Wer eine Katze hält, der weiß es: Katzen besitzen einen ausgeprägten Jagdinstinkt. Da reicht schon ein am Fenster vorbeifliegender Vogel oder ein umhersummendes Insekt und schon ist die Katze auf Beutefang gepolt. Mit zuckendem Schwanz lauert sie dann auf eine Chance, das Objekt der Begierde zu erhaschen. Im Zweifelsfall kann sogar der Punkt eines Laserpointers oder ein simples Stück Seil mit einem Knoten die Attacken provozieren.
Fataler Sprung
Doch gerade jetzt im Sommer kann das fatal enden. Denn steht das Fenster offen oder die Tür zum Balkon, dann vergessen gerade Wohnungskatzen, dass unter ihnen ein Abgrund gähnt. Die Folge: Sie springen los und fallen im Extremfall mehrere Stockwerke tief. Aber auch ein plötzliches Geräusch kann die Katze erschrecken zur Flucht aus dem Fenster animieren. Am häufigsten kommt es in den Monaten Juni, Juli und August zu einem solchen Fenstersturz, wie Statistiken zeigen.
„So ein Sturz kann für Katzen glimpflich ausgehen. Häufig erleiden sie aber auch schwere Verletzungen“, so die Tierärztin Roswitha Steinbacher von der Veterinärmedizinischen Universität Wien. Sie rät daher allen Katzenhalterinnen und Katzenhaltern, jetzt im Sommer beim Lüften besonders vorsichtig zu sein. Allein in ihrer Klinik müssen jedes Jahr 70 bis 80 schwerverletzte Katzen nach so einem Sturz behandelt werden.
Katzen landen nicht immer auf den Beinen
Zwar sagt man Katzen nach, sie hätten neun Leben und würden immer auf allen Vieren landen, doch das stimmt leider nicht. „Dass Katzen immer auf den Beinen landen, ist nicht ganz richtig“, meint Steinbacher. „Es kommt dabei vor allem auf die Fallhöhe an." Bei zu niedriger Höhe landen die Tiere oft mit voller Wucht auf der Seite. Denn sie haben beim Fall nicht genügend Zeit, um sich in eine sichere Landeposition zu drehen.
Bei Stürzen aus größerer Höhe können Katzen ihre Körperposition zwar korrigieren und auf den Beinen landen. Aber diese können dem Aufprall oft nicht Stand halten, die Wucht des Aufpralls ist zu groß. Gefährlich kann es da schon ab einem Sturz aus dem zweiten Stock werden. Im Extremfall kann die Katze ihr Gewicht nicht mehr mit den Beinen abfangen und schlägt mit Kopf und Brustkorb auf dem harten Untergrund auf. Dabei kann es neben Brüchen auch zu Verletzungen der Lunge kommen.
Auch wenn nach einem Fenstersturz keine augenscheinlichen Verletzungen vorliegen, sollte die Katze unbedingt einem Tierarzt vorgestellt werden, rät die Expertin. Denn innere Verletzungen können auch noch Stunden oder Tage nach dem Unfall zu lebensbedrohlichen Situationen führen.
Achtung auch bei Kippfenstern
Auch Kippfenster können übrigens für Katzen zu gefährlichen Falle werden. Denn beim Versuch, nach draußen zu gelangen, rutschen sie ab und bleiben dann mit dem Hinterteil in dem enger werdenden Spalt hängen. Solcherart eingeklemmt, führen die Befreiungsversuche der Katze nur dazu, dass sie immer tiefer in den Spalt rutscht. Dabei klemmt sie sich die Blutzufuhr zu den Hinterbeinen ab, lebenswichtige Organe können gequetscht werden. "Das kann, je nach Dauer, zu lebensbedrohlichen Situation für die Katze führen", erklärt Steinbacher.
Die Expertin rät daher, Fenster im Sommer generell mit Schutzvorrichtungen zu sichern, beispielsweise Netzen oder Gittern. Sie betont: "Lassen Sie Ihre Katzen nie alleine, wenn Fenster gekippt oder ungesichert geöffnet sind."

