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Tierversuche – Töten im Namen der Medizin
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Allgemein

Tierversuche – Töten im Namen der Medizin

Mauritius ist ein Paradies. Blaues Meer und weißer Strand säumen eine üppig bewachsene, leuchtend grüne Landschaft, aus der sich hier und dort felsige Hügel erheben. Doch inmitten dieses Idylls hat auch das Grauen seinen Platz: Erbärmliches Geschrei dringt aus einer Ansammlung von Wellblechverschlägen. Es stammt von…
Veröffentlicht
26. Februar 2022
Lesezeit
4 Minuten
Rubrik
Allgemein

Vom Himmel auf Erden in den Tod

Mauritius ist ein Paradies. Blaues Meer und weißer Strand säumen eine üppig bewachsene, leuchtend grüne Landschaft, aus der sich hier und dort felsige Hügel erheben. Doch inmitten dieses Idylls hat auch das Grauen seinen Platz: Erbärmliches Geschrei dringt aus einer Ansammlung von Wellblechverschlägen. Es stammt von Makaken – einer auf Mauritius beheimateten Affenart –, die darin gefangen sind. Fallensteller hatten sie zuvor aus ihrer Umgebung und ihren Familienverbänden gerissen. Nun fristen sie ein monate-, viele auch jahrelanges Dasein in kahlen engen Käfigen, um entweder selbst qualvoll in einem Forschungslabor in Übersee zu enden oder um Nachschub für den Export zu zeugen.

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Die für den Export vorgesehenen Affen erwartet die nächste Tortur auf der Reise ins Bestimmungsland. Von Mauritius in die EU zum Beispiel kann es bis zu 70 Stunden dauern. Eingesperrt in winzigen Holzkisten leiden die Tiere während des Flugs im Frachtraum von Passagiermaschinen an mangelnder Belüftung, Lärm und extremen Temperaturschwankungen. Zwar gibt es keine offizielle Statistik über die Todesrate beim Transport, aber die BUAV hat einige Fälle dokumentiert, bei denen Affen den Stress an Bord nicht überlebten.

Das Unglück, dem Menschen zu ähneln

Vielleicht haben die Transportopfer noch das bessere Los gezogen, denn den Überlebenden steht ein vermutlich gar schlimmeres Martyrium bevor: in den Labors der Pharma-Industrie. Die bedient sich besonders gern der eingeflogenen Primaten, weil sie dem Menschen so ähnlich sind. Aber gerade deswegen dürften sie auch die Qualen ähnlich verspüren wie ein Mensch, wenn sie ungewisse Zeit in kahlen Einzelkäfigen zubringen müssen, künstlich krank gemacht werden, ihnen Teile des Gehirns entnommen werden oder wenn sie nach einem schweren operativen Eingriff ohne Versorgung sich selbst überlassen bleiben – oft über viele Stunden.

Dabei verstößt laut BUAV schon die Haltungsweise gegen internationale Tierschutzbestimmungen: Als hochintelligente Geschöpfe mit sozialer Ausprägung und komplexen psychologischen Bedürfnissen brauchen Affen den Kontakt zu ihresgleichen und adäquate Beschäftigungsmöglichkeiten. Ohne dies tragen sie auf Dauer schwere Verhaltensstörungen davon. So zeigen die Aufnahmen der BUAV Tiere, die sich unaufhörlich im Kreis drehen, apathisch durch Gitterstäbe starren oder sich in Tobsuchtsanfällen erschöpfen.

Und als sei das Leid nicht groß genug, sind auch noch Szenen zu sehen, in denen das Laborpersonal seinen Spaß mit den Affen treibt, sie etwa zum Tanzen zwingt, wie es im Auftragslabor Covance im westfälischen Münster der Fall war.

Nicht auf den Menschen übertragbar

Wozu eigentlich Tierversuche? Glaubt man dem Verein Ärzte gegen Tierversuche, sind in der medizinischen Forschung innovative Methoden vorhanden, die ohne auskommen. Sie liefern sinnvolle, für den Menschen relevante Ergebnisse. Dennoch heißt es von Seiten der Pharmalobby, Tierversuche seien notwendig, um menschliche Krankheiten zu heilen. Tatsächlich aber sagen sie nur etwas über die Reaktionen bei Tieren aus, und die reagieren auf Medikamente und Giftstoffe meist völlig anders als der Mensch. Arsen zum Beispiel ist für Schafe gut verträglich, Penizillin dagegen schadet Meerschweinchen, und das in so vielen Therapien der Humanmedizin eingesetzte Cortison verursacht bei Mäusen Missbildungen. Umgekehrt verhält es sich mit Contergan.

Die Ergebnisse von Tierversuchen sind also nicht immer auf den Menschen übertragbar und daher sogar gefährlich. Jüngste Beispiele: der Blutfettsenker Lipobay, das Rheumamittel Vioxx und das Herzmittel Trasylol. Alle drei Medikamente waren in Tierversuchen für sicher befunden worden, riefen aber beim Menschen schwere, zum Teil tödliche Schädigungen hervor. Und dies waren nicht die einzigen Fälle: An den Nebenwirkungen von tierexperimentell erprobten Arzneimitteln, so der Verein Ärzte gegen Tierversuche, sterben bundesweit über 50.000 Menschen pro Jahr.

Umsonst also all die Quälereien am so genannten Tiermodell, dem Versuchsopfer, das man künstlich krank macht? Kaninchen, bei denen man durch Stromschläge in den Adern Arterienverkalkung auslöst. Mäuse, die mittels Gentechnik Krebs angezüchtet, oder Hunde, die mit einer Schlinge um ein Herzkranzgefäß einen Infarkt simuliert bekommen.

„Diese künstlich beigebrachte Schädigung hat nichts mit dem komplexen Geschehen bei menschlichen Krankheiten zu tun“, sagt Werner Autenrieth von Ärzte gegen Tierversuche e.V. „Die wichtigsten Krankheitsursachen wie Ernährung, Suchtmittel, Stress, psychische und soziale Faktoren werden dabei völlig außer Acht gelassen. Das Resultat: Immer mehr Menschen, vor allem in der westlichen Welt, leiden und sterben an den so genannten Zivilisationskrankheiten. Trotz der Millionen von Tieropfern und enormen Kosten. Die meisten unserer heutigen Volkskrankheiten ließen sich bereits durch die Vermeidung von Risikofaktoren dramatisch zurückdrängen. Zum Beispiel Herzkreislauferkrankungen, Übergewicht, Diabetes mellitus, Rheuma, Allergien, Aids und vieles mehr.“

Warum also gibt es immer noch Tierversuche? Der Hauptgrund sei Geld, heißt es in einem Bericht von Ärzte gegen Tierversuche. Geld, von dem ganze Wirtschaftszweige profitieren: Züchter, Händler, Futterlieferanten, Hersteller von Käfigen und Zubehör, Wissenschaftsinstitute et cetera. Eine mögliche Erklärung, warum sich im Bundestag nichts bewegt, obwohl das bereits hätte der Fall sein müssen. Im Gegenteil, der Staat belohnt Pharmafirmen noch für Tierversuche: Mit deren Ergebnissen erhalten die Unternehmen am einfachsten eine behördliche Zulassung für neue Produkte.

Tierexperimente nutzen nicht den kranken Menschen, sondern allenfalls den Experimentatoren. Die Qualität der Forschung wird nämlich nicht daran gemessen, wie vielen Menschen geholfen werden konnte, sondern an der Anzahl und dem Renommee der Fachartikel. Davon ist die Höhe der Forschungsgelder abhängig, aus denen sich wiederum neue Tierversuche finanzieren – ein endloser Kreislauf.

Dabei bietet die Wissenschaft genügend Alternativen, etwa Tests mit menschlichen Zell- und Gewebekulturen, Computermodelle, Mikrochips, Bevölkerungsstudien und dergleichen mehr. Doch ist dafür kaum Geld übrig – das meiste fließt in Tierversuche.

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