Wunder – gibt's die wirklich?
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Wunder – gibt's die wirklich?

Bild: Foto: Immanuel Giel, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Wer sich einen Überblick über die potenziellen Wunder dieser Welt verschaffen möchte, muss einige "Kandidaten" in den Blick nehmen: neben der Liebe auch diverse natürliche und physikalische Phänomene, imposante Bauwerke sowie eine große Anzahl an Heilungsgeschichten, Legenden und schwer zu erklärenden Erscheinungen. Was ist dran an den Wundergeschichten?

Wer sich einen Überblick über die potenziellen Wunder dieser Welt verschaffen möchte, muss einige "Kandidaten" in den Blick nehmen: neben der Liebe auch diverse natürliche und physikalische Phänomene, imposante Bauwerke sowie eine große Anzahl an Heilungsgeschichten, Legenden und schwer zu erklärenden Erscheinungen. Was ist dran an den Wundergeschichten?

Glück und Natur: die alltäglichen Wunder

Und: so ganz und gar durchschauen wir die Natur ja noch lange nicht. Auch wenn schon in der Antike Forscher versucht haben, die Geheimnisse der Natur zu lüften, auch wenn die Naturwissenschaften in Europa seit dem Ende des Mittelalters kontinuierlich neue Erkenntnisse hervorgebracht haben, wissen wir bei Weitem nicht alles, was es da zu wissen gäbe. Und das schafft Platz für Wunder, oder jedenfalls Beobachtungen, die wir mangels besseren Wissens gern für Wunder halten.

So sind zum Beispiel die ganz großen Fragen der Naturwissenschaften völlig ungeklärt, etwa wieso es vor etwa 13,8 Milliarden Jahren zum Urknall kam oder wieso sich auf der Erde Leben entwickelt hat. Anders gesagt: Der heutige Kenntnisstand lässt prinzipiell durchaus Raum für den Glauben an höhere Mächte, die die Geschicke des Universums beeinflussen.

Ein konkreteres Beispiel für die Grenzen der Wissenschaft sind Spontanheilungen: Immer wieder kommt es vor, dass sich etwa die Tumore von Krebspatienten zurückbilden und auch Jahre später nicht wieder nachwachsen. Das Phänomen ist extrem selten und betrifft nicht alle Krebsarten. Warum die Tumore gelegentlich von selbst wieder verschwinden, ist noch nicht geklärt. Forscher haben auf der Suche nach Erklärungen unter anderem das Immunsystem und die Hormone im Visier, Patienten gehen oft davon aus, dass sie durch psychische Stärke und Zuversicht ihre Krankheit besiegt haben, dass sie außerordentliches Glück hatten – oder dass ihnen ein Wunder zuteil wurde.

Bauwerke und Marketing-Tricks: die beeindruckenden Wunder

Vielleicht waren aber auch schlicht Marketinggedanken im Spiel, als die sieben Weltwunder in der antiken Reiseliteratur erstmals so genannt wurden – schließlich ist ein „Wunder“ zweifelsohne ein deutlich attraktiveres Reiseziel als eine schlichte „Sehenswürdigkeit“.

Als Marketing-Begriff hat das Wort Wunder jedenfalls eine lange Tradition – bis heute. Immer wieder versprechen Hersteller, ihre Produkte würden Wunder bewirken oder seien gar selbst welche – in der jüngeren Vergangenheit zum Beispiel der Schweizer Getränkehersteller Ovomaltine, der Hersteller des Duftwassers 4711 oder der Produzent des Mineralwassers Vilsa. Und sogar Fertignudeln können wundersam sein – jedenfalls legt das der Name Mirácoli nah: miracoli bedeutet auf Italienisch nichts anderes als „Wunder“ – und zwar gleich im Plural.

Wunden und mysteriöse Heilungen: die religiösen Wunder

Etwas abseits der wissenschaftlichen Welt, wenn auch nicht unberührt von ihr, schreibt die Kirche ihre eigene Geschichte. Und die ist bis heute voller Wunder, insbesondere die der katholischen Kirche.

Die Gabe, Wunder zu tun, gilt Christen als Zeichen, dass die wundertätige Person in Gottes Auftrag handelt – entsprechend spricht die Bibel meist von „Zeichen“. Zu den bekanntesten Wundertätern gehört Jesus Christus: Die Wandlung von Wasser in Wein bei der Hochzeit von Kana beispielsweise ist auch vielen nicht-religiösen Menschen bekannt.

Was weniger bekannt ist: Die Bibel schildert Jesus eher als etwas ungehalten über den Wunsch seiner Mitmenschen nach Wundertaten. Einem Mann, der um die Heilung seines kranken Sohnes bittet, entgegnet Jesus laut Johannesevangelium leicht unwirsch: „Wenn ihr nicht Zeichen und Wunder seht, so glaubt ihr nicht.“ Schließlich spricht Jesus aber doch: „Geh hin, dein Sohn lebt“ – und prompt sinkt das Fieber des Jungen. Auch dieser Vorfall wird zu den „Zeichen Jesu“ gerechnet.

Die Tradition, Wunder als Zeichen Gottes zu deuten, ist bis heute lebendig. Wer in der katholischen Kirche selig- oder heiliggesprochen wird, ohne als Märtyrer gestorben zu sein, muss Wunder vollbracht haben: Mindestens eins für die Selig-, ein weiteres für die Heiligsprechung.

An manchen Orten haben Wunder dieser Art sogar Hochkonjunktur: So etwa an dem französischen Pilgerort Lourdes. Seitdem hier im Februar 1858 die damals 14jährige Bernadette Soubirous nahe einer Quelle mehrere Marienerscheinungen hatte, ist Lourdes einer der bekanntesten Pilgerorte der Welt. Vor allem das Quellwasser gilt als heilkräftig – bereits 69 wundersame Heilungen bis heute zählt die Pilgerstätte auf ihrer Internetseite auf, Soubirous ist seit 1933 heiliggesprochen.

Zu den seltsamsten religiösen Wundern gehören die so genannten Stigmata, bei denen Gläubige an Händen und Füßen, aus den Augen und am Kopf zu bluten beginnen – ähnlich Jesus bei der Kreuzigung –, weil häufig eine größere Menschenmenge das Ereignis zu bezeugen bereit ist.

Berühmte Stigmatisierte sind etwa der in Italien hoch verehrte Padre Pio (1887-1968), der 2002 heiliggesprochen wurde, oder die 1962 verstorbene Therese „Resl“ Neumann aus dem bayerischen Dorf Konnersreuth. Obwohl letztere allerdings zu Lebzeiten hunderte Gläubige empfing, sich regelmäßig freitags vor Schmerzen wand, heftig aus ihren mysteriösen Stigmata blutete und eine große Anzahl an Menschen geheilt haben soll, ist die Echtheit ihrer Wunder umstritten – auch in Kirchenkreisen, die die Existenz von Wundern nicht grundsätzlich in Frage stellen. Wie aber lässt sich über 50 Jahre nach Resls Tod belegen, dass Konnersreuth nicht Zeuge eines – zugegeben sorgfältig inszenierten – großen Schwindels geworden ist, wie es Kritiker des Konnersreuthers Kults behaupten? Eine Entscheidung in dem 2005 auf Betreiben zahlreicher Resl-Verehrer eröffneten Seligsprechungsverfahren ist jedenfalls noch nicht gefallen.

Fest steht allerdings, dass die Kirche die an sich genau festgelegten Kriterien für Selig- und Heilgsprechungen im Einzelfall sehr flexibel auslegen kann. Das zeigt der Fall des 1963 verstorbenen Papstes Johannes XXIII.: Er soll in diesem Jahr zusammen mit Johannes Paul II. heiliggesprochen werden. Auf den Nachweis eines zweiten Wunders verzichtet der Vatikan ausnahmsweise.

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