Drei Jahrzehnte Klimaschutz: Wie weit sind wir heute?
Die meisten Staaten sind sich mittlerweile einig, dass der Klimawandel nur als globale Initiative gestemmt werden kann. Die Bereitschaft sich zu engagieren ist allerdings unterschiedlich stark ausgeprägt. Die Europäische Union zum Beispiel hat eine Vorreiterrolle eingenommen. Sie hat sich selbst höhere Ziele bei der Reduktion von Emissionen gesteckt, als sie das Kyoto Protokoll vorsieht. Doch auch auf internationaler Ebene haben die teils zähen Verhandlungen der vergangenen 30 Jahre einige erfolgreiche und erfolgversprechende Maßnahmen ergeben.
FCKW: Vorsorge
Fluor-Chlor-Kohlenwasserstoffe fanden seit ihrer Erfindung in den 1930er Jahren unter anderem Einsatz als Kältemittel in Klimaanlagen, Kühl- und Gefrierschränken, als Treibgas in Sprühbehältern. Als Wissenschaftler Mitte der 70er Jahre ihre umweltschädigende Wirkung entdeckten, begannen Vertragsverhandlungen zur Kontrolle des Ozonproblems. Dennoch entdeckte man wenig später ein riesiges Ozonloch über der Antarktis. Diese Entdeckung hatte das Montrealer Protokoll von 1987 zur Folge. Es gilt als erster globaler Umweltvertrag, der auf Vorsorge setzt. Früh entwickelte daher die Industrie Ersatzstoffe. Schon seit den 90er Jahren verzichten vor allem die westlichen Länder weitgehened auf FCKW.
Emissionshandel: Finanzen
Seit 2005 besteht das Europäische Emissionshandelssystem. Im Kyoto-Protokoll verbindlich vorgesehen ist dieser Emissionshandel, der Ländern oder Unternehmen nur ein begrenztes Kontingent an Emissionsrechten gewährt. Diejenigen, die mehr CO2 ausstoßen als berechtigt, müssen ihr Kontingent erhöhen und dafür zahlen. Diejenigen, die Energie sparen, können ihre Emissionsrechte abtreten und auf diese Weise Geld verdienen. Gerade für die Entwicklungsländer bietet sich hier die Möglichkeit des Finanztransfers.
Gleichzeitig haben Industrieländer die Option, kostengünstige Lizenzen zu erwerben und eben nicht – wie gewünscht – die eigenen Technologien abgasärmer zu entwickeln. Da könnte am Ende dazu führen, dass eine gute Abgasbilanz doch nicht gleichbedeutend mit einer effektiven Klimaschutz-Politik ist.
Clean Development Management: Technologie
Entwicklungsländer können am Clean Development Mechanism (CDM) teilnehmen. CDM ist im Kyoto-Protokoll verankert und sieht vor, dass sich ein Industrieland an einem emissionssparenden Projekt in einem Schwellen- oder Entwicklungsland beteiligt. Dieser Technologietransfer soll Entwicklungsländern helfen, eine klimafreundliche Wirtschaft aufzubauen. Der Transfer wird den Industriestaaten dann in Form einer Emissionsreduktionsgutschrift angerechnet.
Internationale Agentur für Erneuerbare Energien (IRENA): Organisation
Wenn auch noch in den Startlöchern, so erwarten sich die 75 Vertragsstaaten von der ersten international aufgestellten Agentur, dass sie sich als treibende Kraft erweist beim Ausbau der erneuerbaren Energien. Deutschland, Spanien und Dänemark haben die Gründung, die am 26. Januar 2009 erfolgte, vorangetrieben. Erstmals steht nun eine handlungsfähige Organisation hinter den so genannten sauberen Technologien. International treten daneben die Internationale Atomenergieorganisation und die öl- und kohlefreundliche Internationale Energieagentur auf.
Der Weg von 1979 bis 2009: die Klimakonferenzen im Überblick
1979:
Erste Weltklimakonferenz
Beschluss: Weltklimaprogramm
1985:
Wiener Konvention zum Schutz der Ozonschicht
Ziel: weltweite Reduktion der Produktion von Stoffen, die die Stratosphäre schädigen
1987:
Montrealer Protokoll
Beschluss: Regelwerk über die Reduktion ozonschädigender Stoffe, inklusive Maßnahmen für Entwicklungsländer
1988:
WMO (World Meteorological Organization)/ UNEP (United Nations Environment Programme) gründen den Weltklimarat (IPCC)
1990:
Zweite Weltklimakonferenz
Anstoß für das Global Climate Observing System
First Assessment Report des Weltklimarats (IPCC)
Verabschiedung der Klimarahmenkonvention der Vereinten Nationen (UNFCCC); sie bildet den Rahmen, in dem die Vereinten Nationen Klimapolitik betreiben.
1992:
UN-Konferenz zu Umwelt und Entwicklung (Rio de Janeiro)
Beschluss: Global Climate Observing System, Agenda 21
Unterzeichnung der 1990 verabschiedeten Klimarahmenkonvention
1995:
Second Assessment Report des Weltklimarats (IPCC)
Seit 1995 treffen sich die Vertragsstaaten der UNFCCC einmal jährlich zu einer Klimakonferenz (COP).
1997:
Konferenz in Kyoto formuliert Ziele und Zeitplan für die Reduktion von Treibhausgasen (Kyoto-Protokoll).
Ziele: Im Kyoto-Protokoll verpflichten sich die Industriestaaten verbindlich, ihre zusammengerechneten Emissionen der sechs bedeutendsten Treibhausgase (vor allem Kohlendioxid (CO2), Methan (CH4), Fluorchlorkohlenwasserstoffe (FCKWs) von 2008 bis 2012 um 5,2% unter das Niveau von 1990 zu senken. Dabei akzeptieren die einzelnen Länder unterschiedlich hohe Emissionsbegrenzungen. Deutschland liegt mit -21% vorn. Es folgen Großbritannien mit -12,5%, die USA mit -7%, Japan und Polen mit je -6% sowie Frankreich und Russland mit je +/-0%.
März 2001:
Neue US-Regierung (Präsident George W. Bush) verkündet Ausstieg aus dem Kyoto-Protokoll.
2001:
Third Assessment Report des Weltklimarats (IPCC)
2007:
Fourth Assessment Report des Weltklimarats (IPCC)
Verabschiedung der Bali Roadmap auf der UN Klimakonferenz in Bali, deren Inhalt ein neuer Verhandlungsablauf bis 2009 ist und bis 2012 zu einem internationalen Folgeabkommen zum Klimawandel führen soll.
August 2009:
Dritte Weltklimakonferenz vom 31. August bis 4. September 2009 in Genf
Die dritte Weltklimakonferenz der World Meteorological Organization folgt in großem Abstand auf die ersten beiden Konferenzen von 1979 und 1990, die das Klima erstmals als globale Herausforderung begriffen haben.
Beschluss: Aufbau eines weltweiten Informationssystems über Klimadaten
Dezember 2009
Auf der UN-Klimakonferenz in Kopenhagen vom 7. bis 18. Dezember soll ein neuer Weltklimavertrag verabschiedet werden. Ob dieses Nachfolgeabkommen des 2012 auslaufenden Kyoto-Protokolls zustande kommt, hängt nach Einschätzung von Experten maßgeblich von den Zugeständnissen der Akteure aus den Vereinigten Staaten und der Volksrepublik China ab. Bisher will China keine bindenden Zusagen zu Reduktionszielen machen. Die Verhandlungen mit den USA stecken fest, weil der Senat noch der Vorlage für das Klimagesetz zustimmen muss.
Lesen Sie hier "Mit vereinten Kräften"
Quellen: Weltorganisation für Meteorologie, Deutsche Gesellschaft für die Vereinten Nationen e.V., Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit

