Wie ein Sternenwirbel die Geschichte einer verschluckten Galaxie erzählt
Allgemein

Wie ein Sternenwirbel die Geschichte einer verschluckten Galaxie erzählt

Bild: Luis Felipe Alburquerque Briganti / Pexels

Es gibt Objekte am Nachthimmel, die ihre Geheimnisse nur widerwillig preisgeben. Omega Centauri ist eines davon. Der größte und massereichste Kugelsternhaufen der Milchstraße gilt als besonders wissenschaftlich interessant, da er möglicherweise der Kern einer einst verschluckten Zwerggalaxie ist. Nun liefert eine neue Rotationskarte frische Indizien für diese Hypothese.

Es gibt Objekte am Nachthimmel, die ihre Geheimnisse nur widerwillig preisgeben. Omega Centauri ist eines davon. Der größte und massereichste Kugelsternhaufen der Milchstraße gilt als besonders wissenschaftlich interessant, da er möglicherweise der Kern einer einst verschluckten Zwerggalaxie ist. Nun liefert eine neue Rotationskarte frische Indizien für diese Hypothese.

Der Datensatz wurde von Haberle und Kollegen im Journal Astronomy & Astrophysics (Band 713) veröffentlicht und ist über das Virtual Observatory der Universität Straßburg frei zugänglich. Die Forscher haben aus spektroskopischen Messungen und Radialgeschwindigkeitsdaten im sichtbaren Wellenlängenbereich ein detailliertes Rotationsprofil erstellt – eine Karte, die zeigt, wie sich die Sterne innerhalb des Haufens bewegen.

Die Methode beruht auf Spektroskopie: Das Licht einzelner Sterne wird in seine Wellenlängen zerlegt. Aus winzigen Verschiebungen dieser Wellenlängen lässt sich ablesen, wie schnell sich ein Stern auf uns zu oder von uns weg bewegt – die sogenannte Radialgeschwindigkeit. Tausende solcher Messungen fügen sich zu einem Bild zusammen: Wer bewegt sich wohin, wie schnell, in welche Richtung?

Solche Rotationsprofile erlauben Rückschlüsse auf die innere Dynamik, Masse und Strukturgeschichte von Sternhaufen. Die innere Dynamik des Haufens birgt auch Hinweise auf die Massenverteilung – und damit möglicherweise auf die Existenz eines intermediären Schwarzen Lochs im Zentrum.

Die Veröffentlichung im Virtual Observatory bedeutet, dass die Rohdaten – Radialgeschwindigkeiten, Koordinaten, Spektren – jetzt für die gesamte wissenschaftliche Gemeinschaft nutzbar sind. Andere Forschergruppen können die Analyse überprüfen, erweitern und mit anderen Beobachtungen kombinieren. Das CDS-Archiv in Straßburg ist eine zentrale Dateninfrastruktur der modernen Astronomie: ein Ort, an dem Messungen weiterleben und neue Fragen beantworten können.

Die neue Rotationskarte ist kein abschließender Beweis für die Theorie, dass Omega Centauri ein galaktischer Leichnam ist. Aber sie fügt dem Puzzle ein wichtiges Teil hinzu – und zeigt, dass selbst die hellsten, bekanntesten Objekte am Himmel noch Geschichten erzählen können.

Mehr aus Allgemein

Weitere aktuelle Artikel aus der Rubrik Allgemein.

Alle Allgemein-Artikel
Regensburger Physiker halbieren Fehlerrate von Quantenbits mit einer Zusatzmessung
Allgemein

Regensburger Physiker halbieren Fehlerrate von Quantenbits mit einer Zusatzmessung

4. November 2026

Ein Team um Ferdinand Kuemmeth senkt mit einer einzigen Extra-Messung vor der Rechnung die Fehlerrate von Qubits von 0,14 auf 0,065 Prozent – ohne neue Hardware.

Kölner Physiker finden Spuren eines Quantenzustands, der Computer fehlerfrei machen könnte
Allgemein

Kölner Physiker finden Spuren eines Quantenzustands, der Computer fehlerfrei machen könnte

3. November 2026

Forscher der Uni Köln haben Quantenzustände gemessen, die zur Theorie der topologischen Supraleitung passen. Ein möglicher Baustein für störungsresistente Quantencomputer – der entscheidende Beweis fehlt aber noch.

Wie ein winziger Mückenstich halb Deutschlands Weiden bedroht
Allgemein

Wie ein winziger Mückenstich halb Deutschlands Weiden bedroht

2. November 2026

Forscher fingen 2024 über 337.000 Gnitzen auf 14 norddeutschen Höfen ein. Fast jede fünfte Probe trug das Blauzungenvirus – ein Blick auf einen Erreger, der fast unsichtbar von Tier zu Tier wandert.

Borneo-Brände 2026: Wie Feuer die Orang-Utans noch Jahre später bedrohen
Allgemein

Borneo-Brände 2026: Wie Feuer die Orang-Utans noch Jahre später bedrohen

30. Oktober 2026

Indonesien erlebt die schlimmsten Waldbrände seit über einem Jahrzehnt. Langzeitdaten aus Borneo zeigen: Die Folgen für Orang-Utans reichen weit über Rauch und Flammen hinaus – mit Auswirkungen auf Ernährung,…

← Zurück zu AllgemeinZur Startseite