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Werkzeugnutzung bei Tieren: Neue Erkenntnisse dank Kuh Veronika
Bildquelle nicht angegeben
Natur & Umwelt

Werkzeugnutzung bei Tieren: Neue Erkenntnisse dank Kuh Veronika

Unter einer Werkzeugnutzung versteht man in der Verhaltensbiologie den gezielten Einsatz von Objekten aus der Umwelt, um ein konkretes Ziel zu erreichen. Solche Handlungen können etwa der Nahrungsbeschaffung, der Körperpflege, dem Schutz vor Feinden oder dem Bau von Nestern dienen. Lange Zeit ging man davon aus,…
Veröffentlicht
01. Januar 2026
Lesezeit
2 Minuten
Rubrik
Natur & Umwelt
Kuh Veronika vor Alpenkulisse

© Antonio J. Osuna Mascaró

Unter einer Werkzeugnutzung versteht man in der Verhaltensbiologie den gezielten Einsatz von Objekten aus der Umwelt, um ein konkretes Ziel zu erreichen. Solche Handlungen können etwa der Nahrungsbeschaffung, der Körperpflege, dem Schutz vor Feinden oder dem Bau von Nestern dienen. Lange Zeit ging man davon aus, dass nur Menschen Werkzeuge benutzen, da das ein hohes Maß an geistiger Flexibilität erfordert. Inzwischen haben Studien jedoch gezeigt, dass Werkzeuggebrauch bei einer Vielzahl von Tierarten vorkommt, darunter Menschenaffen, Vögeln und Fischen sowie einzelnen Tintenfischarten und sogar Insekten.

Kuh Veronika kratzt sich genüsslich mithilfe eines Stocks.

© Antonio J. Osuna Mascaró

Kühe galten lange nicht als Werkzeugnutzer

Von Rindern waren solche Fähigkeiten dagegen nicht bekannt. Und auch im Vergleich zu Hunden oder Pferden wurde ihnen eine geringere Intelligenz und Lernfähigkeit zugeschrieben. „Kühe sind gängiger Annahme nach weder Problemlöser noch Werkzeugnutzer“, erklären Antonio Osuna-Mascaró und Alice Auersperg von der Veterinärmedizinischen Universität Wien.

Ein Rind aus Österreich stellt diese alten Annahmen nun auf den Kopf: Die Kuh Veronika nutzt gezielt Besen und Stöcke, um sich an Stellen zu kratzen, die sie mit ihrem Maul oder den Füßen nicht erreichen kann. Bereits vor mehr als zehn Jahren bemerkte ihr Besitzer, der Veronika als Haustier hält, dieses ungewöhnliche Verhalten. Erst ein Video davon machte jedoch auch die Verhaltensforscherin Alice Auersperg darauf aufmerksam.

Kuh Veronika bei Asurichten des Kratzbesens

Wie Veronika einen Besen einsetzt

Die Forschenden führten verschiedene Tests mit der Kuh durch. Dabei legten sie immer wieder Besen in verschiedener Ausrichtung auf den Boden und beobachteten, was die Kuh damit anstellte. Das Ergebnis: Sie setzt die Gegenstände nicht beliebig ein, sondern passt deren Handhabung bewusst an die jeweilige Situation an. „Veronika nutzt dabei nicht einfach nur ein Objekt, um sich zu kratzen: Sie verwendet verschiedene Teile dieses Werkzeugs für unterschiedliche Zwecke und nutzt dabei jeweils andere Techniken, je nach Körperregion und Nutzungsart“, erklärt Auersperg.

So kommen für ausgedehnte Körperflächen wie Rücken oder Flanken vor allem die Borsten des Besens zum Einsatz, während empfindlichere Bereiche wie Bauch oder Euter mit dem glatten Stielende bearbeitet werden. Damit nutzt Veronika ein einzelnes Objekt für unterschiedliche Funktionen. Ein solches flexibles Verhalten war bislang nur von Schimpansen bekannt.

Kuh Veronika beim Beseneinsatz zum Kratzen

Lebensumstände als entscheidender Faktor?

Die Kuh Veronika demonstriert damit, dass auch Rinder Werkzeuge je nach Bedarf einsetzen können. Aber ist sie eine Ausnahme? Bisher ist dies unklar. Eine wichtige Rolle für Veronikas Fähigkeiten könnten jedoch ihre Lebensumstände spielen. Die Kuh ist bereits 13 Jahre alt und wird anders als die meisten ihrer Artgenossen als Haustier gehalten. Sie hat daher viel Zeit zum Erkunden ihrer Umgebung und Zugang zu unterschiedlichen Gegenständen.

Dadurch hatte diese Kuh über Jahre hinweg Gelegenheit, dieses ungewöhnliche Verhalten zu erlernen und weiterzuentwickeln. Doch Veronika dürfte kein Einzelfall sein, sagen die Forschenden. „Wir vermuten, dass solche Fähigkeiten weiter verbreitet sind als bisher dokumentiert“, erklärt Osuna-Mascaró.

Quelle: Veterinärmedizinische Universität Wien

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