Vorsicht Gift! Mit der Pilzsaison sprießen auch tödliche Doppelgänger
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Vorsicht Gift! Mit der Pilzsaison sprießen auch tödliche Doppelgänger

Bild: Foto: Besenbinder, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

So sehr sich Sonnenfans, Biergartenbetreiber und Eisverkäufer über den ständigen Regen der letzten Wochen geärgert haben - für Pilze ist das Wetter optimal. Weil der Boden schön feucht ist, haben sie einen echten Wachstumsschub erlebt und sprießen in diesem Jahr deutlich früher als sonst. Schon seit Juli können Waldspaziergänger daher einiges an leckeren Hutpilzen finden.

So sehr sich Sonnenfans, Biergartenbetreiber und Eisverkäufer über den ständigen Regen der letzten Wochen geärgert haben - für Pilze ist das Wetter optimal. Weil der Boden schön feucht ist, haben sie einen echten Wachstumsschub erlebt und sprießen in diesem Jahr deutlich früher als sonst. Schon seit Juli können Waldspaziergänger daher einiges an leckeren Hutpilzen finden.

Vorsicht beim Pilzesammeln!

Doch nicht nur Speisepilze gedeihen aktuell gut, auch Giftpilze und ungenießbare Arten profitieren von durchfeuchteten Böden. Das hat bereits im Juli und August zu einem dramatischen Anstieg von Vergiftungsfällen geführt. In diesem Jahr mussten deswegen schon doppelt so viele Menschen behandelt werden, wie das Giftinformationszentrum-Nord meldete.

Das Problem: Unter den mehreren tausend Pilzarten in Deutschland hat fast jeder essbare Pilz auch einen giftigen Doppelgänger. Wer nicht viel Erfahrung beim Pilzesuchen hat, tappt daher leicht in die Falle. Experten empfehlen daher nur geübten Sammlern, ihre Pilzernte auch zu verzehren. Alle anderen sollten ihre gesammelten Pilze lieber von einem Experten noch einmal prüfen lassen. Wo es eine Pilz-Sprechstunde oder einen Pilzsachverständige in Ihrer Nähe gibt, kann man unter anderem bei der Deutschen Gesellschaft für Mykologie erfahren.

Pilz-Apps bieten keine Sicherheit

Gerade bei Jüngeren liegen Pilz-Apps als Bestimmungshilfen im Trend. Schließlich ist es ja praktisch, den gefundenen Pilz direkt im Wald anhand von Fotos und Beschreibungen identifizieren zu können. Doch Fachleute warnen davor, sich nur auf solche Apps zu verlassen. Bei einem Test der Gesellschaft für Mykologie fielen alle Apps durch: "Keines der getesteten Produkte kann einen unerfahrenen Anwender sicher durch die verwirrende Vielfalt an Pilzarten und Fruchtkörperformen geleiten, die wir im Wald finden", konstatieren die Experten.

In vielen Pilz-Apps sind die Fotos und Bilder zu klein, um die wichtigen Details zu zeigen. Zudem fehlen manchmal wesentliche Merkmale zur Unterscheidung oder konkrete Hinweise auf Doppelgänger. "Ein Speisepilzsammler, der sich bei der Bestimmung nur von einer App leiten lässt, spielt grob fahrlässig mit seiner Gesundheit", so das Fazit der Experten.

Tödlicher Doppelgänger

Der Klassiker unter den fatalen Doppelgängern ist der Knollenblätterpilz: Er sieht dem essbaren Wiesenschampignon sehr ähnlich und wird daher oft mit ihm verwechselt. Schon ein einzelner verspeister Knollenblätterpilz kann jedoch tödlich sein, weil sein Gift speziell das lebenswichtige Organ Leber schädigt. Für die lebensbedrohliche Wirkung des Knollenblätterpilzes sind sogenannte Amatoxine verantwortlich, vor allem das alpha-Amanitin.

Typischerweise treten die Vergiftungssymptome nicht sofort auf, sondern erst nach sechs bis maximal 24 Stunden. "Der Klassiker ist, dass am Abend Giftpilze gegessen werden und erst am nächsten Morgen bekommt man Übelkeit, Erbrechen und Durchfall", erklärt Andreas Schaper vom Giftinformationszentrum-Nord. Besteht dann der Verdacht einer Pilzvergiftung, muss es schnell gehen. Denn ohne Behandlung kann der Betroffene innerhalb weniger Tage an Leberversagen sterben.

"Bei Verdacht auf eine Pilzvergiftung sollte man sich sofort an das nächste Krankenhaus wenden oder den Notarzt rufen", rät Michael Manns von der Deutschen Leberstiftung. Um die Diagnose zu erleichtern, sollten die Pilzreste und das Erbrochene aufgehoben und an den Arzt weitergegeben werden. "Eine frühe Diagnose der Vergiftung und ein unverzüglicher Beginn der Behandlung sind für die Heilungsaussichten extrem wichtig." Im Spätstadium der Vergiftung kann nur noch eine Lebertransplantation den Vergifteten retten.

Auch hier herrscht Verwechslungsgefahr

Doch neben dem Knollenblätterpilz gibt es noch weitere fatale Doppelgänger. So ähnelt der Pantherpilz (Amanita pantherina) dem beliebten Perlpilz (Amanita rubescens). Beide besitzen einen bräunlichen Hut mit pickelartigen Flecken und helle Lamellen auf der Hutunterseite. Doch der Pantherpilz enthält ein Gift, das schlimmstenfalls sogar tödlich sein kann. Es löst Erbrechen, Durchfall und Krampfanfällen aus, wirkt aber auch auf das Zentralnervensystem und kann Krampfanfälle, Koma und eine Atemlähmung verursachen.

Ebenfalls tückisch ist der Doppelgänger des essbaren Stockschwämmchens (Kuehneromyces), der Gifthäuptling (Galerina marginata). Beide sehen sich nicht nur sehr ähnlich, sie wachsen auch beide auf dem gleichen Untergrund: abgestorbenem, halbvermoderten Holz. Unterscheiden kann man sie nur an Details ihres Stiels. Das Gift des Gifthäuptlings ist chemisch dem des Knollenblätterpilzes sehr ähnlich. Wie dieses schädigt es vor allem die Leber und löste die ersten Symptome meist mehrere Stunden nach der Pilzmahlzeit aus.

Wer sich vor solchen fatalen Verwechslungen schützen will, sollte daher lieber nicht auf Versuch und Irrtum vertrauen, sondern lieber auf Nummer sicher gehen.

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