Von subjektiven Minuten und inneren Uhren
Natur & Umwelt

Von subjektiven Minuten und inneren Uhren

Bild: Foto: JoachimKohler-HB, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Die Zeit vergeht nicht immer gleich schnell

Die Zeit vergeht nicht immer gleich schnell

Die Sommerzeit-Winterzeitumstellung zeigt eigentlich, dass wir recht flexibel sind: Nach einigen Tagen ist bei den meisten Menschen das Gefühl vergangen, dass es früher/später ist, als die Uhr ihnen weismachen will. Bei aller Anpassungsfähigkeit, Pünktlichkeit und äußersten Konzentration gelingt es uns aber häufig trotzdem nicht, unseren Körper und unser Bewusstsein mit der “objektiven“ Standardzeit in Einklang zu bringen.

Immer wieder täuscht uns unsere Zeitwahrnehmung. Eine Minute ist eben nicht eine Minute! An der Bushaltestelle kommt uns eine Minute mindestens dreimal so lang wie im Lieblingskarussell vor - aber vielleicht nur halb so lang wie eine Minute in der Achterbahn. Wenn man einen unbekannten Weg zum ersten Mal geht, dauert das sehr lange. Beim nächsten Mal erscheint einem die Zeit, die man für die Strecke benötigt, schon viel kürzer.

Trotz Übung und Lebenserfahrung bleibt es äußerst schwierig, die objektive Länge einer Zeitspanne richtig zu bestimmen. Man sollte also meinen, dass wir hilf- und orientierungslos vom “Zeitstrom“ mitgerissen werden. Ein Trost ist immerhin, dass die Wissenschaft uns die Existenz einer “inneren Tagesuhr“ bestätigt. Deren Periodenlänge beträgt ungefähr 24 Stunden. Die Feinsteuerung funktioniert durch “Zeitgeber“, deren wichtigster das Licht ist.

Ein Problem moderner Menschen ist allerdings, dass sie nicht nach der inneren Uhr leben, wie z. B. Schichtarbeiter, die dadurch häufig über symptomatische chronische Beschwerden klagen. Ein weiteres Problem scheint zu sein, dass die Zeitgebung durch das Licht nicht mehr funktioniert. Unsere innere Tagesuhr registriert Lichtstärken von über 1000 Lux. Im Freien beträgt die Lichtstärke tagsüber mindestens 8000 Lux. Innenbeleuchtungen bieten aber nur 50 bis 500 Lux. Da sich die meisten Menschen hauptsächlich in Innenräumen aufhalten, leben sie nach den Messungen ihrer inneren Uhren überwiegend in “Finsternis“. Folgen sind Schlafstörungen, Schlaffheit und Depressionen.

Weitere Artikel auf wissenschaft.de

Mehr aus Natur & Umwelt

Weitere aktuelle Artikel aus der Rubrik Natur & Umwelt.

Alle Natur & Umwelt-Artikel
Der Ozean kommt außer Atem: Warum unser größter Klimapuffer schwächelt
Natur & Umwelt

Der Ozean kommt außer Atem: Warum unser größter Klimapuffer schwächelt

29. Oktober 2026

Der Ozean hat fast 30 Prozent des CO2 geschluckt, das wir je emittiert haben – doch durch die Erderwärmung nimmt er bereits sechs Prozent weniger auf als möglich. Was dieser versteckte Kipppunkt für uns bedeutet.

Rechtspersönlichkeit für Ökosysteme: Mar Menor klagt in Spanien
Natur & Umwelt

Rechtspersönlichkeit für Ökosysteme: Mar Menor klagt in Spanien

23. Oktober 2026

Die spanische Lagune Mar Menor hat seit 2022 Rechtspersönlichkeit – als erstes Ökosystem Europas. Felix Aiwanger vom Max-Planck-Institut erklärt, wer künftig klagen könnte und wie Deutschland im internationalen…

Hummelähnliche Insektenart nach 150 Jahren in Frankreich wiederentdeckt
Natur & Umwelt

Hummelähnliche Insektenart nach 150 Jahren in Frankreich wiederentdeckt

21. Oktober 2026

Eine hummelähnliche Insektenart, die seit rund 150 Jahren in Frankreich als verschwunden galt, wurde im Raum Paris erneut gesichtet. Forschende sehen den Fund als Beleg für eine globale Taxonomie-Krise.

Wie die Ölindustrie den Zweifel am Klimawandel erfand
Natur & Umwelt

Wie die Ölindustrie den Zweifel am Klimawandel erfand

19. Oktober 2026

Ein neuer Bericht dokumentiert, wie fossile Konzerne systematisch Desinformation über die menschengemachte Erderwärmung verbreiteten. Klimaforscher Stefan Rahmstorf empfiehlt die Lektüre dringend.

← Zurück zu Natur & UmweltZur Startseite