Im Dezember hat der Tag eindeutig das Nachsehen: Im Durchschnitt nur rund acht Stunden lang ist es bei uns hell, die restlichen 16 Stunden aber regiert die Nacht. Und wenn die Sonne mal scheint, dann scheint sie kaum über den Horizont hinweg zu kommen: Höher als maximal 17 Grad über den Horizont schafft sie es auch mittags nicht. Nördlich des Polarkreises taucht unser Heimatstern sogar gar nicht auf, hier herrscht nun Dauerdunkel – die Polarnacht.
Wintersonnenwende: "Sieg über die Finsternis"
Aber das bleibt glücklicherweise nicht so: Die Wende kommt kurz vor Weihnachten, am 22. Dezember. Dieser Tag ist einerseits der dunkelste des Jahres, andererseits aber bringt er die Wintersonnwende. Ab diesem Tag werden die Tage wieder länger und die Nächste kürzer. Gleichzeitig wird der Bogen wieder größer, den die Sonne den Tag über am Himmel zu durchlaufen scheint. Jeden Tag steigt sie dann ein wenig höher hinauf.
Es ist daher kein Zufall, dass die Wintersonnenwende in fast allen frühen Kulturen gefeiert wurde: Der "Sieg der Sonne über die Finsternis" spielt in vielen Religionen eine wichtige Rolle. So errichteten schon die Menschen der Steinzeit Bauwerke, die nach den Sonnenwenden ausgerichtet waren – darunter das berühmte Stonehenge, aber auch das noch ältere Sonnenobservatorium von Goseck in Sachsen-Anhalt.
Bei den Römern galt die Wintersonnenwende seit dem vierten Jahrhundert sogar als offizieller Reichsfeiertag. Sie begingen diesen Tag als Geburtstagsfeier des "sol invictus" - der unbesiegbaren Sonne. DIe frühe Kirche legte den Termin für das Fest von Christi Geburt absichtlich auf diesen Tag, um die Bedeutung zu unterstreichen. Erst seit Einführung des gregorianischen Kalenders liegen beide Ereignisse nicht mehr auf dem gleichen Tag. Die Idee eines Geburtsfestes zur Wintersonnenwende ist übrigens ebenfalls keine Erfindung des Christentums: Im alten Ägypten wurde an diesem Tag das Fest der Göttin Isis und die Geburt des Horuskindes gefeiert.
Der Kopf des Stieres und das Wintersechseck
Etwa ab 22:00 Uhr abends leuchten am östlichen Himmel nun auch alle Wintersternbilder in voller Pracht: Der Orion mit seinem auffallenden Gürtel aus drei hellen Sternen geht gemeinsam mit seinen beiden Begleitern, dem Großen Hund und dem Kleinen Hund auf die Jagd. Über den Hunden steht das Sternbild der Zwillinge mit den beiden hellen Sternen Castor und Pollux, noch höher am Himmel schließt sich der Fuhrmann an.
Schräg über dem Orion leuchtet das markante Sternbild des Stieres mit seinem rötlichen "Auge", dem Stern Aldebaran. Mit seinem auffallenden V-förmigen Kopf scheint der Stier geradewegs auf den Orion zuzustürmen. Dieses helle "V" wird dabei vom offenen Sternenhaufen der Hyaden gebildet. Er liegt rund 150 Lichtjahre von uns entfernt und besteht aus rund 350 Sternen. Von diesen aber können wir mit bloßem Auge nur die sechs hellsten erkennen – sie bilden das markante "V".
Verbindet man die jeweils hellsten Sterne der Wintersternbilder, dann erhält man eine grob sechseckige Form – das Wintersechseck. Es besteht aus der Capella im Fuhrmann, dem roten Aldebaran im Stier, dem Rigel - er bildet das "Knie" des Orion, Dem Sirius im Großen Hund und dem Procyon im Kleinen Hund. Von den Zwillingen gehört nur der Pollux mit dazu. Die über dieses Sechseck verbundenen Sternbilder sind noch bis zum März am Nachthimmel zu sehen. Im Moment gehen sie erst in der zweiten Nachthälfte auf, im Laufe des Winters werden sie aber immer früher sichtbar sein.
Rendezvous am Morgen und Sternschnuppen
Wie schon in den letzten Wochen, tummeln sich am Morgen kurz vor der Dämmerung gleich mehrere Planeten am Himmel: Die Venus bildet im Südosten den leuchtenden Morgenstern, schräg rechts über ihr ist der rötliche Mars zu sehen. Am Morgen des 6. Dezember, passend zu Nikolaus, gibt es ein Stelldichein mit dem Mond: Die Mondsichel wandert ganz nach am Roten Planeten vorbei.
Etwa ab drei Uhr nachts steht auch der Gasriese Jupiter am Himmel. Er ist nach der Venus der zweithellste Planet und wird in den nächsten Wochen besonders gut zu beobachten sein. Frühaufsteher können schon mit einem kleinen Teleskop dabei zuschauen, wie die vier großen Jupitermonde den Gasplaneten umkreisen. Sogar die farbigen Bänder der Stürme auf den Jupiter lassen sich erkennen.
Der Dezember bringt außerdem gleich zwei Meteorschauer: Um den 14. herum haben die Geminiden ihren Höhepunkt und kurz vor Weihnachten, am 22.Dezember die Ursiden. Wer die Kälte nicht scheut, kann in diesen Nächten mit ein bisschen Glück zwischen 60 und 120 Sternschnuppen pro Stunde beobachten. Beide Schauer entsthen, weil die Erde zu diesen Zeiten durch die zurückgelassenen Staubwolken von Kometen fliegt. Der Staub verglüht in der Atmosphäre und lässt sie dabei aufleuchten.

