Verschwinden die Schäfer aus unserer Landschaft?
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Verschwinden die Schäfer aus unserer Landschaft?

Bild: Foto: Dietmar Rabich, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Das Schaf kann auf eine mehr als 10.000-jährige Geschichte als Nutztier zurückblicken. Wahrscheinlich gezüchtet in Asien, kam es bereits vor etwa 7.000 Jahren nach Europa. Und auch der Schäfer gilt heute als einer der ältesten Berufe der Welt. Doch während die Schäfer noch bis Anfang des 19. Jahrhunderts ihre Blütezeit erlebten und auch noch lange danach mit dem Verkauf von Fleisch, Wolle, Leder und Milch gut ihren Unterhalt verdienen konnten, steht es heute schlecht um diesen traditionsreichen Beruf.
Symbolbild Schafherde mit Schäfer auf Quad

SolStock, GettyImages

Das Schaf kann auf eine mehr als 10.000-jährige Geschichte als Nutztier zurückblicken. Wahrscheinlich gezüchtet in Asien, kam es bereits vor etwa 7.000 Jahren nach Europa. Und auch der Schäfer gilt heute als einer der ältesten Berufe der Welt. Doch während die Schäfer noch bis Anfang des 19. Jahrhunderts ihre Blütezeit erlebten und auch noch lange danach mit dem Verkauf von Fleisch, Wolle, Leder und Milch gut ihren Unterhalt verdienen konnten, steht es heute schlecht um diesen traditionsreichen Beruf.

Was genau macht ein Schäfer?

Wer heutzutage Schäfer werden will, braucht eine Ausbildung zum Tierwirt mit der Fachrichtung Schäferei. Man kann jedoch auch saisonal zur Weidezeit als einfacher Hirte im Auftrag des Schäfers und nicht als ausgebildeter Schäfer Schafe hüten. Die Aufgaben, die mit einer Schafherde auf einen zukommen, sind vielfältig und je nach Haltungsform sowie Jahreszeit verschieden.

In der klassischen Wanderschafhaltung, die die größte Bedeutung im Naturschutz besitzt und die es aber immer weniger gibt, ziehen die Schäfer mit ihren Hunden und Schafen umher. Die Tiere können sich frei bewegen und werden nur über Nacht eingezäunt. Hier ist es insbesondere wichtig, dass der Schäfer seine Schafe mit den Hunden richtig zu führen, aber auch die Flächen als Futterrationen richtig einzuschätzen weiß. Wanderschäfer verdienen ihr Geld meist mit der Gewinnung von Wolle und Fleisch sowie zunehmend mit der Landschaftspflege.

Ortgebundene Haltungsformen mit einem festen Stall eignen sich dagegen auch als Milchschäfereien. Hier steht die Gewinnung von Milch für die Produktion von Joghurt, Käse und Co. im Vordergrund.

Unabhängig von der Haltungsform müssen Schäfer sich mit allem zum Thema Schaf auskennen. Was zeichnet ein sattes und zufriedenes Schaf aus? Wie wählt man die richtigen Tiere zur Zucht aus und woran erkennt man überhaupt ein trächtiges Schaf? Auch die Schafgesundheit darf nicht vergessen werden. Ein Schäfer muss die ganze Herde stets gut im Blick behalten, Krankheiten frühzeitig erkennen und nicht zuletzt im Frühjahr zur Lammzeit unter Umständen bei den Geburt helfen. So hat sich bis heute nicht viel an den Aufgaben eines Schäfers geändert.

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Vom Aussterben bedroht

Doch die Zeiten für Schäfer sind heute hart, immer weniger Menschen können und wollen diesen Beruf ausüben. Gründe dafür gibt es viele. Zum einen kam es in den letzten Jahren zu einem starken Preisverfall von Wolle und Fellen, so dass Schäfer an deren Verkauf heute kaum noch etwas verdienen. Häufig liegen die Schurkosten über dem Verkaufspreis der Wolle und laut dem Bundesinformationszentrum Landwirtschaft (BZL) erzielen Schafhalter damit nur noch etwa zwei Prozent ihres Einkommens.

Größeren Anteil am Verdienst von Schafhaltern hat die Vermarktung von Lammfleisch, das sich in den letzten Jahren steigender Beliebtheit erfreut. Dennoch lässt sich auch hier nicht allzu viel erwirtschaften, da Lammfleisch in Deutschland nur in geringen Mengen verzehrt und zusätzlich, genau wie auch Wolle, aus anderen Ländern günstig importiert wird.

Deutsche Schafhalter sind daher auf staatliche Fördermittel angewiesen, die laut BZL weit über die Hälfte ihrer Gesamteinnahmen ausmachen können. Doch trotz Förderung sinkt die Anzahl an Schafe haltenden Betrieben stetig. Während es laut statistischem Bundesamt 1950 noch über 280.000 Betriebe mit Schafhaltung gab, waren es bereits 2000 nur noch knapp über 30.000 und 2021 nur noch 9.700 Betriebe. Extrem lange Arbeitszeiten und wenig Urlaub sorgen zusammen mit den finanziellen Schwierigkeiten dafür, dass der Nachwuchs fehlt und die Branche überaltert.

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Schafe als Landschaftspfleger

Sollten mit der Zeit tatsächlich die Schäfer mit ihren Schafen aus unserer Landschaft verschwinden, hätte das verheerende Folgen für unsere Umwelt. Aber warum eigentlich? Was macht die Schafe so wichtig? Dass Schafe zur Gewinnung von Wolle gehalten werden, weiß wohl jedes Kind. Ihr unschätzbarer Wert in der Landschaftspflege dagegen ist wahrscheinlich eher unbekannt. Denn die Weiden dienen den Schafen nicht einfach nur als Nahrung, die Tiere pflegen durch ihre Beweidung die Flächen auch auf unnachahmliche Weise.

Zum einen sorgen sie durch ihren "selektiven Verbiss" für Artenvielfalt und den Erhalt von Biotopen. Das bedeutet, Schafe fressen bevorzugt bestimmte Pflanzen und ermöglichen es so selteneren und konkurrenzschwächeren Pflanzen, sich auszubreiten. Oder sie meiden ganz bestimmte Gewächse, wie beispielsweise den Wacholder und tragen so zur Erhaltung von Biotopen wie den Wacholderheiden bei. Zudem verschonen sie, anders als die meisten Landmaschinen, die auf den Flächen lebenden Tiere wie Insekten oder Eidechsen und unterstützen durch die Verbreitung von Samen, die in ihrer Wolle oder an den Klauen hängen bleiben, die Artenvielfalt auf jeder neuen Fläche zu der sie kommen.

Neben dem selektiven Verbiss ist der sogenannte "goldene Tritt" der Schafe eine der Fähigkeiten, die sie so besonders nützlich und wertvoll macht. Durch ihr Gewicht beim Laufen können sie den Boden stabiler machen, was insbesondere zur Erhaltung der Deiche wichtig ist und in bergigen Regionen gegen ein Abtragen des Bodens an Hängen genutzt wird. Der Einsatz von Schafen ist besonders in Naturschutzgebieten von Vorteil oder dann, wenn die Flächen für große Maschinen zu unwegsam sind. Mit Schafen ließ sich die Zukunft für unsere Deiche und Heidelandschaften, aber auch der Artenvielfalt, für Schmetterlinge wie den Wiesenknopf-Ameisenbläuling, daher wesentlich einfacher sichern.

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