Tomaten am Südpol: Das erste Gewächshaus der Antarktis
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Tomaten am Südpol: Das erste Gewächshaus der Antarktis

Bild: Foto: Bärbel Miemietz, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Es steht inmitten der Eiswüste der Antarktis, bei frostigen Minusgraden und beißendem Wind: das erste Gewächshaus der Antarktis. Seit März 2015 versorgt dieser speziell isolierte Kleingarten die Besatzung der chinesischen Great-Wall-Station täglich mit Tomaten, Gurken, grünem Pfeffer, Salat und verschiedenen Kräutern. Wir das funktioniert und wie es dazu kam, erzählt diese kleine Chronik.

Packeis, das sich knirschend durch das Wasser schiebt, beißend kalte Windböen, die über die Eisberge fegen, Temperaturen bis weit unter dem Gefrierpunkt: Solch extremen Wetterbedingungen sind nicht nur die Pinguine auf dem 62. Grad südlicher Breite ausgesetzt. Auch Wissenschaftler aus Ländern wie Chile, Russland oder China bleiben oft mehrere Monate in den Forschungsstationen des höchsten, trockensten, windigsten und kältesten Wüstenkontinents – und sehnen sich nach frischem Gemüse.

Eine Region, in der selbst im Sommer Temperaturen von weit unter -30 °C herrschen und eisige Winde über die Ebenen fegen, ist nicht gerade für den Gemüseanbau prädestiniert. Es sei denn, man findet ein Material, dem trockener Schnee, Sturmböen von bis zu 320 Kilometern pro Stunde und geringer Lichteinfall nichts anhaben können.

Oktober 2012: Suche nach dem Material

Um dem Bedarf der auf der König-Georg-Insel tätigen Forscher an frischem Gemüse nachzukommen und gleichzeitig die umständlichen Versorgungsflüge per Helikopter aus dem über 1.300 Kilometer entfernten Punta Arenas in Chile zu reduzieren, hat das Polar Research Institute of China den Gewächshausbauer Shanghai Dushi Green Co. damit beauftragt, ein Treibhaus zu bauen, das den widrigen Witterungsverhältnissen vor Ort standhält. Die Suche nach dem „perfekten“ Material beginnt.

Oktober 2014: Plexiglas® auf Reisen

Nach gut zwei Jahren entscheiden sich die Ingenieure schließlich für ein Plexiglas® -Material von Evonik in Essen, das bereits bei vielen Gewächshäusern in Europa, Nordamerika und auch Asien eingesetzt wurde. "Wir haben dabei sehr gute Erfahrungen gemacht", erklärt Weimin Wang, Betreuer des Projektes bei Evonik. "Plexiglas verfügt über eine hohe UV- und Witterungsbeständigkeit, die im ewigen Eis unbedingt nötig ist."

Rund 600 Quadratmeter Plexiglas® werden via Flugzeug schließlich nach Chile und von dort aus per Schiff auf die König-Georg-Insel transportiert. Allein diese Fahrt nimmt über zwei Monate in Anspruch, da sich der Frachter zum Ende der Reise zwischen Eisbergen, -schollen und Packeis durchkämpfen muss. Über 90 Prozent der weitläufigen Antarktis bestehen aus einem Eisschild, der damit die größte eigenständige Eismasse der Erde ausmacht.

Dezember 2014: Dem Wind trotzen

Endlich erreicht das Versorgungsschiff die Insel im Südatlantischen Ozean. Projektleiter Wang delegiert den Aufbau des Gewächshauses mit seiner Mannschaft. Nach nur sechs Wochen Arbeit in der Kälte und der Dunkelheit, die das Land von Juni bis Dezember beherrscht, sind die Stegplatten schließlich auf ein speziell entwickeltes Aluminiumprofil aufgebracht, das zur Verstärkung der Konstruktion genau auf die Geometrie des Materials abgestimmt wurde. So wird eine feste Verankerung der Stegplatten garantiert – nicht zu unterschätzen bei Stürmen, an die man sich anlehnen kann.

Februar 2015: Jeden Sonnenstrahl nutzen

Dass bei den vorherrschenden Wetterwidrigkeiten sowie der geringen Lichtintensität überhaupt Pflanzen wachsen können, liegt an der besonderen Beschaffenheit der Scheiben aus Plexiglas® Alltop: Es lässt die für die Pflanzen überlebenswichtigen Strahlen besonders gut durch. Denn als Faustregel im Gemüseanbau gilt: Ein Prozent mehr Licht sorgt für ein Prozent mehr Pflanzenwachstum.

Trotz der 16 Millimeter dicken Hohlkammerplatten, die für eine gute Wärmeisolierung sorgen, lassen die Gewächshaus-Scheiben immerhin noch 91 Prozent des Sonnenlichts nach innen durch. "Die hohe Lichtausbeute gewährleistet nicht nur ein schnelleres Wachstum der Kulturen, ein hoher UV-Anteil lässt Blütenfarben zudem intensiver werden", erläutert Wang. "Durch eine gute Wärmedämmung geht darüber hinaus kaum Energie verloren."

März 2015: Frische Tomatensuppe am Südpol

Auf 50 Quadratmeter stehen den chinesischen Wissenschaftlern der Great-Wall-Station seit einem halben Jahr nun täglich frische Tomaten, Gurken, grüner Pfeffer, Salat sowie verschiedene Kräuter zur Verfügung. Das Gemüse wurde von den Forschern, die sehr lange auf frische Kost verzichten mussten, begeistert angenommen. Sie haben das Glück, in einem frostigen Land, das von bizarren Mikroben beherrscht wird, heute eine Tomatensuppe mit frischem Pfeffer und Kräutern essen zu können.

"Es klingt mehr als abenteuerlich, wenn man bedenkt, dass wir es geschafft haben, Menschen in einem Land, in dem maßlose und extremste Dürre herrscht, mit frischem Gemüse zu versorgen", sagt der Projektleiter erfreut. Aufgrund des großen Erfolges des ersten Gewächshauses in der Antarktis ist bereits ein zweites Treibhaus in Planung. Dieses soll Wissenschaftlern auf einer der weiteren Forschungsstationen, der Zhangshan Research Station weiter im Inneren des riesigen Eiskontinentes, versorgen.

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