Wenn die Robotaxis kommen
Technik & Mobilität

Wenn die Robotaxis kommen

Bild: Foto: JanRehschuh, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

Dieser Frage sind nun Wissenschaftler des Wirtschaftsunternehmens Deloitte nachgegangen. Für ihre Studie entwickelten die Forscher ein Mobilitätsmodell, in das unter anderem Bewegungsmuster, Bevölkerungsstruktur und Pendlerverflechtungen in 109 deutschen Städten einflossen. Außerdem werteten sie die Ergebnisse eines repräsentativen Online-Experiments zur Akzeptanz und Zahlungsbereitschaft für autonome Fahrdienste aus.

iStock.com, Scharfsinn86

Dieser Frage sind nun Wissenschaftler des Wirtschaftsunternehmens Deloitte nachgegangen. Für ihre Studie entwickelten die Forscher ein Mobilitätsmodell, in das unter anderem Bewegungsmuster, Bevölkerungsstruktur und Pendlerverflechtungen in 109 deutschen Städten einflossen. Außerdem werteten sie die Ergebnisse eines repräsentativen Online-Experiments zur Akzeptanz und Zahlungsbereitschaft für autonome Fahrdienste aus.

Halb so teuer wie Bus und Co

Die Autoren der Studie nehmen an, dass im Jahr 2035 Autos zuverlässig voll autonom fahren. Neben autonomen Pkw im Privatbesitz eröffnet dies ein Geschäftsfeld für Dienstleister, die Fahrten gegen Gebühr abrechnen. Dabei könnten zwei sich Fahrzeugtypen durchsetzen: autonome Taxis für ein bis zwei und autonome Shuttles für maximal vier Passagiere.

Den Berechnungen der Forscher zufolge könnten die autonomen Fahrzeuge vor allem aufgrund der attraktiven Nutzungskosten private Pkw, aber auch den öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) verdrängen. Weil die Auslastung beim Robotertaxi höher und die Nutzung effizienter ist, sind Fahrten mit diesen Gefährten nämlich 25 Prozent günstiger als mit dem eigenen Auto. Nutzer autonomer Shuttles würden laut den Ergebnissen der Studie die Hälfte des Preises eines ÖPNV-Tickets zahlen - bei deutlich mehr Komfort.

Jeder dritte Weg

Konkret bedeutet dies: Ließe man den Marktkräften freien Lauf, wären im Jahr 2035 740.000 autonome Fahrzeuge in den Städten unterwegs, das Zwölffache der heutigen Taxiflotte. Jeder dritte Weg würde somit in autonomen Fahrdiensten zurückgelegt werden. Der Preiswettbewerb würde demnach dazu führen, dass der Anteil privater Autos an den täglich gefahrenen Strecken von heute 49 auf 32 Prozent sinkt. Die Nutzung des ÖPNV geht von 20 auf 14 Prozent zurück.

Doch nicht nur das: Den Prognosen der Wissenschaftler zufolge sinkt sogar die Nutzung von Fahrrad und Fußweg von 31 auf 21 Prozent. Denn die autonomen Fahrdienste könnten auch eine besondere Anziehungskraft auf junge Menschen ausüben, die noch keinen Führerschein besitzen.

Weniger Autos, mehr Verkehr

Welche Folgen aber hätte der Boom der Robotaxis? Ein positiver Aspekt ist, dass durch den Rückgang des Fahrzeugbestands in den Städten der Parkraum entlastet wird. Da autonome Fahrzeuge jedoch häufiger genutzt werden, steigert sich der Verkehr in den Städten in Spitzenzeiten um bis zu 40 Prozent. "Unser Mobilitätsmodell prognostiziert, dass zwei wesentliche Effekte zu erwarten sind: Die Anzahl der Fahrzeuge, die zeitgleich auf unseren Straßen fahren, nimmt zu. Damit sinkt der Verkehrsfluss und das Staurisiko wird deutlich erhöht", erklärt Thomas Schiller von Deloitte.

Für Pendler sind das keine guten Nachrichten: Sie könnten künftig im Schnitt 2,5 Minuten länger für den Weg zur Arbeit brauchen, so die Prognose. Zumindest die Umwelt wird durch den zunehmenden Verkehr kaum belastet: Die autonomen Fahrzeuge dürften durchgängig elektrisch angetrieben werden und sind damit lokal emissionsfrei.

iStock.com, Sasha_Suzi

Verkehrskollaps vermeiden

Trotz der drohenden Verkehrsprobleme bescheinigen die Autoren der Studie autonomen Fahrzeugen ein großes Potenzial: "Die Nutzungsbereitschaft und die Nachfrage sind hoch. Die potenziellen Nutzer würden bereitstehen - die Hersteller müssen mit der entsprechenden Technologie nachziehen und die Politik die richtigen Weichen stellen, damit eine erhöhte Verkehrsbelastung verhindert wird", sagt Deloitte-Chefökonom Alexander Börsch. So könne eine smarte Regulierung eine Lösung sein, um Mobilität in geordnete Bahnen zu lenken und einen Verkehrskollaps zu vermeiden.

Weitere Artikel auf wissenschaft.de

Mehr aus Technik & Mobilität

Weitere aktuelle Artikel aus der Rubrik Technik & Mobilität.

Alle Technik & Mobilität-Artikel
Warum intelligente Produkte mehr brauchen als gute Software
Technik & Mobilität

Warum intelligente Produkte mehr brauchen als gute Software

31. Oktober 2026

Smarte Produkte stolpern selten über schlechten Code, sondern über falsch verheiratete Komponenten: Sensorik, Energieversorgung, Hardware und Software müssen als ein System gedacht werden – sonst versagt der Prototyp im…

Die Zitier-Rakete: Wie ein Leipziger Professor in zehn Jahren an die Weltspitze kam
Technik & Mobilität

Die Zitier-Rakete: Wie ein Leipziger Professor in zehn Jahren an die Weltspitze kam

28. Oktober 2026

Dominik Kanbach von der HHL Leipzig gehört nach nur einem Jahrzehnt Forschung zu den meistzitierten Wissenschaftlern der Welt. Ein Blick auf seinen steilen Aufstieg – und die Frage, was solche Rankings wirklich aussagen.

Verkehrslenkung durch Zufahrtskontrollen: Die Systematik des deutschen Plakettensystems
Technik & Mobilität

Verkehrslenkung durch Zufahrtskontrollen: Die Systematik des deutschen Plakettensystems

14. Oktober 2026

Die Lenkung von Verkehrsströmen in Ballungsräumen ist seit Jahrzehnten eine zentrale Aufgabe der Stadtplanung. Ein entscheidendes Instrument dieser Regulierung sind die etablierten Umweltzonen in Deutschland. Wie das…

Musiker Dan Saks startet Bilderbuch-Launch per Fahrrad durch die Niederlande
Technik & Mobilität

Musiker Dan Saks startet Bilderbuch-Launch per Fahrrad durch die Niederlande

5. Oktober 2026

Der Pädagoge und Musiker Dan Saks veröffentlicht sein Kinderbuch "On Our Bikes" mit einer Familienreise durch das niederländische Radwegenetz – dokumentiert als Musikvideo und Vlog.

← Zurück zu Technik & MobilitätZur Startseite