einer Höhle in Ephesos, in der heutigen Türkei, eingemauert. Statt zu wie vorgesehen sterben, sollen sie dort 195 Jahre lang geschlafen haben, um dann unversehrt wieder aufzuwachen.
Zehn Tage zu früh
Aber nicht nur der Namensursprung sorgt für Verwirrung. Auch der Siebenschläfertag selbst liegt heute eigentlich falsch. Denn wenn man Prognosen für das Sommerwetter abgeben will, sollte man eher am 7. Juli gen Himmel schauen. Schuld an dieser Verschiebung die gregorianische Kalenderreform im Jahr 1582. Im Zuge dieser Reform wurden zehn Tage ersatzlos gestrichen, dadurch verschoben sich die Daten gegenüber dem Sonnenjahr. Weil aber die Bauernregeln nicht angepasst wurden, blieb der Siebenschläfertag auf dem 27. Juni.
Die Großwetterlage entscheidet
Grundsätzlich ist aber ohnehin weniger der spezifische Tag entscheidend, als vielmehr die Großwetterlage in der Zeit Ende Juni/Anfang Juli. Hat sich zu diesem Zeitpunkt ein stabiles Hochdruckgebiet etabliert, stehen die Chancen für einen freundlichen Juli gut. Denn dann lenkt dieses Hoch die von Westen heranziehenden Tiefs um Mitteleuropa herum – und wir bleiben von Kälte und Schmuddelwetter verschont.
Die Trefferquote für Prognosen des Sommerwetters auf Basis der Siebenschläferzeit ist dabei gar nicht so schlecht: Immerhin zu 60 bis 80 Prozent gibt das Wetter am Anfang Juli einen Vorgeschmack auf die folgenden Wochen. Nach Angaben von Meteorologen gilt diese Trefferquote der Siebenschläfer-Prognose vor allem für Süddeutschland. Im Norden ist die Übereinstimmung deutlich geringer.
Sieben Monate Winterschlaf
Dem Siebenschläfer (Glis glis) ist das alles jedoch ziemlich egal. Denn für das rund 15 Zentimeter lange und 100 Gramm schwere Nagetier beginnt jetzt die Paarungszeit. Der einem grauen Eichhörnchen ähnliche Siebenschläfer sucht daher jetzt nach einer geeigneten Partnerin. Das aber ist nicht ganz leicht, denn diese einst häufige Tierart ist bei uns inzwischen selten geworden. In Norddeutschland ist sie sogar vom Aussterben bedroht. Kaum vorstellbar, dass der Siebenschläfer noch zu Zeiten der Römer und Jahrhunderte danach als leckere Speise galt.
Den Namen Siebenschläfer hat der kleine Nager von seinem monatelangen Winterschlaf: Von September bis in den Mai hinein verkriecht sich der Siebenschläfer in einer selbst gegrabenen Erdhöhle und geht in den Ruhezustand: Sein Herzschlag verlangsamt sich von 300 auf nur noch fünf Schläge pro Minute und seine Körpertemperatur fällt auf nur fünf Grad. In diesem Sparmodus zehrt der Nager von seinen Fettreserven und benötigt auch nur wenig Sauerstoff zum Atmen.
Rumoren auf dem Dachboden
Doch genau diese alljährliche Ruhepause wird für den Siebenschläfer zunehmend zum Problem: Er findet immer weniger Orte, wo er ungestört seine Höhle graben und in ihr überwintern kann. Auch die Lebensräume, in denen sich der Nager den Rest des Jahres am liebsten aufhält, werden bei uns immer knapper. Denn der Siebenschläfer bevorzugt ausgedehnte Laub- und Mischwälder mit alten Eichen und Buchen. Ihre Samen helfen ihm vor allem im Herbst, sich den nötigen Winterspeck anzufressen.
Einige Siebenschläfer haben aber auch unsere Umgebung als Lebensraum für sich entdeckt. So suchen sie gerne in Vogelhäuschen, Scheunen oder Dachböden Unterschlupf oder ziehen dort ihre Jungen groß. Wer daher nachts über sich ein Rumoren hört, der hat vielleicht einen solchen Untermieter der tierischen Art.

