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Spieltrieb – der Mensch als "Spieltier"
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Allgemein

Spieltrieb – der Mensch als "Spieltier"

Auch wenn alle Säugetiere gern spielen – das Verhältnis des Menschen zum Spiel ist ein ganz besonderes. Friedrich Schiller brachte es folgendermaßen auf den Punkt: "Der Mensch spielt nur, wo er in der vollen Bedeutung des Worts Mensch ist, und er ist nur da ganz Mensch, wo er spielt." Vielleicht liegt der scheinbare…
Veröffentlicht
26. Februar 2022
Lesezeit
3 Minuten
Rubrik
Allgemein

Spielregeln

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Auch wenn alle Säugetiere gern spielen – das Verhältnis des Menschen zum Spiel ist ein ganz besonderes. Friedrich Schiller brachte es folgendermaßen auf den Punkt: "Der Mensch spielt nur, wo er in der vollen Bedeutung des Worts Mensch ist, und er ist nur da ganz Mensch, wo er spielt." Vielleicht liegt der scheinbare Widerspruch im Wesen des Spiels selbst begründet, schließlich herrschen in jedem Spiel merkwürdige Beziehungen zwischen Freiheit und Unterwerfung: Einerseits wirkt Spielen befreiend, weil es Fluchten aus dem Alltag ermöglicht; andererseits gelingt ein Spiel nur dann, wenn man sich seinen spezifischen Regeln unterwirft. Kein Wunder, dass für den Spieleautor Wolfgang Kramer, mehrfach ausgezeichnet mit dem 'Spiel des Jahres' und dem 'Deutschen Spiele Preis', Spielmaterial und Spielregel untrennbar zusammengehören: "Die Spielregeln sind die Grenzen und das Herz eines Spiels. Sie beziehen sich nur auf das Spiel und existieren nie außerhalb des Spiels." Deshalb zählt für Kramer das Spielen mit Puppen, Eisenbahnen oder Kaufmannsläden nicht zu den Spielen im engeren Sinn - eben weil hier keine spezifischen Regeln gelten.

Kulturelle Kampfeslust

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Passionierte Puppenmütter und Modelleisenbahner würden an dieser Stelle empört widersprechen. Mit Recht. Schließlich gibt es neben Kramers sehr eng gefasstem Spielbegriff auch Alternativen. Der Historiker Johan Huizinga zum Beispiel leitet in seinem Buch 'Homo ludens. Vom Ursprung der Kultur im Spiel' von 1938 alle Kulturleistungen des Menschen aus dem Prinzip des kämpferischen Wettstreits her; angefangen bei Tanz, Musik und Dichtung über Religion und Rechtssystem bis hin zur Kriegsführung. Ein äußerst weit gefasster Spielbegriff, der seinerseits provoziert. Wobei die Zusammenführung von Spiel und Ritual - die sich hinter Huizingas Begriffsausweitung verbirgt - durchaus nicht abwegig ist, wie zahlreiche ethnographische Studien beweisen. Vor diesem Hintergrund ist die Assoziation von Religion und Spiel durchaus naheliegend, man denke nur an den Begriff der 'heiligen Spiele', an rituell höchst bedeutsame Handlungen, die den Charakter von Gottesdiensten annehmen. Und was die Nähe von Krieg und Spiel angeht, so spricht die Vielzahl der so genannten Kriegs- und Strategiespiele Bände. Zumindest wenn man mit Richard Rorty der Ansicht ist, dass das Spiel "eine metaphorische Beschreibung menschlichen Zusammenlebens" ist.

Verspielte Wissenschaft

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Mit am interessantesten ist deshalb die Frage nach dem Verhältnis von Spiel und Gesellschaft: welcher Art sind die bevorzugten Spiele, wie werden diese Vorlieben bewertet und was hat sich im Laufe der Zeit verändert? Für Soziologen ist es zum Beispiel durchaus kein Zufall, dass Gesellschaften, in denen körperliche Arbeit zusehends an Bedeutung verliert, sportliche Glanzleistungen verehren und dass im Hinblick auf Olympische Medaillen insbesondere jene Nationen die Ranglisten anführen, die vom protestantischen Arbeitseifer beseelt sind. Mit der Einordnung, Erforschung und Dokumentation von Spielen unterschiedlichster Ausprägung beschäftigt sich inzwischen eine ganze Reihe von Forschern, Fans und Institutionen. Stellvertretend seien genannt das Deutsche Spiele Archiv in Marburg, die Bibliothek Homo Ludens in Hamburg und das Institut für Spielforschung am Mozarteum in Salzburg. Teilweise milde belächelt von ihren Kollegen, die sich ernsthafteren Themen widmen, haben die so genannten Ludologen nur eines im Sinn: den Spieltrieb des Menschen. Weil Spiele zum kulturellen Erbe der Menschheit gehören.

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