Während das englischsprachige, gewinnorientierte Publikationssystem weiterhin von US-amerikanischen und britischen Verlagen dominiert wird, gestaltet China sein Forschungsökosystem um. Die National Natural Science Foundation of China hat für alle Projekte, die seit 2025 gefördert werden, eine Regelung eingeführt: Mindestens 20 Prozent der repräsentativen Veröffentlichungen müssen in chinesischen Fachjournalen erscheinen.
Parallel dazu lockern chinesische Universitäten ihre Bewertungskriterien für Lehrende. Die Tsinghua-Universität erlaubt Lehrenden nun, bis zu fünf Werke einzureichen, die ihr akademisches Niveau am besten widerspiegeln – darunter Aufsätze, Monografien oder Patente – anstatt die Publikationsmenge oder Impact-Faktoren zu betonen. Einige Universitäten haben ihre Einstellungs- und Bewertungskriterien gelockert und rücken damit von einem ausschließlichen Fokus auf Publikationsmetriken ab.
Diese Entwicklung wirft Fragen auf: Handelt es sich um einen genuinen Versuch, die Anreizstrukturen des akademischen Systems zu verändern – oder um eine geopolitische Strategie? Während der Westen weiterhin auf Marktkräfte setzt, um das Publikationssystem zu reformieren, führt China strukturelle Änderungen durch staatliche Vorgaben ein. Ob dieser Ansatz tatsächlich zu einer qualitativ besseren Forschungslandschaft führt oder parallele Wissenschaftssysteme schafft, bleibt offen.




