Wildpilze - Gefahr oder Genuss?
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Wildpilze - Gefahr oder Genuss?

Bild: Foto: Wilhelm Zimmerling PAR, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Sie ist wieder da: die Pilzzeit. Besonders im Frühherbst finden wir in unseren Wäldern viele Pilze, die wir zu frischen und gesunden Mahlzeiten verarbeiten können. Doch Vorsicht: Nicht nur giftige Pilze sollten wir meiden. Auch Speisepilze enthalten teilweise viele Schadstoffe. Deswegen ist zumindest ein übermäßiger Pilzgenuss nicht immer empfehlenswert.

Bei einem Waldspaziergang im Herbst sehen wir sie häufig: Pilze, die am Boden oder auf Baumrinden wachsen. Man findet sie zwar auch zu anderen Jahreszeiten und an anderen Standorten, doch nicht immer entdeckt man sie auf den ersten Blick. Denn manchmal liegen sie verborgen, zum Beispiel unter Laub. Doch so unscheinbar diese Organismen in der Natur sein können, so besonders sind ihre Eigenschaften.

Manche Pilze können tödliche Dosen radioaktiver Strahlung vertragen und sogar davon profitieren, während andere 1.500 Jahre alt werden und das Ausmaß von mehr als eineinhalbtausend Fußballfeldern besitzen. Da die Pilze weder Pflanzen noch Tieren zugeordnet werden, haben sie ihre eigene Gruppe im Stammbaum des Lebens. Dort sind sie auch bestens aufgehoben, denn die Pilze haben tatsächlich sehr spezielle Eigenschaften. Doch viele ihrer Besonderheiten können wir nicht sehen - zumindest nicht auf den ersten Blick.

Versteckter Riese

Im Wald oder auf der Wiese sehen wir nur einen kleinen Teil der Pilze. Denn das Myzel - der Pilzkörper, versteckt sich im Boden. Gerade dieses Pilzgeflecht kann aber gewaltige Ausmaße erreichen. Und ab und zu haben wir die Chance, seine Ausdehnung zumindest zu erahnen. Möglich machen das Feenringe: Hutpilze, die sich kreisförmig ausbreiten.

Diese ungewöhnlichen geometrischen Kreise hatten früher den Ruf, die Spuren von Feen- oder Hexentänzen zu sein. Anders waren die kreisrunden Pilzringe kaum erklärbar. Tatsächlich jedoch zeigen die Ringe die erstaunliche Ausdehnung von Pilzfäden an, die im Erdreich wachsen und an ihren Enden die Fruchtkörper des Pilzes bilden.

Da wir solche Besonderheiten des Organismus nur selten wahrnehmen, wurden die Pilznamen meistens nach Eigenschaften vergeben, die der Mensch sehen oder schmecken kann. Zum Beispiel nach dem Standort der Pilze oder im Falle des Pfeffer-Röhrlings aufgrund seines scharfen Geschmacks.

Vorsicht Quecksilber!

Eine nicht minder faszinierende, aber gleichzeitig bedenkliche Eigenschaft des Pilzes ist seine Fähigkeit, Stoffe anzureichern. Besonders Wildpilze wie Steinpilze, Pfifferlinge, Morcheln oder Maronen nehmen aus dem Erdboden Schwermetalle auf und speichern sie in ihren Geweben.

Dadurch können die Pilze mit den giftigen Stoffen belastet sein. Weil das bekannt ist, wird der Schadstoffgehalt der Wildpilze im Auftrag von Behörden regelmäßig kontrolliert. Besonders die häufig erhöhten Quecksilberkonzentrationen halten Experten dabei für bedenklich. Denn sowohl bei Trockenpilzen und Wildpilzkonserven, als auch bei Proben von frischen Wildpilzen wurden im Jahr 2013 hohe Werte von Quecksilber nachgewiesen.

Bei über 60 Prozent der Proben lagen die Konzentrationen über dem gesetzlich festgelegten Höchstgehalt von 0,01 Milligramm pro Kilogramm. Röhrenpilze lagen meist nur knapp darüber, getrocknete Wildpilze erreichten dagegen im Mittel 2,42 Milligramm pro Kilogramm. Der Grund dafür: Weil beim Trocknen der Pilze Wasser entzogen wird, erhöht sich der Anteil des Quecksilbers. Auch bei Blei, Cadmium und Aluminium fanden die Kontrolleure in Pilzen höhere Konzentrationen als bei anderen Lebensmitteln.

Tschernobyl hinterlässt Spuren

Besonders im Süden Deutschlands findet man in Pilzen aber noch einen weiteren schädlichen Stoff: radioaktives Cäsium-137. Denn nach dem Reaktorunfall in Tschernobyl vor rund 30 Jahren verteilten sich radioaktive Stoffe mit der Luft über weite Teile Europas. Besonders Osteuropa und auch der Süden Deutschlands waren vom Fallout betroffen. Mit dem Regen gelangten die radioaktiven Schwebstoffe in den Boden und reicherten sich hier stellenweise an.

Während die radioaktive Belastung von Äckern, Wiesen und vielen anderen freiliegenden Böden seither stark gesunken ist, blieb das Cäsium in Waldböden länger erhalten. Dadurch können Pilze im süddeutschen Raum noch heute stärker radioaktiv belastet sein – wie stark, hängt von der Pilzart und vom Standort ab.

Pilze essen, aber in Maßen

Sind Pilze deshalb ungesund? Nein. Gerade jetzt im Herbst spricht nichts dagegen, hin und wieder Pfifferlinge und Co im Wald zu sammeln oder sie auf dem Markt oder im Supermarkt zu kaufen. Das Bundesumweltministerium rät aber dazu, regelmäßig nicht mehr als 200 bis 250 Gramm Wildpilze pro Woche zu essen. Kinder sollten je nach Gewicht noch weniger Pilze essen. Der gelegentliche Genuss von Wildpilzen gilt aber auch bei größeren Mengen als unbedenklich.

Eine gute Nachricht für alle Pilzliebhaber – vor allem wenn man bedenkt, dass Speisepilze durchaus positive Eigenschaften haben. Sie enthalten wenig Fett und Kohlenhydrate und sind dadurch kalorienarm. Außerdem haben sie viel Eiweiß, Vitamine und Mineralstoffe. In der Medizin wird ihnen sogar häufig therapeutische Wirkungen nachgesagt.

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