Die Sonne gewinnt im Mai mehr und mehr an Kraft und Höhe – und sie scheint immer länger. Im Laufe des Monats verkürzt sich dadurch die Zeit nächtlicher Dunkelheit auf Höhe Berlins von anfangs sechs auf nur noch vier Stunden. Viel Zeit für die Beobachtung der Sterne bleibt da nicht. Dennoch gibt es auch im Mai einiges am Nachthimmel zu sehen.
Sternschnuppen vom Halleyschen Kometen
Den Anfang macht der Meteorschauer der Eta-Aquariiden. Seine Sternschnuppen fallen noch bis zum 10. Mai besonders üppig, in dieser Zeit können 60 bis 80 davon pro Stunde niedergehen. Der Ursprung dieser Meteore ist der Halleysche Komet – ein Komet, der alle rund 75 Jahre wieder in Erdnähe kommt. Im Mai passiert die Erde die Überreste seines Staubschweifs und als Folge regnet es Sternschnuppen.
Die beste Zeit zur Beobachtung dieser Meteore ist der frühe Morgen vor Beginn der Morgendämmerung. Denn die meisten Sternschnuppen kommen scheinbar aus der Richtung des Sternbilds Wassermann – und das geht erst gegen zwei Uhr morgens auf. Zwar stört das Licht des noch relativ vollen Mondes Anfang Mai die Beobachtung der Meteore, dafür aber können einige Sternschnuppen wegen ihrer hohen Geschwindigkeit besonders helle und lange Lichtstreifen an den Himmel zeichnen. Sie sind daher trotz Mondlicht gut zu sehen. Zudem tauchen Sternschnuppen der Eta-Aquariiden den gesamten Monat hindurch immer wieder am Himmel auf.
Planeten: Rendezvous am Abendhimmel
Wer in der Abenddämmerung an den Himmel blickt, kann über dem Westhorizont einen hellen Lichtpunkt entdecken: die Venus. Unser Nachbarplanet leuchtet uns den gesamten Mai über als strahlender "Abendstern". Besonders lohnend ist der Blick nach Westen am 16. und 17. Mai. Denn dann steht die dünne Mondsichel ganz dicht an der hellen Venus – ein besonders schöner Anblick.
Während die Venus am Abend langsam untergeht, steigt ihr gegenüber, im Osten, der zweite helle Planet am Himmel auf: der Jupiter. Er leuchtet momentan besonders hell, weil er sich am 9. Mai in Opposition befindet – er steht von uns gesehen der Sonne genau gegenüber und wird daher voll von ihr angestrahlt. Gleichzeitig ist der Jupiter dadurch die gesamte Nacht hindurch sichtbar, er ist nach Mond und Venus der dritthellste Lichtpunkt am Nachthimmel. Günstig auch: Der Jupiter ist uns momentan besonders nahe: Sein Abstand liegt "nur" bei 660 Millionen Kilometern.
Auch in der Morgendämmerung können wir im Mai ein himmlisches Rendezvous beobachten: Am 5. Mai zieht der abnehmende Mond genau zwischen Mars und Saturn hindurch. Der Ringplanet Saturn steht dabei rechts vom Mond, der Mars links unterhalb des Erdtrabanten.
Sternbilder: Großer Bär und zwei Dreiecke
Jetzt im Mai strahlt das Frühlingsdreieck in voller Pracht. Dieses Gebilde aus den jeweils hellsten Sternen der Konstellationen Jungfrau, Bärenhüter und Löwe steht nun besonders hoch am Himmel. Unweit des Bärenhüters steht momentan auch der Große Wagen hoch im Zenit. Dadurch kann man jetzt die gesamte Konstellation, den Großen Bären, gut beobachten. Der "Wagenkasten" bildet den Rumpf des Bären, die "Deichsel" seinen Kopf und Ausläufer aus lichtschwächeren Sternen bilden Beine und Hinterteil des Bären.
Noch hat der Sommer zwar nicht begonnen, aber seine ersten Vorboten sind schon jetzt am Himmel zu sehen. Im Nordosten geht kurz vor der Morgendämmerung der helle Stern Wega im Sternbild Leier auf. Kurz darauf lugt bereits der Deneb aus dem Sternbild Schwan über den Horizont. Nun fehlt nur das Stern Altair aus dem Sternbild Adler, um das Sommerdreieck komplett zu machen. In wenigen Wochen wird dieses helle Dreigestirn schon hoch am Himmel stehen und den Sommer kennzeichnen.
Raumfahrt: Start der Mission Mars InSight
Ab dem 5. Mai startet die NASA eine in mehrfacher Hinsicht ungewöhnliche Mission zum Mars. Denn die Raumsonde "Mars Insight " wird die erste interplanetare Mission sein, die nicht von Cape Canaveral, sondern von der Westküste der USA aus startet. Eine der stärksten für Planetensonden verfügbaren Trägerraketen wird sie von Kalifornien aus ins All befördern. Geht alles glatt, wird InSight den Mars am 26. November 2018 erreichen.
Ungewöhnlich auch: Die Landesonde Insight wird die erste sein, die ein Seismometer auf einem fremden Planeten deponiert. Mit ihren insgesamt drei wissenschaftlichen Experimenten soll die Raumsonde endlich die Frage beantworten, wie es im Inneren des Roten Planeten aussieht. Ihre Daten könnte zudem wertvolle Informationen über die Entwicklung terrestrischer Planeten und damit auch unserer Erde liefern.

