Wie kommt das Meeresrauschen in die Muschel?
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Wie kommt das Meeresrauschen in die Muschel?

Bild: Foto: GerritR, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Diesen Effekt hat fast jeder schon mal bemerkt: Halten wir uns eine große Muschel- oder Schneckenschale ans Ohr, dann hören wie ein leises Rauschen – als wenn das Meer im Strand-Souvenir weiterrauscht. Aber woher kommt dieses Rauschen? Ist es bloß unser eigenes Adernrauschen? Oder der Wind? Wir gehen der Sache auf den Grund.

Die großen gewundenen Gehäuse tropischer Muscheln und Meeresschnecken wecken in uns die Erinnerung an Sonne, Meer und Strand. Doch die auch als Deko-Objekt beliebten Schalen dieser Meerestiere bringen uns nicht nur optisch den Ozean ins Haus, sie tun dies auch akustisch. Halten wir uns die längliche Öffnung dieser Gehäuse ans Ohr, hören wir Meeresrauschen - und dies auch dann, wenn wir meilenweit von jedem Ozean entfernt sind.

Erfahrene Strandgutsammler wissen, dass die besten "Rauscher" dabei nicht Muschelschalen sind, sondern große Gehäuse von Meeresschnecken. Denn nur sie besitzen einen ausreichend großen Hohlraum, damit dieser Rauscheffekt auftritt - bei den meisten Muscheln ist das nicht der Fall. Umgekehrt kann sogar ein leeres Glas oder eine Tasse dieses Geräusch hervorbringen, wenn wir sie ans Ohr halten.

Es rauscht auch mit Mikrophon

Aber egal ob Muschel, Schnecke oder Tasse: Woher kommt dieses Rauschen? Und was genau hören wir da eigentlich? Das Meer kann es ja nicht sein. Lange Zeit glaubte man, das seltsame Rauschen wäre nichts anderes als das Geräusch unseres eigenen Blutes. Das Gehäuse wirkt wie ein Verstärker, der das leise pulsierende Rauschen in den Adern unseres Kopfes hörbar macht.

Dass das so nicht stimmen kann, lässt sich einfach ausprobieren: Halten wir ein Mikrophon an die Öffnung eines auf dem Tisch liegenden Schneckengehäuses, zeichnet es ebenfalls das typische Rauschen auf. Und das, obwohl wir das Schneckengehäuse gar nicht am Ohr haben und daher auch keine unserer Blutadern in der Nähe ist.

Ist es die Luft?

Wenn es aber das Blut nicht ist, was ist es dann? Könnte es Luft sein, die in der Schale zirkuliert und dort das Rauschen erzeugt - ähnlich dem Rauschen des Windes in den Bäumen? Auch diese Theorie lässt sich durch einen Versuch entkräften, wie David Sharp von der Open University im britischen Milton Keynes erklärt: Hält man das Schneckengehäuse oder das Glas in einem stillen, schallisolierten Raum ans Ohr, hört man - nichts.

"Das charakteristische "Schschschsch" ist hier kaum mehr hörbar", sagt Sharp. Wäre aber der Luftstrom die Ursache, müsste man das Rauschen noch hören. Denn auch in einem schalldichten Raum bewegt sich die Luft und strömt im Gehäuse umher.

So werden die Umgebungsgeräusche zum Rauschen

Woher aber kommt dann das Rauschen? "Die Antwort lautet: aus unserer Umgebung", sagt Sharp. Denn wir sind im Alltag fast immer von Geräuschen umgeben – egal ob natürlichen Ursprungs wie das Rascheln von Blättern oder aber menschengemacht wie der Verkehrslärm in der Stadt. Hält man sich die Schneckenschale ans Ohr, wirkt sie wie eine Resonanzkammer.

Die aus der Umgebung eindringenden Schallwellen werden von den Wänden des Gehäuses hin- und hergeworfen und lassen die Luft im Innenraum mitschwingen. Dies verstärkt bestimmte Frequenzen der Umgebungsgeräusche und dämpft andere ab. "Die verstärkten Frequenzen verbinden sich zu dem charakteristischen Rauschen, das uns an die Meereswellen am Strand erinnert", erklärt der Forscher.

Aber nicht jede Schale klingt gleich: Wie hoch oder tief das Rauschen ist, ist von ihrer Form und Größe abhängig. Denn je nach Hohlraumgröße schwingt die Luft bei bestimmten Schallfrequenzen mal mehr mal weniger stark mit. Größere Schneckengehäuse verstärken etwas niedrigere Frequenzen als kleinere. Deshalb klingt ihr Rauschen tiefer.

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