Die Planungen
Ursprünglich hatten die Firmen North American Rockwell und McDonnell Douglas an einem zweistufigen, in beiden Stufen bemanntes und wieder verwertbares System gearbeitet. Diese Stufen sollten sich nach dem gemeinsamen Start von der Rampe nach etwa 40 Kilometern Flug trennen, die eine wie ein Flugzeug landen und die andere in den Orbit eindringen. Auch der Orbiter, so der Plan, sollte nach seinem Flug wieder auf die Erde schweben. Das Konzept hätte funktionieren können, doch erwiesen sich die Entwicklungskosten von bis zu zwölf Milliarden Dollar als so gigantisch, dass die NASA auf ein nur teilweise wieder verwertbares System umschwenkte. Die Entwicklung des eigentlichen Space-Shuttles kostete etwa die Hälfte.
Bei dem bislang einzigen wieder verwendbaren Transporter für Flüge ins All denkt jeder sofort an die markanten dreieckigen Deltaflügel am Heck. Sie und auch die große Ladebucht hat das Space Shuttle der Kostenbeteiligung durch Air Force und CIA zu verdanken. Denn die bestanden auf eine möglichst hohe Nutzlast, um große Spionagesatelliten ins Alle zu transportieren. Das konnte das ursprünglich viel kleiner geplante Shuttle nicht leisten.
Das Space Shuttle
Das noch verwendete Space Shuttle ist ein System aus Raumfähre, externem Tank und Feststoffraketen. Während der externe Zusatztank in der Erdatmosphäre verglüht, fallen die Feststoffraketen an Fallschirmen ins Wasser und werden von Spezialschiffen geborgen. Nur der Orbiter kehrt als Gleiter zur Erde zurück.
Gestartet wird vom Kennedy Space Center bei Cape Canaveral in Florida, und zwar senkrecht. Drei Haupttriebwerke am Heck der Raumfähre, die sechs Sekunden vor dem Abheben gezündet werden, sorgen für den notwendigen Schub, gesteuert wird der Shuttle dabei durch Computer. Zunächst geht es eher gemächlich los, denn es dauert acht Sekunden bis die Triebwerke das Shuttle auf 161 Stundenkilometer beschleunigt haben. Nach einer Minute geht es schon mit 1609 Stundenkilometern dahin. Bis dahin werden ein halbe Million Pfund Treibstoff verbraucht. Nach zwei Minuten erreicht die Raumfähre in einer Höhe von 45 Kilometern eine Geschwindigkeit von 4828 Stundenkilometern. Zu diesem Zeitpunkt sind die Feststoffbooster ausgebrannt und werden abgeworfen. Nach achteinhalb Minuten trennt sich das Shuttle auch von seinen externen Zusatztanks.
Ist die Raumfähre im Orbit angekommen, schwenkt sie in eine elliptische Umlaufbahn ein. Hier werden die Haubtriebwerke abgeschaltet, auf der stabilen Umlaufbahn sind nur mehr die Manövriertriebwerke nötig. Jetzt kann der eigentliche Auftrag beginnen, meist sind Menschen, Satelliten oder Bauteile zu transportieren und zum Beispiel zu einer Weltraumstation zu bringen. Wenn das Space Shuttle wieder in die Erdatmosphäre eintritt, wird es durch spezielle Hitzeschutzkacheln vor den extremen Wärmeeinwirkungen und der Reibungshitze geschützt. Doch insbesondere diese Kacheln erwiesen sich immer wieder als Manko des Systems, denn NASA-Ingenieure fanden nach den Landungen immer wieder beschädigte Kacheln oder stellten fest, dass solche verloren gegangene waren. Das Besondere bei der Landung der Raumfähre ist der Gleitflug, der antriebslos vollbracht wird.
Zum ersten Flug ins All startete am 2. April 1981 die "Columbia". Zwei Tage später landete sie auf der Edwards Air Force Base. Die "Columbia" hatte insgesamt 28 Einsätze, beim letzten ereignete sich eine der beiden schweren Katastrophen der Space Shuttle-Geschichte. Beim Wiedereintritt am 1. Februar 2003 brach der Orbiter auseinander und verglühte teilweise. Alle sieben Astronauten an Bord starben. Bereits 1986 wurde die Raumfahrt durch ein Unglück mit einem Space Shuttle überschattet: am 28. Januar explodierte die "Challenger" aufgrund defekter Dichtungsringe kurz nach dem Start. Insgesamt wurden fünf raumflugfähige Shuttles gebaut, die "Discovery" hatte ihren ersten Flug 1984, die "Atlantis" ein Jahr später und die "Endeavour" startete erstmals 1992 ins All.




